Am 5. Januar wurde Laurent Stefanini zum französischen Botschafter im Vatikan benannt. Seit dem wartet Stefanini noch immer auf die Zustimmung seitens des Vatikans.

Homophobie in der katholischen Kirche?

Die Wahl von Laurent Stefanini seitens der französischen Regierung sorgte für Unstimmigkeiten im Vatikan, dem kleinsten Staat der Welt und der letzten absoluten Monarchie Europas. Aufgrund der Verzögerungen ist die französische Botschaft im Vatikan seit dem 1. März 2015 unbesetzt.

Laurent Stefanini ist bekennender Homosexueller und dies ist offenbar Grund genug, dass die Kurie seiner Ernennung bisher noch nicht zugestimmt hat. Nun hat sich auch der Erzbischof von Paris, Kardinal André Vingt-Trois, in den Konflikt eingeschaltet. Der ehemalige Präsident der Bischofskonferenz in Frankreich, unterstützt in einem Schreiben an Papst Franziskus die Wahl des Elysee.

Einige Mitglieder der römischen Kurie sind davon überzeugt, dass die Ernennung von Laurent Stefanini eine reine Provokation seitens der französischen Regierung darstellt. Sie werten die Ernennung als Antwort auf die Kritik von mehreren katholischen Bischöfen die sich gegen die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe in Frankreich ausgesprochen haben. In Frankreich ist die gleichgeschlechtliche Eheschließung seit 2014 legal.

Wie die französische Zeitung JDD berichtet kommt das Veto direkt vom Papst. Dies ist umso verwunderlicher, da dieser seit seinem Amtsantritt mehr Offenheit propagiert hat und im letzten Sommer auf einer Reise in Rio sagte "Wenn eine Person schwul ist und Gott mit gutem Willen sucht, wer bin ich, sie zu verurteilen?"

Trotz erster Anzeichen für Offenheit von Papst Franziskus seit seiner Wahl im März 2013, ist es nach wie vor der Fall, dass Homosexualität ein Problem für die katholische Kirche darstellt.

Homophobie ist inakzeptabel

Es ist nicht akzeptabel, dass die katholische Kirche im Jahr 2015 einen vom Staat gewählten Botschafter nur aufgrund seiner sexuellen und emotionalen Orientierung an der Ausübung seines Amtes hindert.

Es bleibt zu hoffen, dass sich die Anzeichen von Homophobie im Vatikan nicht bestätigen und sich die Ernennung durch andere Gründe verzögert, die nicht mit der Homosexualität von Laurent Stefanini zusammenhängen. Sollte sich der Verdacht jedoch bestätigen, wäre dies eine inakzeptable Verhaltensweise seitens des Vatikans, insbesondere vor dem Hintergrund von Toleranz und Gleichberechtigung.

Originaltext Giuseppe di Bella: Vatican : tensions autour de la nomination d'un ambassadeur de France gay

Bild: Patrick Medved / flickr.com - [CC BY-NC-SA 2.0] #Europäische Union