Seit dem Referendum vergangene Woche steht in Irland fest: Die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare, im Volksmund auch als Homo-Ehe bekannt, wird kommen. Das größtenteils katholische Land auf der grünen Insel (84% der Bevölkerung bekennen sich zum katholischen Glauben) galt lange als eine Bastion der kirchlichen Normen und Werte, bis 1993 war Homosexualität hier strafbar. Vergangene Woche ist es als Vorbild für viele ander Länder voran gegangen und zeigte durch das Referendum, dass es wirklich der Wunsch der Iren ist, diese Art der Ehe zu zulassen. Aus dem Vatikan kam nun eine mehr als eindeutige Stellungnahme.

Eine große Niederlage

"Dies ist eine große Niederlage für die Menschheit" lautet das Statement aus der Kurie. Oder besser: das Statements eines Kardinal-Staatssekretärs aus dem Vatikan: Petro Parolin war lange Zeit als Diplomat des Vatikan tätig, bevor er zu einem der engsten Vertrauten des Papstes wurde. Der genaue Wortlaut ist nach Radio Vatikan:

"Ich bin sehr traurig über dieses Ergebnis, die Kirche muss diese Realität berücksichtigen, aber in dem Sinne, ihre Verpflichtung zur Evangelisierung zu stärken. Ich glaube, man kann nicht nur von einer Niederlage der christlichen Prinzipien sondern von einer Niederlage für die Menschheit sprechen"

Die Kirche sieht die mehr oder weniger offensichtlliche Diskriminierung von Homosexuellen und gleichgeschlechtlichen Paaren als Verteidigung der Familie. Das es eventuell manchmal klüger sein kann, erst den Schnee vor der eigenen Haustüre wegzufegen bevor man über den Nachbar schimpft, sieht der Vatikan nur bedingt ein.

Sexueller Missbrauch wird totgeschwiegen

Das Prozesse innerhalb der Kirche oft nur schleppend voran gehen, ist wohl nichts Neues. Allerdings ist das Thema sexueller Missbrauch ein äußerst prekärer Punkt. In den letzten Jahren wurden immer wieder Berichte von Missbräuchen laut und viele Details kamen ans Tageslicht, nicht nur in Deutschland. Auch in Irland ist die Kirche "skandalgeplagt". Und wie in Deutschland wird auch in Irland versucht die Affären so schnell wie möglich aus dem Gedächtnis der Leute zu verbannen. Durch einfaches Totschweigen. Wenn nichts mehr darüber gesagt wird vergessen es die Menschen vielleicht. Diese "aussitzen bis das Schlimmste vorbei ist"-Methode stößt auch in Irland vielerorts auf Kritik. Und so verlieren die Iren langsam das Vertrauen in "ihre" Kirche. Das "Aussitzen" in Zeiten der weltweiten Informationsbereitstellung fast unmöglich geworden ist, hat die Kirche bislang scheinbar noch nicht begriffen. Der Lack ist ab, das Image heftig angekratzt. Nicht mehr viele in der Bevölkerung lassen sich etwas von einer Institution vorschreiben, die ihre eigenen Probleme nicht unter Kontrolle hat und lieber vertuschen will. Nach der Abstimmung in Irland sollte sich die Kirche wohl langsam fragen, warum sie keinen Einfluss mehr bei dem Großteil der Gesellschaft hat: oftmals suchen wir die Fehler bei anderen, wenn sie doch bei uns selbst liegen.

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