Der „Eiserne Vorhang“ gilt als gefallen, doch die Vorgänge in den Ländern der ehemaligen UdSSR erscheinen uns oft noch schleierhaft. Eine besondere Stellung nimmt dabei Russland ein. Zuletzt im Westen im Verlauf der geförderten Krim-Annexion in starke Kritik geraten. Stellvertretend für das wirtschaftliche und politische Vorgehen Russlands, steht Wladimir Wladimirowitsch Putin. Der charismatische Präsident steht dauerhaft in verschiedensten Zusammenhängen in den globalen bzw. deutschen Schlagzeilen. Einerseits präsentiert als unterdrückender militärischer Führer, andererseits als gewinnendes, sympathisches Sinnbild der Männlichkeit. Nicht nur in Russland gibt es Verehrer des Politikers, weltweit organisieren sich regelrechte Putin Fanclubs. Doch was bewegt Menschen dazu, sich für den autoritären Anführer auszusprechen? Was fasziniert Menschen an ihm? Warum wird er glorifiziert, wohingegen andere, vermeintlich ähnliche, politische Führer für ihre Taten verurteilt werden?

Der Aufstieg des jungen ambitionierten Putin

Am 07. Oktober 1952 in Leningrad wurde der Mann geboren, der später zu den Mächtigsten der Welt gehören sollte. Er soll eine strenge, jedoch fürsorgliche, Erziehung durch seinen kommunistischen Vater und seine mildere Mutter erfahren haben. Seine frühe Affinität für verschiedene Kampfsportarten hält wohl bis heute an. Nach seinem Jura-Studium begann seine Karriere beim KGB, dem sowjetischen In- und Auslandsgeheimdienst. Er arbeitete sich in der Hierarchie schnell zum Oberstleutnant hinauf. In der DDR stationiert, verbesserte er seine bereits vorhandenen Deutschkenntnisse. Heute beherrscht er die deutsche Sprache fließend.

Seine politische Laufbahn begann er als Berater von seinem früheren Professor Anatoli Sobtschak, welcher dann zum Bürgermeister von Sankt Peterburg gewählt wurde. #Wladimir Putin wurde zum Vize-Bürgermeister ernannt. Nach verpasster Wiederwahl Sobtschaks, engagierte sich Putin im Wahlkampfstab vom späteren Präsidenten Boris Jelzin. Im Jahr 1999 wurde er von eben jenem zum Ministerpräsidenten ernannt. Nach einer aggressiv geleiteten Militäroffensive in Tschetschenien, wurde Wladimir Putin zur Jahrtausendwende zum Präsidenten gewählt und war damit in den ganz oberen Machtbereichen angekommen.

Wieso hat der russische Präsident Putin einen solchen Erfolg in Russland?

Nach dem Ende der UdSSR litt das russische Volk unter dem wirtschaftlichen Verfall, welcher dem neuen Präsidenten Jelzin angerechnet wurde. Russland drohte seine Stellung als Welt- bzw. Großmacht in der Welt zu verlieren. Wladimir Putin profitierte nach seiner Wahl zum Präsidenten vom leichten wirtschaftlichen Aufschwung. Er entmachtete Oligarchen, die ihr Vermögen und ihre Macht aus Sowjet-Zeiten gezogen hatten. Die Entmachtung der Reichen, ließ sich schon immer leicht zu modernen „Robin Hood-Geschichten“ spinnen.

Der Präsident lebt russische Identität. Sportlich im Eishockey-Look oder oberkörperfrei auf einem Pferd reitend. Männlich mit klarer Linie. Er scheint nur das zu tun, worauf er Lust hat. Er versteckt seine Macht nicht, er demonstriert sie. Weltpolitisch versucht er Russland als unangenehmen, nicht zu umgehenden, Partner zu positionieren. Unberechenbar, mal kooperativ, mal blockierend. Scheinbar ein Kurs, der dem russischen Volk sehr zusagt. Nach Umfragen liegt Putins-Rückhalt in der Bevölkerung bei fast 80%. Ein sehr beeindruckender Wert, im Hinblick auf die Tatsache, dass Russland unter ähnlichen Problemen leidet, wie viele andere Länder. Auch im Putin-Russland wird die Schere zwischen arm und reich zunehmend größer. Viele Russen halten Putin seine Linie in der Terrorismusbekämpfung zu Gute. Schon früh forderte er eine internationale Allianz gegen den Terrorismus. Außerdem bekennt er sich zur russisch-orthodoxen Kirche, welcher in Russland wohl über 50% der Bevölkerung angehören.

Die systematische Nutzung der russischen Medien verhilft dem Präsidenten zu großer Sympathie in der russischen Bevölkerung. Die Darstellung Putins in den Medien gleicht bekannten Mustern aus der Vergangenheit und aus anderen Ländern mit autoritären Führern. Die Beeinflussung der Medien verhalf dem Politiker zu mittlerweile drei Amtsperioden als gewählter Präsident, und zwei Amtszeiten als ernannter Ministerpräsident. Das Wechseln der Ämter, die Länge der Amtszeiten und das weitgehend willkürliche Einsetzen politischer Personalien gleicht ebenso vergleichbaren Machtergreifungen und Regierungssicherungen von diktatorisch verwalteten Ländern.

Putins Popularität in Deutschland

Sie gelten als die „Putin-Versteher“. Mittlerweile ein ziemlicher Antibegriff in der deutschen Medienlandschaft. Sie verstehen Putin nicht nur, sondern sie halten ihn für den perfekten Politiker, legitimieren sein militärisches Vorgehen und wünschen sich „mehr Putin“ in der deutschen Politik. Angela Merkel ist ihnen zu neutral, in allen Belangen. Die deutschen Patrioten fordern eine stärkere Stellung Deutschlands in der Welt.

Auf regierungskritischen Blogs finden sich viele Einträge zur Amerikanisierung der deutschen Medien, gegipfelt im geflügelten Begriff „Lügenpresse“. Russland, und damit Putin, sind daher als Vorbild zu sehen. Sie hätten einen unabhängigen Medienapparat, der nicht aus „Washington gelenkt“ würde.

Neben den vielen Menschen, die sich in öffentlichen Netzwerken und Diskussionen für Putin aussprechen, gibt es auch deutsche Politiker, die dem Russen wohlgesinnt gegenüber stehen. Schon des Öfteren lobte der Linken-Politiker Wolfgang Gehrke das Vorgehen Putins, selbst im Zuge der Krim Annexion. Auch der SPD-Politiker Matthias Platzeck man müsste das Annektieren der Krim durch Russland anerkennen, anstatt das Verhältnis zu den Russen weiter abkühlen zu lassen. Ebenfalls ein bekannter Vertrauter Putin ist der ehemalige Kanzler Gerhard Schröder, der beste Kontakte zu Gazprom und Wladimir Putin pflegt.

Auf Facebook nennen sie sich „PUTINISTEN – Deutsche Freunde Vladimir Putins“, es sind fast 15.000 Mitglieder, die sich, meist positiv, über das Symbol und Idol Putin austauschen.

Putin - Ein Diktator, ein Rebell, ein Held?

Die Kontrolle der Medien und das harte Vorgehen gegen Oppositionelle und Gegner des Putin-Systems
lassen durchaus auf diktatorische Züge schließen. Sein heroischer rasanter Aufstieg und die Festigung seiner Macht, sowie die vermeintliche Befreiung des einfachen Volkes aus den Fängen der Oligarchen klingen schon recht heldenhaft. Seine Art der Rebellion ist unberechenbar, aber konstant vorhanden. Es ist höchst interessant und verwunderlich wie es im 21. Jahrhundert möglich ist, eine ganze Region kriegerisch einzunehmen, dabei multilaterale und bilaterale Abkommen zu ignorieren, und dafür von anderen Ländern „nur“ gerügt zu werden.

All das ist so faszinierend an dem Jungen, der sich aus Leningrad hochkämpfte und so bedeutend und verheerend sein Leben lebt.

Foto: Flickr.com - Tjebbe van Tijen