Die einen freute es, die anderen reagierten mit Bestürzung: Vor wenigen Wochen kündigte die wegen Missbrauchsskandalen in die Schlagzeilen geratene Odenwaldschule, dass sie mangels ausreichender finanzieller Mittel den Schulbetrieb zum Ende des Schuljahres einstellen werde.

Rekordspendenaufkommen für die Hippie-#Schule

Die damit verbundene Presseberichterstattung scheint zu einer bis dato nicht vorstellbaren Solidarisierung von Schülern, Eltern und vor allem Abgängern der Schule geführt zu haben: Binnen kürzester Zeit gingen bei der Schule Spenden in Höhe von 2,5 Millionen Euro ein. Genau dieser Betrag ist für eine Betriebsgenehmigung des Landessozialministeriums notwendig. Die Unterlagen werden nun geprüft.

Sind andere Privatschulen nicht attraktiver?

Die Schulleitung zeigte sich derweil selbstkritisch: Die Schule könne nur Erfolg haben, wenn eine konsequente Aufarbeitung der Missbrauchsfälle erfolge und neue Schüler gewonnen werden könnten. Doch ob das gelingt, steht noch in den Sternen: Privatschulen gibt es mittlerweile viele und Eltern, die die zusätzlichen Ausgaben nicht scheuen, wollen für das Geld auch etwas geboten bekommen. Doch Unternehmenskontakte, Soft Skills und andere für die globalisierte Erwerbswelt wichtigen Kenntnisse erhält man nicht unbedingt an einer Hippie-Schule mit Missbrauchsskandal, deren Name auf dem Zeugnis allein schon ein Nachteil ist.

Auf ein attraktives Konzept kommt es an

Wesentlich für den Erfolg wird daher sein, ob die neue Schulleitung ein tragfähiges Konzept schaffen kann, dass sich nicht nur für alternative Eltern ohne entsprechendes Portemonnaie schön anhört, sondern auch für die Söhne und Töchter der linksliberalen Elite, die wohl am ehesten in die Zielgruppe der Schule gehören dürfte.

Noch ist die Finanzierungsfrage nicht abschließend gelöst

Doch noch hängt über allem das Damoklesschwert der Schulbehörde: Die 2,5 Millionen Euro Finanzierungsbedarf sind gerade so erfüllt. Sollte die Schüleranzahl sich nicht ebenfalls signifikant erhöhen, handelt es sich nur um eine Lösung auf Zeit: Im nächsten Schuljahr dürften die Reformpädagogen dann vor dem nächsten Finanzierungsproblem stehen. Und ob die Spender auf Dauer so generös sind, ist mehr als fraglich.

Bildquelle: Flickr.com, Jakob Montrasio, 24. Mai 2012