Für die Rettungsaktionen soll ein alter Fischkutter hochseetauglich gemacht werden. Harald Höppner hat ihn für 60.000 Euro gekauft.

Für einige der jährlich 10.000 Menschen, die die Überfahrt von Afrika nach Europa riskieren, könnte das Projekt „Sea Watch“ die Rettung sein. Der Brandenburger Harald Höppner hat ein Schiff gekauft, um Flüchtlingen, die im Mittelmeer in Seenot geraten sind, zu retten. Mit einer kleinen Gruppe Mitstreiter ist er dabei, den Kutter in Hamburg-Finkenwerder wieder seetauglich zu machen. Unterstützung bekamen sie auch von ehemaligen "Cap Anamur"-Helfern.

Gerade wurde der hochseetüchtige Kutter „GBO 46“ mit moderner Satellitentechnik ausgerüstet. Unter dem Namen "Sea Watch" soll das Schiff dann ab April von Hamburg aus Richtung Mittelmeer starten und Flüchtlinge mit Inseln und Schwimmwesten helfen. Es ist nicht geplant, diese an Bord zu nehmen. Auch wenn die Initiative nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein kann, sie ist ein sichtbares Zeichen gegen die menschenverachtenden Ereignisse auf dem Mittelmeer.

"Wir haben gesehen, dass um Europa eine neue Grenze entsteht und wollten dem Sterben nicht mehr länger zusehen", sagt Höppner.

Seiner Meinung nach verstecke sich die Politik hinter Verordnungen und Gesetzen und schotte sich ab. Vor allem kritisiert er den Auftrag der EU-Grenzschutzagentur Frontex, die das italienische Hoheitsgebiet bis zu 30 km vor der Küste sichert. Seenotrettung ist nicht die Aufgabe dieser Organisation. Diese Aufgaben wurden noch bis letzten Oktober von der italienischen Operation "Mare Nostrum" geleistet. Immerhin konnte "Mare Nostrum" über 100.000 Menschen lebend an Land bringen. Doch nun hat die EU kein Geld mehr übrig, um Menschenleben im Mittelmeer zu retten. Das Projekt wurde eingestellt.

Harald Höppner will nicht länger zuschauen

Harald Höppner möchte im Kampf gegen die Flüchtlingskatastrophe endlich selbst aktiv werden und nicht nur Zuschauer sein. Auf dem fast 100 Jahre alten Fischkutter gibt es einiges zu tun, wie sich jeder vorstellen kann. Die Idee beschert dem Idealisten aus Brandenburg jede Menge Arbeit, denn der Kauf und die Überführung von den Niederlanden nach Hamburg waren nur der Anfang. Der einstige Autonome Höppner ist von seiner Mission überzeugt. Mit einer anderen Haltung könnte man eine derartige Aufgabe sicher nicht erfüllen. Er möchte, dass das Schiff für Aufsehen sorgt. Konkreter Auslöser für seine Initiative war das tragische Bootsunglück an Europas Außengrenze, das Ende 2013 vor Lampedusa 390 Menschen den Tod brachte. Er war so schockiert, dass er beschloss, nicht länger zuzuschauen, sondern etwas Nachhaltiges zu unternehmen.

Die Mission "Sea Watch"

Dreh- und Angelpunkt ist die gefährliche Passage nach Lampdusa. In diesem Seegebiet ereignen sich 80 % aller Bootsunglücke mit Flüchtlingen. Dabei kamen alleine 2014 über 3.500 Menschen ums Leben. Das Team der "Sea Watch" plant, mit dem Schiff zunächst drei Monate lang in dem Seegebiet zwischen Malta und Libyen, etwa 80 km vor Lampdusa, zu kreuzen. Die einzelnen Manöver sollen jeweils 14 Tage dauern. Es gibt bereits viele Interessenten, die sich auf die Warteliste setzen ließen. Mediziner, Rechtsanwälte, Kapitäne, aber auch Freaks und Punks möchten mithelfen, Flüchtling aus dem Mittelmeer zu retten.

Den vier Brandenburger Familien und Projektentwicklern ist zudem wichtig, auf Missstände in der innereuropäischen Politik aufmerksam zu machen. es ist auch nicht die italienische Küstenwache, die sich gegen die „Sea Watch“-Pläne auflehnt. Daher möchte „Sea Watch“ alle Aktionen in Abstimmung mit der italienischen Küstenwache durchführen. Es kann nicht das Ziel sein, dass die Crew unter Schleuserverdacht gerät. Man will nur diejenigen, die für eine effektive Rettung sorgen könnten, an ihrer Aufgabe erinnern.

Die Ausstattung der "Sea Watch"

Das Schiff ist mit Schwimmwesten, Schwimminseln, Trinkwasser und Lebensmitteln ausgestattet. Acht Crewmitglieder können erste Hilfe leisten, Notrufe absetzen und die darauf folgenden Reaktionen überwachen. Ihre Arbeit möchten sie penibel dokumentieren. Im Moment ist Höppner damit beschäftigt, seinem Boot einen neuen Anstrich zu verpassen. „Greenpeace hat auch mal klein angefangen" sagt er.

Wer noch mitmachen möchte: Man braucht Skipper, Kapitäne mit mindestens SSS/SRC Schein, Ärzte und Notfallsanitäter!

Bild: Luca Siragusa - Insel Lampedusa / lizensiert unter CC BY 2.0 /Wikimedia Commons