Das Geschoss hat sich als kaum erbärmlicher erwiesen, als die Soldaten, die es abgeschossen hatten. Es hat zwar das kleine Mädchen, mit ihrem Vater, auf ihrem Grundstück getötet, der Mutter aber nur die Hand abgerissen. Der zweijährige kleine Bruder kam "nur" mit ausgebrannten Augen davon. Die große Familie: beide Eltern, vier kleine Kinder und Großmutter, lebten nur von Handwerk und Gemüseanbau. Jetzt haben sie nichts mehr; die Werkstatt ist zertrümmert worden, der Garten liegt in Schutt und Asche, ihr Haus ist kaum bewohnbar. Dieser Beschuss, der am Mittwoch stattfand, bedeutet zugleich eine grobe Verletzung des geltendes Friedensabkommens.

Darüber, wer die Zivilobjekte, die kaum eine militärische Bedeutung haben, seit mehr als einem Jahr gezielt beschießt, gibt es Verschiedenes zu hören. Selbstverständlicherweise behauptet die Kiewer Regierung, dass es aus Russland stammende Terroristen seien, die so ihr Unwesen treiben. Sollten diese aber ihre eigenen Landsleute, samt prorussischen Ostukrainern, in den von ihnen selbst beherrschten Gebieten umbringen? Das ist ja unglaublich! Andererseits wenn so was wirklich geschähe, hätte es längst Kämpfe zwischen den Separatisten selbst gegeben. Statt dessen finden in ihrem Lager nur Meinungsverschiedenheiten, Streite um die Machtteilung, höchstens Faustkämpfe statt. Wie bei jeder Armee.

Für Amnesty International sowie für die slawischen Bürger-Journalisten, die sich in Donezkbecken aufgehalten haben, steht außer Zweifel, dass es eine gut durchdachte Taktik der ukrainischen Streitkräfte, insbesondere der Nationalgarde (am Ort umgangssprachlich als Nazi-Kämpfer bekannt), sei. Die Truppen extremer ukrainischer Nationalisten, von Oligarchen finanziert, wollen auf diese Art und Weise mehrere Ziele erreichen:

Die Kosten des Wiederaufbaus, in den durch #Krieg zerstörten Gebieten, die wahrscheinlich früher oder später Teil Russlands werden, zu erhöhen. Den Besitz der Donezker Oligarchenfamilien, denen die Oligarchen aus Dnipropetrowsk 2014 die Macht genommen haben, zu vernichten. Durch Vernichtungskrieg den Widerstand der Bevölkerung zu brechen, die Anführer des Aufstandes in Verzweiflung zu bringen und auf diese Weise die Gegner der neuen Regierung dazu zu zwingen sich zu ergeben. Angesichts der massiven Hilfsaktion Russlands ist das letzte Ziel undurchführbar geworden. Trotzdem, wenn man mit Hass gegen alles russische erfüllt ist, spielt das keine Rolle mehr.

Die Einwohner Donezkbeckens haben keine Zweifel daran wer und warum sie töten

"Wir sind nicht am Euromaidan gehüpft." - sagte die Oma des toten Mädchens dem Berichterstatter des russischen Fernsehens. Bewohner von Donezkbecken, Odessa und Charkiv kamen in Scharen auf die Straße, um einen Protest gegen den Sturz von Janukowitsch, für den die überwiegende Mehrheit von ihnen abgestimmt hat, zu äußern. Sie alle hatten nicht die geringste Lust, unter der Herrschaft der Erben und Anbeter Banderas zu leben. Es waren sie, die nach Kiew fuhren, um gegen die rechtliche Anerkennung der ehemaligen UPA-Mitglieder als Frontkämpfer zu demonstrieren. Sie halten nicht viel von der Ukrainischen Aufstandsarmee und es waren ihre Kinder, die damals in Kiew solche Aufschriften wie "UPA sind Mörder" hoch hielten. Es steht für sie außer Zweifel, dass die Anbeter und Nachfolger dieser Mörder zu ihnen gekommen sind. In Donezkbecken konnten sie nach Waffen greifen, bevor die Truppen der neuen Staatsmacht einsatzbereit wurden.

Am Donnerstag haben sich rund 7.000 Menschen in der Donezker Innenstadt zu einer Trauerkundgebung versammelt, die zugleich eine Protestaktion gegen die Verletzung der Minsker Vereinbarungen durch Kiew darstellte. In der Volksrepublik Donezk wurde zum Gedenken an die Opfer des Beschusses von Gorlowka ein nationaler Trauertag angeordnet. Das russische Fernsehen hat natürlich nicht allen das Wort erteilt, die sich dazu äußern wollten. Die Russen der #Ukraine sind verbittert, wenn sie an diese geringe Hilfe denken, die ihnen ihr Mutterland leistet.

Das dreifaltige Spiel Putins

Putin und seine Regierung behaupten stets, ihr Land habe nichts mit dem Bürgerkrieg in der Ukraine zu tun. Tatsache ist, dass Kiew und die Westukraine nicht bombardiert wurden. Zweifelsohne könnten die Russen diesen Krieg binnen einiger Tage für sich entscheiden, wenn nur die Kiewer Regierungstruppen durch die Luftwaffe der Russischen Föderation angegriffen würden. Die Hilfeaktionen für mittellose Zivilisten und viele Freiwillige, scheint in Anbetracht der Lage, dass ihre Kinder getötet werden, den Aufständischen der Ostukraine nur ein milder Trost zu sein. Ob Putins Armee dorthin auch Waffen und Munition schickt, scheint nicht so sicher zu sein, wie im Nato-Hauptquartier behauptet wird. Die Sowjetarmee hatte in der Nähe von Donezk riesige Vorräte an Kriegsgerät und Feuerwaffen angelegt. Außerdem waren ganze Truppeneinheiten der regulären ukrainischen Armee am Anfang des Konfliktes zu den Aufständischen übergelaufen.

Es ist jedenfalls augenscheinlich so, dass von Anfang an Putin diesen Konflikt ausnutzt, um einige für seine Politik wichtige Ziele zu erreichen. Zum Einen macht er es unmöglich die Ukraine an die Nato und EU anzugliedern. Zweitens hat er die Lage ausgenutzt, um russische Stützpunkte in der Krim zu sichern. Drittens, die Tatsache, dass die russischen Frauen und Kinder immer noch bei Kriegshandlungen ums Leben kommen, verstärkt seine Macht in Russland. Ein äußerer Feind schweißt die Menschen zusammen. Immer wenn die Russen durch Ausländer angegriffen wurden, waren sie jedes Mal sofort kampfbereit sowie sehr tapfer und äußerst findig. So ist eben Putins Russland heute, wo scheinbar aus dem nichts der T-14 Panzer entstanden ist, und das Abendland in Schrecken versetzt wird.

Das Spiel Poroschenkos - weder Frieden noch Krieg

In dieser Lage ist dem ukrainischen Präsidenten und seinen westlichen Beschützern nichts anderes übrig geblieben, als zu versuchen Zeit zu gewinnen. Paradoxerweise ist die Haltung Putins höchstwahrscheinlich auch so. Ohne neue westliche Wirtschaftssanktionen wird er sein Land noch schneller und erfolgreicher zur... Unabhängigkeit von Westmächten und der EU führen. Russland wird eine unbesiegbare militärische Weltmacht werden. Wird dann...die autoritäre Herrschaft Putins und Medwedews zerbrechen? Das bezweifle ich. Es wird eher das dritte Rom entstehen und zuerst die Ukraine und dann auch den Rest Europas erreichen...sagen wir, dann schaut es hier nicht mehr so aus, wie es heute ist, sondern ganz anders.

Was Petro Poroschenko betrifft, kann er sich weder Krieg (vorläufig), noch einen Frieden unter russischen Bedingungen leisten. Er gedenkt auch nicht zurückzutreten. Bis seine Armee irgendwie durch die Nato-Staaten wieder einsatzbereit, nach der Niederlage bei Debalzewe, gemacht wird, muss er sehr schlau sein. Den Deutschen gegenüber eine Friedenstaube, und den ukrainischen Nationalisten und Oligarchen gegenüber einen strengen Kriegsherrn spielen. Das wurde vor zwei Wochen bei seinem ZDF-Interview sonnenklar. Man fragt sich, was für eine Rolle dabei die Vereinigten Staaten nun spielen wollen. Diese Frage scheint am wichtigsten zu sein. Was wird in Washington am Ende die Oberhand gewinnen: die Furcht vor dem kriegerischen Islamismus oder vor Russland als eine neue Supermacht? Es scheint das wird für die Friedensbemühungen in Minsk von entscheidender Bedeutung sein. Denn für Leid und Tod der Zivilbevölkerung des Donezkbeckens scheint leider kaum jemand bei den Machteliten der beteiligten Staaten Mitleid zu haben.