Am Donnerstag, 28. Mai 2015, treffen sich Vertreter der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) in Frankfurt am Main zu einer Mitgliederversammlung mit höchster Brisanz: Es geht um die Tarifauseinandersetzung im Sozial- und Erziehungsdienst - kurz gesagt, den Kita-#Streik, der Eltern in ganz Deutschland derzeit plagt.

Auslöser für den Streik sind die Forderungen nach höheren Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen.Die vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di fordert für die etwa 240.000 Arbeitnehmer im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst Einkommensverbesserungen von durchschnittlich zehn Prozent, die durch eine höhere Eingruppierung zustande kommen sollen. Nach dem Scheitern der Verhandlungen rief ver.di einen bis dato unbefristeten Streik aus.

Die VKA kritisiert auf ihrer Website den Verhandlungsabbruch und die massive Belastung für Kinder und Eltern. Sie argumentiert, dass die Monatsgehälter von Erzieherinnen und Erziehern im öffentlichen Dienst der Kommunen zwischen rund zweieinhalb bis 3750 Euro und damit über denen anderer Ausbildungsberufen des öffentlichen Dienstes liegen. "Unrealistischsch" seien die Forderungen der Gewerkschaften, wobei die VKA hier von angestrebten Steigerungen von bis zu sieben Tarifgruppen und mehr als zwanzig Prozent spricht.

Ver.di kontert, dass sich die Arbeitgeber bisher in Schweigen gehüllt hätten und für den Fortbestand des Streiks verantwortlich seien. Ihren Unmut taten Kinderpfleger und Erzieher einen Tag vor der VKA-Versammlung am Marienplatz in München kund; in der bayerischen Landeshauptstadt läuft der Streik in der dritten Woche. So wollten sie unter anderem bei dem Münchner Personalreferenten und Präsidenten der VKA Thomas Böhle ein Zeichen setzen. Es sei falsch, die Forderungen herunter zu spielen und die Verantwortung, die Streikenden zur Aufgabe zu zwingen, den Eltern anzulasten.

Circa 600 betroffene Mütter, Väter und Kinder trafen sich am Mittwoch ebenfalls zu einer Demonstration. Bei vielen wechseln sich Verständnis für die Streikenden mit Wut über die Betreuungssituation ab. Ärger gebe es vor allem darüber, dass weiterhin Gebühren gezahlt werden müssen und unklar ist, ob Arbeitgeber und Großeltern noch lange Verständnis für den Betreuungsnotstand haben.

Auch in den sozialen Netzwerken wird täglich diskutiert. So schreibt eine #Facebook-Userin in einer lokalen Mütter-Gruppe, dass sie die Ungewissheit irre mache und ihre Kinder "völlig neben der Spur sind". Und eine andere Mutter sagt, sie habe zwar Verständnis für die Erzieherinnen, halte drei Wochen Streik am Stück aber nicht mehr für verhältnismäßig.

Zwar bietet die Stadt München in Absprache mit ver.di mindestens 3000 Härtefallbetreuungsplätze an, doch gibt es diese nur für Kinder im Kindergartenalter. Eltern von Kleinkindern müssen den Spagat zwischen Arbeit und Betreuungssituation alleine lösen.

Dass Eltern auch kurzfristig im Stande sind, zu kommunizieren, zeigen die vielen Beispiele uneigennütziger Hilfsangebote in Netzwerken und Foren: Immer mehr Mütter bieten an, auf zwei bis drei fremde Kinder aufzupassen, um betroffenen Eltern, die Angst um ihren Arbeitsplatz haben, unter die Schultern zu greifen. Bleibt zu hoffen, dass ver.di und VKA ihrem Beispiel folgen und zum Wohle tausender Kinder miteinander sprechen.