Bundesweit sind rund 40.000 Mitarbeiter in kommunalen Kindertagesstätten, Schulhorten und anderen Erziehungseinrichtungen im #Streik. Während der Streik der GDL ganz Deutschland in Aufruhr und Unverständnis versetzt, schafft es Verdi bei diesem Streik nicht zu polarisieren.

Bahnstreik der GDL sorgte für bundesweites Aufsehen

Der letzte Streik der GDL war 6 Tage lang und wurde zum Beispiel von der BILD Zeitung vor allem mit Wut bedacht. Der Streik der ErzieherInnen wird wahrscheinlich rund drei Wochen gehen und die Zeitungen reagieren mit Verständnis. Das hat vor allem damit zu tun, dass sich die Mehrheit der Bevölkerung einig zu sein scheint, dass ErzieherInnen ein höheres Gehalt und bessere Vorsorge verdient hätten. Denn der Mehrwert, den die Beschäftigten in den sozialen Berufen schaffen ist jedem bewusst, aber kaum messbar. Und so kommt es, dass die Eltern zwar stöhnen unter der Last, aber die Meisten die Ziele der Verdi unterstützen. Die von der Verdi vertretenen ErzieherInnen stehen dem kommunalen Arbeitgeberverband (VKA) gegenüber. Die Gewerkschaft fordert im Schnitt rund 10 % mehr Lohn, aber die VKA weigert sich bisher ein Angebot zu unterbreiten. Sie meinen, dass die Sozialberufe bereits angemessen vergütet und mit genügend Ehre bedacht werden. Eine Einigung ist nicht in Sicht.

Dass dieser Streik die Gemüter nicht entzweien kann hat viele Gründe. Vor allem das bereits genannte Verständnis für die Situation. Auch ist der Streik nicht so sehr auf eine Person fixiert, wie der Streik der GDL auf Claus Weselsky, das wiederum mindert die Identifikationsmöglichkeiten. Auch ist die Lage eindeutiger. Die Beschäftigten der Sozialberufe haben mehr Geld verdient. Um was es genau bei dem Bahnstreik ging, wissen die meisten immer noch nicht so recht. Doch während die unklaren Verhältnisse im Bahnstreik die Menschen entzweiten und viel Gesprächsstoff lieferten, ist die Sache im Kitastreik klar, fast langweilig.

Kita-Streik verkommt zur medialen Randnotiz

Die Leidtragenden dieser Entwicklung sind allerdings die ErzieherInnen. Ein Streik funktioniert vor allem dann, wenn er Aufsehen erregt, die Menschen sich uneinig sind und man selbst schwer betroffen ist. Deswegen sollten wir uns aufregen über diesen Streik. Es ist ein absolutes Unding, dass die Betreuung unserer Kinder von unterbezahlten überqualifizierten Fachkräften gemeistert wird. Unsere Zukunft liegt in den Händen dieser hart arbeitenden und stark gestressten Menschen, doch wir halten Kitas und Schulhorte noch immer für ein Nebenprodukt, dem nicht mehr Hochachtung gezollt werden muss, als dem Supermarkt. Wir sollten uns echauffieren, dass die VKA derart dreist versucht diesen Streik auszusitzen und bereits fünf Tarifrunden hat verstreichen lassen ohne ein neues Angebot vorzulegen. Wir sollten uns richtig aufregen, damit der öffentliche Druck größer wird. Denn wenn der Kita-Streik aus Verständnis zu einer Randnotiz auf den Politik Seiten der großen Zeitungen wird, wird er keine Wirkung entfalten. Wir sollten richtig wütend werden. Ganz im Sinne der ErzieherInnen.

Quelle: Süddeutsche Zeitung, BILD.de 

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