Das Ministerium für den Öffentlichen Dienst des saudischen Königreichs schrieb in den vergangenen Tagen folgende Stelle aus: Wir suchen acht Henker. Angesichts der steigenden Zahlen und den starken körperlichen Belastungen, denen die Exekutierenden ausgesetzt sind, brauche man neue Leute, heißt es. Man möchte laut aufschreien und sagen: „Schrecklich! Wie könnt ihr nur?!“ Aber das ist die traurige Wahrheit.

88 Todesurteile wurden in Saudi Arabien seit 2015 vollstreckt

Allein in diesem Jahr ließen die saudischen Behörden bereits 88 Todesurteile vollstrecken. Die Urteile werden in Saudi Arabien nach dem (vermeintlich) islamischen Recht gefällt, so kommen auch Todesurteile für in Deutschland nicht strafbare Handlungen zu Stande, wie zum Beispiel Ehebruch. Allerdings tun solch erschreckende Meldungen den Beziehungen zwischen Saudi Arabien und der westlichen Welt keinen Abbruch. Unlängst forderte der CSU Vorsitzende Horst Seehofer die Wiederaufnahme deutscher Waffenlieferungen an die königliche Armee.

Vollstreckte Todesstrafen weltweit

Auch steht Saudi Arabien nicht allein da, wie der Bericht von Amnesty International bezüglich des Themas Todesstrafe zeigt. Demnach wurden im Jahr 2013 in China mehr als 1000 Menschen hingerichtet. Im Iran verhältnismäßig zur Bevölkerungszahl sogar noch mehr (369). Auch der Irak reiht sich ein in die traurige Top 3. Danach kommen schon Saudi Arabien (79) und die Vereinigten Staaten von Amerika.

Auch die "Vorzeigedemokratie" USA vollstreckt Todesurteile

Erschreckend, dass ein Land, dass für die Verbreitung der Demokratie und der Menschenrechte Kriege führt (erster Widerspruch), noch immer an der Todesstrafe festhält (zweiter Widerspruch in sich). Gerade letzte Woche wurde Dzhokhar Tsarnaev für die Planung und Ausführung des Anschlags auf den Boston Marathon von einem Geschworenengericht zu Tode verurteilt. So schrecklich die Tat des jungen Mannes auch war, so kann sie nicht „wieder gut“ gemacht werden, wenn man ihn auch noch umbringt. Soviel sollte auch den Geschworenen klar gewesen sein, als sie das folgenreiche Urteil fällten. Nach deutschem Recht hätten sie sich damit wohl wegen Beihilfe zum Mord strafbar gemacht. Nach der amerikanischen Idee haben sie die Freiheit des Landes verteidigt.


Jedes einzelne Urteil, sei es die jüngste Hinrichtung des Onkels von Kim Jong Un, oder die Vollstreckung der Todesstrafe wegen Drogendelikten in Indonesien, aber auch die unzähligen Tötungen an Unschuldigen, wie man im Nachhinein aufklären konnte, oder die Todesstrafe aus der Luft, ohne Gerichtsverfahren durch amerikanische Drohnen im pakistanischen Grenzgebiet, ist eine Schande für unsere Welt. Denn was wir damit zeigen ist, dass wir mit diesen Menschen nicht umgehen können und uns ihrer entledigen wollen, weil es einfach ist. Doch damit stellen wir uns auf die gleiche Ebene wie die Täter. Es bleibt zu hoffen, dass die nächste Stellenausschreibung für Henker nicht aus Amerika kommt.

Quelle: handelsblatt.com, Amnesty International annuals review of the death penalty (2013)
Foto: flickr.com
Lizenz: CC BY-SA 2.0
Urheber: World Coalation against Death Penalty #Europäische Union