Was ist die "Oldschool Society"

Am 06. Mai führte die Polizei, nach Angaben der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe, eine bundesweite Razzia mit 250 Polizeibeamten gegen die rechtsextreme Gruppe „Oldschool Society“ (OSS) durch. Die Gruppe soll Anschläge auf Asylbewerberunterkünfte, namhafte Salafisten und Moscheen in Deutschland geplant haben. Bei dem Einsatz in NRW, Bayern, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern wurden 4 Personen festgenommen. Bei der Durchsuchung mehrerer Wohnungen wurden pyrotechnische Gegenstände, mit großer Sprengkraft sichergestellt.

Parallelen lassen sich in diesem Fall zum „Nationalsozialistischen Untergrund (NSU)“ ziehen, der bis 2011, Anschläge mit ähnlichem Hintergrund in Deutschland verübte. Allerdings scheint die Oldschool Society weit weniger im Verborgenen gehandelt zu haben. Im Internet soll die Gruppe offen gegen Ausländer gehetzt haben, um so weitere Mitglieder anzuwerben. Sie hatten sogar ihre eigene Facebookseite, auf der sie ihre Gesinnungen klar kommunizierten.

Von der Facebookseite der OSS

„Der Schöpfer hat eine Vielfalt von Menschen geschaffen und dem Land, in dem sie völkisch sind, angepasst. Unser angeblicher Fortschritt sollte auch daran nichts ändern. Oder sollen demnächst Elefanten bei uns in freier Wildbahn leben? Wie kann es dann ein schwarzer Mann? Nur weil er einen aufrechten Gang hat?“ (Quelle: Bild.de)

Verhaltene Meinungen zum Vorgehen gegen die OSS 

Kommentare auf der Internetseite der Tagesschau lassen darauf schließen, dass viele Leser dem ganzen Vorgang noch keinen großen Stellenwert bei bemessen. Es handele sich vielleicht nur um „Polenböller“ und dafür müsse man nun „in den Knast gehen?“. Einige gehen davon aus, dass der Verfassungsschutz nur ein Exempel statuieren wollten. Außerdem unterstellen einige User den beiden Instanzen durch diese Aktion gute Presse in eigener Sache machen zu wollen.

Stellungnahme des Chefs des Verfassungsschutzes 

Gegenüber der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung sagte der Chef des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes Burkhard Freier: „Wir hatten wegen ihrer Gewaltfantasien Sorge, dass sie völlig durchdrehen." und "Es handelt sich bei ihnen um Personen, die nicht über eine hohe Intelligenz verfügen, sondern eher dumpf sind."

Terror von anderer Seite: Mutmaßlich islamistische Terroristen aus Oberursel

Am 30.April machte die Festnahme eines Ehepaares in Hessen Schlagzeilen. Halil D. und Ehefrau Senay D. stehen unter dringendem Verdacht islamistisch motivierte Anschläge in Deutschland geplant zu haben. In ihrem Keller fanden die Polizeibeamten bei einer Durchsuchung verschiedene Handfeuerwaffen, sowie eine Rohrbombe und Pläne zum Bau anderer Bomben. Auf dem Computer von Halil D. sollen Gewaltvideos befunden haben.

Außerdem soll der Verdächtige Kontakt zur Sauerland Gruppe gehabt haben, sie planten bis zu ihrer Zerschlagung 2007 ebenfalls Anschläge in Deutschland.

Die Festgenommenen aus Oberursel in Hessen sollen einen Anschlag auf ein Radrennen am 01.Mai in Hessen geplant haben. Nur durch unvorsichtiges Handeln und aufmerksame Mitarbeiter eines Baumarktes, die bemerkten wie die beiden Verdächtigten mit ihren zwei Kindern drei Liter Wasserstoffperoxid und dazu Spiritus kauften, sollen die beiden gefasst worden sein.

Gute Arbeit des Verfassungsschutzes und der Polizei?

Die Bewertung des Vorgehens des Verfassungsschutzes und der Polizei ist schwierig. Einerseits sind es klare Erfolge, die die Instanzen in den letzten Wochen vermelden konnten. Nach dem NSU-Skandal hatten viele Menschen das Vertrauen in den Verfassungsschutz verloren. Zu wirr schienen die Vorgänge im NSU-Fall gewesen zu sein. Doch andererseits ist das Auffliegen der mutmaßlichen islamistischen Terroristen aus Hessen nicht der Verdienst des Verfassungsschutzes oder der Polizei, sondern zweier geistesgegenwärtiger Mitarbeiter eines Baumarktes. Nur das schnelle Handeln nach der besorgten Meldung durch die Informanten kann man der Polizei zu Gute halten. Der Verfassungsschutz verteidigte sich mit dem Argument, dass das Ehepaar als vermutlich zweiköpfige Terrorgruppe schlicht zu klein war, um von ihnen erfasst zu werden.

Im Fall der Oldschool Society lässt sich das Ausmaß der Aktivitäten der Gruppe noch nicht genau erkennen. Es könnte sich um eine Gruppe von Fanatikern handeln, die ein wenig zündeln und nur Stunk gegen Ausländer machen wollten, oder tatsächlich um eine ernst zunehmende gefährliche Gruppierung von Kriminellen, deren Fortbestehen das Leben von vielen Menschen bedroht hätte. Genauere Informationen zu den Ermittlungen gegen die Oldschool Society werden wohl in den nächsten Tagen auf den offiziellen Pressekonferenzen bekannt gegeben werden. Danach lässt sich vielleicht auch sagen, ob Verfassungsschutz und Polizei im Fall der rechtsextremen Gruppierung tatsächlich umsichtig handelten und damit eine Bedrohung für die Bevölkerung bannten, oder ob sie nur einen laut bellenden Hund, ohne Zähne gefangen haben.


Foto: spiegel.de  #Rassismus #Terror #ISIS