Wenn es persönlich wird, dann ist das Maß voll! Stanislaw Tillich, 55, Ministerpräsident Sachsens, hat sich dazu entschlossen, wegen Pöbeleien und Beleidigungen in den Kommentaren auf seiner Facebook-Seite, seinen Account ruhen zu lassen. Regierungssprecher Christian Hoose sprach von "persönlichen Angriffen auf den CDU-Politiker".

Ob der Facebook-Account wieder reaktiviert wird, steht noch nicht fest. Gerade die Netzwerke sind für Politiker aber enorm wichtig, da es oft nur noch der einzige Weg ist, junge Menschen, Erstwähler vor allem und sein Wahlvolk zu erreichen. Tatsächlich erfreuen sich die Seiten von Politikern durchaus großer Resonanz. Allein die Kanzlerin hat über eine Millionen-Fans und postete zu Ostern ein Foto mit Blumenstrauß und den Worten: "Liebe Fans, ich wünsche schöne Feiertage." Sowas kommt an, ist bürgernah und cool.

Die Schattenseite: Politiker werden oft schneller angegriffen und verbal verunglimpft. Da helfen keine Personenschützer mehr. Oft werden auch die Familien der Politiker massiv in den Netzattacken bepöbelt, leiden unter den Verunglimpfungen. Besonders sächsische Politiker sehen sich zunehmend Anfeindungen in sozialen Netzwerken ausgesetzt. In den vergangenen Wochen gab es immer wieder Meldungen, wonach Politiker wegen ihres Einsatzes für Flüchtlinge verunglimpft und bedroht wurden. Einige Politiker machen die #PEGIDA-Bewegung für die Stimmungsmache verantwortlich. Doch auch Tillich selbst ist nicht ganz unumstritten. Nach einem Interview zum Thema Pegida und Zuwanderung am 25. Januar 2015 mit einer Zeitung, war Sachsens Ministerpräsident schon einmal Opfer von Attacken. Er stand in der Kritik wegen seiner Äußerung: "Der Islam gehört nicht zu Sachsen!"

Der Fall Tillich zeigt, dass oftmals nur der konsequente Rückzug aus den Netzwerken die betroffenen Politiker schützen. Das ist bedenklich. Denn die Täter haben damit ihr Ziel erreicht. Sie haben Politiker in die Knie gezwungen. Es wäre daher nur zu wünschen, dass Tillich schon bald seinen Account wieder öffnet, dumme Kommentare eben löscht. Alles andere wäre auf Dauer ein falsches Signal für die Freiheit und Demokratie in unserem Land.

Bild: Olaf Kosinsky - Lizensiert unter CC BY-SA 3.0 / Wikimedia Commons