Ein bislang unbekanntes Telefonat zwischen #Wolfgang Schäuble und einem Mitarbeiter des Bundestages offenbart einen scheinbaren Sinneswandel beim Finanzminister. Wird die Situation in Griechenland nun völlig neu bewertet?

Bis gestern war Wolfgang Schäuble mit den Griechen gnadenlos. Von verspieltem Vertrauen sprach der deutsche Finanzminister, der neuen griechischen Regierung warf er vor, das eigene Volk belogen zu haben, auf die Einhaltung von Absprachen pochte er. Durch Diplomatie oder gar Verständnis fiel Schäuble also nicht auf. Nun schlägt er scheinbar mildere Töne an, zumindest wenn man einem abgehörten und aufgezeichneten Telefonat Glauben schenken darf.

Schäubles bisherige Haltung

Mit der neuen griechischen Regierung wurde der deutsche Finanzminister von Beginn an nicht richtig warm. Im Gegenteil, sein Ton war bissig und kam längst nicht überall gut an. Mitte März sagte Schäuble nach stockenden Gesprächen mit der griechischen Regierung: "Sie haben alles Vertrauen zerstört. Das ist ein schwerer Rückschlag." Klare Worte, die wenig Interpretationsspielraum lassen. Weiter schimpfte Schäuble, die Griechen hätten über ihre Verhältnisse gelebt und und müssten sich nun mal "langsam der Realität annähern."

Auch was mögliche Reparationszahlungen von Deutschland an Griechenland betrifft, hatte Schäuble bislang eine harte Linie und zeigte sich von der unnachgiebigen Seite. Der Wirtschaftshistoriker Albrecht Ritschl forderte zwar in einem Gespräch auf Deutschlandradio, Schäuble sollte sich bei den Verhandlungen mit den Griechen "demütiger" verhalten, am Minister zog dieser Appell jedoch nahezu spurlos vorbei.

Schäubles neue Haltung?

Ein Telefonat vom 1. April 2015 scheint nun alles in ein neues Licht zu rücken. Schäuble sagte gegenüber einem namentlich nicht bekannten Mitarbeiter, dass er inzwischen den "Grexit" nicht mehr für vernünftig hält. Erst kürzlich hatte der Minister sich in entgegengesetzter Richtung geäußert. Ein kompletter Schuldenschnitt ist zwar für Schäuble nach wie vor kein Thema, zumindest den Erlass von 50 Prozent der Verbindlichkeiten kann er sich aber vorstellen, wie er am Telefon seinem Mitarbeiter sagte.

Und selbst Reparationszahlungen sind mittlerweile für Schäuble eine Option. Freilich nicht aus reiner Freundschaft zu den Griechen, sondern damit das "Thema durch" sei, will Schäuble jetzt womöglich neu verhandeln. Über die Höhe der Zahlungen ist bislang noch nichts bekannt, aber es ist davon auszugehen, dass sie ein deutliches Stück von den griechischen Forderungen entfernt sein wird.

Schäubles Kalkül bei der neuen Herangehensweise ist die Stabilisierung der griechischen Wirtschaft bei gleichzeitig weiterhin starken Exporten der Deutschen. Die Austeritätspolitik sieht der Finanzminister offenbar inzwischen kritisch, wörtlich sagte er am Telefon: "Ich denke, dass es wie bisher noch bis zur nächsten Wahl funktionieren kann, aber danach wird es schwierig. Varoufakis ist jedenfalls das Schlechteste, was uns passieren konnte."

Wer hat den Anruf aufgezeichnet?

Um die Frage, wer das Gespräch abgehört und aufgezeichnet hat, ranken sich schon jetzt Legenden - von der NSA ist die Rede, auch der russische Geheimdienst wird genannt, und sogar die Griechen sollen für das heimliche Mithören verantwortlich sein. Auch über die Gründe von Schäubles Kehrtwendung wird spekuliert. Das Gespräch zeigt jedenfalls, dass Schäuble keinen vollständigen Wandel erlebt, sondern ganz kühl und pragmatisch mit dem Thema umgeht. Das sagt auch Volkswirt Jens Berger in einem Interview.

Diese Meldung ist natürlich nur ein kleiner Spaß zum ersten April. Ansonsten wäre es den Griechen aber wahrscheinlich auch Recht, so lange sie in Zukunft wieder mehr Luft zum Atmen bekommen.

Bild: Konstaninos Dafalias / flickr.com - [CC BY 2.0] #Europäische Union