Am Ende war der Saal im Erbacher Brauhaus bis zum Anschlag gefüllt, sogar zusätzliche Tische mussten bereitgestellt werden: Die AfD lud die Odenwälder ein, mit der Europaparlamentarierin Beatrix von Storch auf Tuchfühlung zu gehen. Die Berlinerin sollte einen Vortrag zum Thema "Die Macht der EU, die Ohnmacht Deutschlands" halten und sich anschließend den Publikumsfragen stellen. Fast 100 Menschen nahmen die Einladung an.

Von Storch ist für die AfD ein echtes Zugpferd

Dass die Politikerin, außerdem auch Vorsitzende der "Zivilen Koalition", für die AfD ein echtes Zugpferd ist, wurde jedem Besucher schnell klar. Erste Gäste waren bereits eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn da, um sich einen Sitzplatz zu sichern.

Von Topflappen und Bürokraten

Dem Applaus nach zu urteilen, hielt die Referentin dann auch, was die Besucher sich von ihr versprachen. Rund zweieinhalb Stunden stand von Storch, die gerade aus Brüssel angereist war, den Gästen Rede und Antwort. In ihrem Vortrag erwähnte sie absurde parlamentarische Diskussionen über die Sicherheit von Topflappen, den überbordenen Bürokratieapparat mit mittlerweile mehr als 33000 Beamten und die aktuellen Assoziierungsverhandlungen mit Albanien, die in der deutschen Öffentlichkeit bis jetzt noch wenig bekannt sind. Das Grundproblem des Euro erklärte Beatrix von Storch ebenso kurz und knackig wie später die Target-2-Salden: Die Zinsen der Notenbanken seien wie Fieberthermometer für den Zustand der Volkswirtschaften - jede brauche im Zweifel ihr eigenes Medikament, aber die EZB biete nur noch eine Tablette für alle an.

Guter Parlamentarier zu sein ist in der EU unmöglich

Oftmals sei es jedoch selbst ihr nicht möglich, informiert zu sein und sich vor Abstimmungen ein ernstzunehmendes Bild davon zu machen, worum es eigentlich gehe: Bücherdicke Dokumente seien nur für einige Stunden einsehbar, dann werde abgestimmt. Was EU-Beamte über Jahre hinweg ausgearbeitet hätten, müssten Europaparlamentarier in 60 Minuten lesen, verinnerlichen und bewerten: Ein Ding der Unmöglichkeit, so die AfD-Politikerin.

Auch innerparteiliche Themen wurden diskutiert

Bei der anschließenden Diskussion war die #Europäische Union jedoch nur für kurze Zeit Thema: Schnell ging es um die innerparteilichen Streitigkeiten in der AfD. Beatrix von Storch, die von Beobachtern dem konservativen Flügel zugeordnet wird, behielt einen kühlen Kopf und setzte sich für eine Verständigung unter beiden Flügeln ein. Auch ein Storch brauche schließlich einen linken und einen rechten Flügel, sagte sie und brachte damit den Saal bei diesem zum Teil recht emotional vorgebrachten Thema doch noch zum Lachen. Den von Lucke geforderten Mitgliederentscheid über einen hochbrisanten Text, der die AfD sehr nah an der FDP positionieren würde, lehnte von Storch hingegen als "unsäglich" ab und brachte sich folglich auch von den Anhängern wirklich alternativer Politik Applaus ein.

Weitere Veranstaltungen folgen

Auch wenn der Altersschnitt - vielleicht auch wegen "Tanz in den Mai" - recht hoch war, zeigte sich der Kreisverband der AfD im Odenwaldkreis im Anschluss hochzufrieden und kündigte an, weitere Veranstaltungen mit hochkarätigen Referenten unter dem Motto "Treffpunkt Alternative" in naher Zukunft durchzuführen. #Wahlen #Finanzen