Beeindruckend ist das ja schon. Und leisten könnte sich das wohl außer Merkel niemand. Aber es funktioniert. Die Kanzlerin zeigt, dass sie entweder den BND nicht im Griff oder noch nicht einmal den Anspruch darauf hat. Sie plaudert und plappert Überflüssiges und Unwahres daher, sie verspricht Aufklärung, obwohl doch inzwischen klar sein müsste, dass das mit ihr nichts wird. Und sie hält sich dabei an der Macht, als wäre es eine absolute Selbstverständlichkeit.

Vor der Ära Merkel sind schon ganz andere gegangen worden, und zwar aus deutlich weniger drastischen Gründen. Aber unsere Kanzlerin der Schmerzen ficht das nicht an. Sie schweigt, so lange es irgendwie möglich ist und redet, wenn es nötig ist, ohne dabei auch nur ansatzweise etwas Gehaltvolles zu sagen. Doch sie hat die volle Unterstützung der Medien und kann auf ein Volk herabblicken, das sie nicht durchschaut. Und wenn jetzt die erbosten Kritiker kommen und laut heraus schreien "Ich habe Merkel nicht gewählt!", dann mag das stimmen. Es bleibt aber eben immer noch genügend Wahlvolk übrig, das das Rauten-Ungeheuer gewählt hat. Und das - Sie müssen jetzt sehr tapfer sein - sie wohl wieder wählen wird.

Merkels stabile Rolle ist natürlich auch der Konkurrenz geschuldet, die sich in Inkompetenz und Charakterlosigkeit ergießt. Ein Peer Steinbrück war ja auf seine eigentümliche Art noch ganz knuffig. Zeigte schon mal den Mittelfinger und hatte beim Plappern eine gewisse Dynamik. Aber Sigmar Gabriel? Der Mann nimmt sich doch nicht mal selber ernst, zumindest wenn er noch einen Funken objektive Wahrnehmung in sich trägt. Und sonst? Tja, da ist niemand, der Merkel gefährlich werden könnte. Allenfalls die Medien, aber die mögen nicht so recht. Im Gegenteil!

Gerade jetzt - was für ein Zufall! - will die "Bild"-Zeitung aufgedeckt haben, dass Ursula von der Leyen den Abschlussbericht zum Sturmgewehr G36 manipuliert haben soll. Oder davon wusste. Oder wusste, wer davon wusste. So wichtig ist das aber nicht, denn auch von der Leyen gehört zu der Konkurrenz von Merkel, die oben erwähnt wurde. Sie ist sogar einigermaßen ernst zu nehmen, denn außer ihr kann "Mutti" derzeit niemand gefährlich werden. "Konnte" muss man wohl eher sagen, denn das angekratzte Image von der Leyens ist inzwischen zerkratzt, und dass sie Merkel beerben könnte, ist mittlerweile unwahrscheinlich. Dank "Bild" und zahlreichen anderen Blättern, die mal wieder brav nachgeschrieben haben, was Springer ihnen vorgekaut hat.

Natürlich hat es etwas Verschwörungstheoretisches, die Vermutung anzustellen, dass von der Leyen ausgerechnet jetzt von der "Bild" durchs Dorf getrieben wird, um Merkels Sitz zu festigen und das BND-Desaster abzufedern. Aber ist es denn gänzlich unvorstellbar, dass es so ist?

Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich wünsche mir keine Merkel als Kanzlerin. Und ganz sicher auch keine von der Leyen. Ich wünsche mir eine gänzlich andere Politik. Ohne Merkel. Ohne von der Leyen. Ohne Gabriel. Mit anderen Worten: Ich wünsche mir derzeit, dass der Weihnachtsmann mit dem Osterhasen gemeinsame Sache macht. Das ist vielleicht sogar realistischer als ein Regierungswechsel in absehbarer Zeit.


Bild: "Angela-Merkel-2014" von Michael Thaidigsmann - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC-BY-SA 4.0 über Wikimedia Commons #Wolfs Wort