Vor etwa sechs Wochen ist der 45-jährige Entwicklungshelfer Stefan E. aus Potsdam auf dem Weg nach Masar-i-Scharif im Gebiet Kundus. Er arbeitet in Afghanistan für die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, kurz GIZ. Er will helfen ein zerstörtes Land wieder aufzubauen und weiß, dass diese Aufgabe ein hohes Risiko bedeutet. Das der schlimmste Fall an diesem Tag jedoch eintreten wird, hatte er sicherlich nicht erwartet. Stefan E. erreicht Masar-i-Scharif nicht mehr. Er wird von der radikal-islamistischen Taliban gestellt und verschleppt.

Am Freitag gelingt dem 45-jährigen endlich die Flucht aus den Fängen der Terrorgruppe. Er hält sich nach Behördenangaben nun im deutschen Konsulat in Masar-i-Scharif auf, ihm geht es gut, den Umständen entsprechend, lässt das Auswärtige Amt verlauten. Weitere Details über die Situation sind noch nicht bekannt, Stefan E. wird sich vorerst von den Strapazen erholen müssen.

"Wir sind voller Erleichterung über diese Nachricht und möchten uns bei allen herzlich bedanken, die zu dem guten Ausgang beigetragen haben", lautet die Reaktion aus der GIZ-Zentrale.

Entführungen sind eine ständiges Gefahr

Als legitimes Mittel zur Freipressung festgesetzter Terroristen in westlichen Ländern sieht die Taliban Entführungen an. Immer wieder trifft es Menschen, die beim Aufbau des Landes mithelfen wollen. 32 Monate lang war der Deutsche Bernd M. in der Gewalt der Taliban, bis er dem Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr friedlich übergeben wurde. Im Januar 2014 wurden sogar 50 Menschen auf einmal entführt. Es waren Minenräumer, die im Westen Afghanistans alte sowjetische Minen aufspüren sollten. Besondere mediale Beachtung fand die Geschichte des US-Amerikanischen Soldaten Bowe Bergdahl, der 5 Jahre von der Taliban festgehalten wurde, bis er im Mai 2014 gegen fünf Häftlinge aus Guantanamo ausgetauscht wurde.

Der Kundus ist immer noch ein Pulverfass

Im Norden Afghanistans gelegen, ist der Kundus schon lange als der Rückzugsort der Taliban bekannt. Im Gebirge können die Terroristen den Augen von Drohnen und Spähflugzeugen leicht entgehen. Experten halten diese Region nach wie vor für die gefährlichste in Afghanistan. Bis 2013 war hier die Bundeswehr stationiert, nach dem Abzug beklagen sich nun die Einheimischen über ein verfrühtes Vorgehen: Die Taliban wird wieder stärker und richtet ihre Anstrengungen auch wieder auf die Stadt Masar-i-Scharif. Dass die Situation im ganzen Land immer noch nicht unter Kontrolle ist, zeigt sich auch durch die traurige Statistik des letzten Jahres: 2014 fielen während der Operation Enduring Freedom, welche die Stabilität der Region gewährleisten soll, 75 Soldaten der westlichen Allianz, sowie zahlreiche Zivilisten.

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