Abu Mohammed al-Scholani ist der Kopf der Al-Nusra-Front in Syrien. In einem Interview mit einem katarischen TV-Sender erklärte ein vermummter Gesprächspartner, den der renommierte arabische Sender Al Jazeera als den Chef der Terrororganisation identifizierte, dem Journalisten die angepeilte Marschrichtung der Al-Nusra-Front. Man habe zur Zeit Anweisungen, Syrien nicht als Ausgangspunkt für Terroranschläge in Europa und der westlichen Welt zu nutzen, "um den gegenwärtigen Krieg nicht zu beschmutzen" erklärte der Mann im Interview. Das vorgegebene Ziel in Syrien ist "der Sturz des Regimes, seiner Symbole und Verbündeten wie die Hisbollah" führte al-Scholani weiter aus. Allerdings machte er auch deutlich: Sollte die USA weitere Angriffe auf die Front und ihre Verbündeten durchführen wäre ein Gegenangriff auf die amerikanische Weltmacht nicht ausgeschlossen. Die USA fliegt seit September 2014 Angriffe auf Dschihadisten in Syrien, allerdings zielen die meisten Operationen auf den Rivalen der Al-Nusra-Front, den Islamischen Staat, ab.

Ein Krieg unter Muslimen

Die Kämpfe im Nahen Osten sind vorrangig keine Konfrontationen mit dem Westen, sondern innerislamische Konflikte. In den aktuellen Krisengebieten treffen auffallend viele Religions- und Gesellschaftsgruppen aufeinander, welche oftmals untereinander verfeindet sind. So besteht die Bevölkerung im Irak Schätzungen zufolge aus etwa 60% Schiiten, einem Viertel Sunniten und 15% Kurden, die überwiegend der sunnitischen Strömung angehören. Hinzu kommen Aramäer, Assyrer (beide christliche Gruppen), Jesiden und Turkomanen als wichtige Bevölkerungsminderheiten. In einem Staat, dem Irak, vereint, waren die Spannungen seit jeher enorm. Die Landesoberhäupter unterstützen oft nur ihre eigene Religiöse Gruppe und unterdrückten ethnische Minderheiten. In Syrien zeichnete sich über die Jahre hinweg ein ähnliches Bild der Staatsführung ab, unterdrücken und unterdrückt werden. So war der Ausbruch eines Bürgerkrieges nur eine Frage der Zeit und wie in vielen krisengeschüttelten Ländern bereichern sich auch im Nahen Osten Einzelne oder ganze Gruppen an Macht und Bedeutung. Dschihadistischen Gruppen wird oft vorgeworfen, nur aus machtpolitischen Gründen zu agieren und die Religion als Ausrede und Rekrutierungswerkzeug zu benutzen, was sicherlich keine unbegründete Ansicht ist.

Der Preis der europäischen Sicherheit ist hoch

Noch haben sich die Augen der terroristischen Gruppen nicht nach Westen gewandt, zuerst müssen und wollen sie Klarheit in ihren Heimatregionen schaffen. Und dies durch einen Bürgerkrieg, der einen ganzen Subkontinent auseinander zu reißen droht. Anschläge im Westen bleiben zwar nicht aus, doch das Ausmaß könnte um ein vielfaches höher sein, wären nicht die inneren Konflikte unter den Dschihadistischen Gruppen. Im Grunde sind es diese Konflikte, die den Schutzschild für den Westen bilden. Die Menschenleben die in Europa und der gesamten westlichen Welt durch das Ausbleiben einer Welle von Terroranschlägen verschont bleiben, werden im gleichen Atemzug in der arabischen Welt genommen. Es ist also unser grausames Glück, dass sich die Terroristen und Fanatiker im Nahen Osten nicht einigen können, sodass sie gegeneinander und gegen die leidende Bevölkerung in den Krieg ziehen - vorerst.

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