Mit Aggressivität und fehlendem Blick für die Realität kämpfen Schottlands Nationalisten für die Unabhängigkeit. Ein erster Sieg wurde gerade errungen.

Bei der britischen Parlamentswahlen wurde die 20-jährige Mhairi Black ins britische Unterhaus gewählt und damit jüngste Abgeordnete seit mehreren Jahrhunderten. Seit 1667 hat es so etwas nicht mehr gegeben. Der jüngste Abgeordnete, Christopher Monck, war damals erst 13 Jahre alt. Die Politikstudentin bezwang am Donnerstag in ihrem heimischen Wahlkreis Paisley and Renfrewshire South den Politiker und Labour-Gegner Douglas Alexander. Mhairi Black bekam 23.548 Stimmen, ihr Konkurrent nur 17.864 Stimmen. Obwohl der Wahlkreis klein ist, hat diese Wahl Signalwirkung für das ganze Land und verschafft Schottland in England mehr Gehör als je zuvor.

Wichtigste Eigenschaft von Mhairi Black: Sie hasst Tony Blair

Mhairi Black ist eine Frau, wie sie sich viele Landsleute wünschen: Sie ist politikbegeistert, bezeichnet sich selbst sogar als Politik-Nerd, ist leidenschaftlicher Fußballfan und hasst Celtic Glasgow, und das wirklich ausschlaggebende, sie verachtet Toni Blair.

Nach Bekanntgabe des Wahlsieges erklärte Black im Jubel der Menge: "Ich verspreche, diese Stimme nicht nur für Verbesserungen in Schottland, sondern auch für fortschrittliche Politik zum Wohle der Menschen in ganz Großbritannien zu nutzen." Dieser Sieg ist symptomatisch für den Siegeszug des Scottish National Party (SNP). Gleichzeitig zementiert er den Niedergang der Labour Party in Schottland. Die #Wahlen in England brachten aktuell ein ebenso überraschendes Ergebnis: Mit dem Desaster für die Labour Party um Ed Miliband kann Cameron in London nun alleine regieren.

Wäre die Labour Party in Schottland aus dieser Wahl siegreich hervorgegangen, hätte Douglas Alexander Außenminister werden sollen. Nun hat er gar keinen Platz im Parlament. Alexander schrieb bereits Reden für den späteren Labour-Chef Gordon Brown, als Mhairi Black noch in den Windeln lag. Dass die Politikstudentin im 3. Semester ausgerechnet den Labour-Wahlkampfmanager besiegen konnte, ist bemerkenswert, aber weniger das Ergebnis politischer Fähigkeiten, als ein Resultat der permanenten Befeuerung von Englandhass.

Wunschdenken statt Realitätssinn: Neuer Wohlstand für Schottland

Es ist genauso Folge des aggressiven Vorgehens der Nationalisten gegenüber politisch Andersdenkenden: Fernab jeder Realität verheißen die Nationalisten einem unabhängigen Schottland ökonomischen Wohlstand und soziale Gerechtigkeit. Großes Vorbild ist Norwegen. Doch dieses Land hat anders als Schottland doppelt so viele Ölvorkommen und fast das zehnfache an Gasreserven im Vergleich zum gesamten Vereinigten Königreich. Diese wirtschaftlichen Tatsachen gehen im nationalistischen Jubel völlig unter. Auch die Tatsache, dass sich die gesamte westliche Welt mit Kanada und Australien für einen Zusammenhalt Großbritanniens stark macht, wird geflissentlich übersehen. Ebenfalls wird verschwiegen, dass die Nationalisten Gegenstimmen durch Aggressivität in Schach hielten und halten. Aus Angst vor Repressalien äußern sich die meisten Anhänger einer Union nicht mehr öffentlich. Schon das Lesen der falschen Zeitung könnte zu einer Schlägerei führen. Viele denken sogar über eine Auswanderung nach und möchten ihre Immobilie in Edinburgh verkaufen.

Starkes Ergebnis der Nationalisten schürt Ängste

Das Bild vom englischen Feind wird überall geschürt und weckt bei Unabhängigkeitsgegnern düstere Vorahnungen. Die Geschichte scheint zu stark zu sein. Schon das ganze Mittelalter lang bekämpften sich die britische Krone und Schottland. Erst 1707 kam es zu einem Vertrag, in dem Schottland zähneknirschend und nur aus Geldnot mit dem Vereinigten Königreich “fusionierte".

Befürchtungen, man könne ein neues Unabhängigkeitsreferendum in Angriff nehmen, werden im ganzen Land geweckt. Nicht zu Unrecht, denn die starken Sprüche der Nationalisten sind überall zu hören. So erklärte Alex Salmond, einstmals erster Minister von Schottland, in der Wahlnacht, nun würde ein schottischer Löwe brüllen, den keine Regierung mehr ignorieren könne. Schon im November 2014 war die Queen aufgrund der Bestrebungen gewaltig aufgeschreckt. Dennoch ist auch heute die Wahrscheinlichkeit für eine schottische Unabhängigkeit äußerst gering. #Europäische Union #Depression

Bild: ©Ad Meskens / lizensiert unter CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons