Der Plan

Auf verschiedenen Plattformen des Internets wurde zur Erstürmung des Reichstags am 08. Bzw. 09. Mai aufgerufen. Laut Veranstaltungsinfo war der zentrale Gedanke: "Gemeinsam für Deutschland. Für Heimat, Frieden und deutsche Kultur. Für bundesweite Volksentscheide. Gegen jeden Radikalismus und Extremismus. Kein Islamismus, kein Zionismus, keine Gewalt". Anscheinend sollte eine schon parat gehaltene Übergangsregierung nach dem "Putsch" und der Festnahme der anwesenden Politiker das Ruder übernehmen. Der "Code 45" sollte dazu dienen den Anfang des Regierungssturzes zu initiieren. Per SMS und über soziale Netzwerke sollte er verbreitet werden.

Die Wirklichkeit

Am 09. Mai um 15.00 Uhr standen statt der 35.000 Menschen, die per Facebook zugesagt hatten und der offiziell von den Veranstaltern angemeldeten 50.000 Demonstranten, circa 400, laut einiger Zeitungen, "verwirrt wirkende Menschen" auf dem Washingtonplatz. Die Kundgebung fand dann auf dem Platz statt, und nicht wie angekündigt im Plenarsaal des Reichstages. Die anwesenden Demonstranten setzten sich wohl zusammen aus #PEGIDA- und Legida-Unterstützern, Hooligans, Pro-Deutschland-Anhängern, NPD-Personalien, HOGESA, Anhänger Jürgen Elsässers und anderen Gruppen aus dem rechten Spektrum. Einige "Reichstagsstürmer" schienen rein optisch die Demonstration mit einem Public-Viewing der DfB-Auswahl verwechselt zu haben. Die Kommentare auf der Facebookseite von "Kundgebungen" geben Anlass zu Vermutung, dass sich unter den Demonstranten viele Verschwörungstheoretiker befanden. Der bunt zusammengewürfelte Haufen, dessen zentrale Thesen sich gegen "Islamisierung und die amerikanisierte deutsche Regierung" richtete, wurde sich im Laufe der Kundgebung wohl auch zunehmend unsympatischer. So verließen nach Vorträgen verschiedener Redner einige Demonstranten die Kundgebung schnell wieder. Und so sollte es am Ende heißen: "Die Revolution ist nicht erfolgt… weil viele aufgehalten worden sind".

Ein ziemlich genaues Abbild aller aufkommenden "patriotischen" Gruppierungen

Momentan florieren diverse Gruppen in Deutschland, die konservativ bis rechts einzuordnen sind. Sie hatten in den vergangenen Monaten starken Zulauf. Sie haben gemeinsame Gegner wie Islamisten und Islamisierung, die Lügenpresse und die deutsche Regierung. Aber es gibt Stellen, an denen sich der Hass in verschiedene Richtungen bewegt und an diesen Stellen zerstören sich solche Gruppen selbst. Zu sehen an Beispielen wie Pegida, AfD und eben der "Stürmung des Reichstags". Innerhalb der Gruppierung versucht man alle Interessenspektren abzudecken und verfängt sich dabei in vielen kleinen Streitpunkten.

Als Beispiel der Demonstration auf dem Washingtonplatz:

Ein Redner der Jewgida, einer Gruppe Juden, die sich für die PEGIDA einsetzen, wurde immer wieder von Buhrufen unterbrochen und bewegte einige Demonstranten zum frühzeitigen Gehen (ohne Erstürmung). Ein türkischer Redner verstimmte einige Anwesenden dann weiter, und ihre schlechten Stimmung machten dann Einige bei Facebook öffentlich " Diese Veranstaltung war ein Witz…Neger Flaschen und Hunde auf dem Gelände…Eine Beleidigung für jeden deutschen Patrioten…Mit Juden "Ami go home" schreien…".

Abschließend ist wohl zu sagen, dass die Idee einer Reichstag-Erstürmung viele Menschen amüsant fanden, doch wenig Konsistenz dahinter stand. Von Unterstützern einer rechter Gruppierung wurde gut resümiert, dass diese seltsame Aktion dem Ansehen vieler vertretener Gruppen geschadet hätte, und in höchstem Grade peinlich war. Die sogenannte "Lügenpresse" scheint der Ansammlung zur Reichstagsstürmung weniger Bedeutung beigemessen zu haben, keine große Zeitung berichtete über die misslungene Aktion.

 Foto: Vice.com  #Rassismus #Angela Merkel