Seit der EU-Osterweiterung im Jahr 2005 und der Arbeitnehmerfreizügigkeit im Jahr 2014, wird in Deutschland immer wieder über die sogenannte "Armutsmigration" diskutiert. Dies wird nicht zuletzt durch das sich verändernde Bild in den deutschen Innenstädten unterstützt, in denen sich seit einigen Jahren vermehrt Bettler aus dem Ausland finden lassen. Dabei haben insbesondere die bulgarischen Einwanderer mit einer Vielzahl an Vorurteilen zu kämpfen. Oftmals werden diese in Deutschland als Sozialschmarotzer, Bettler und Kriminelle wahrgenommen. Doch wie sind die in Deutschland lebenden Bulgaren eigentlich wirklich und was sind ihre Beweggründe, um sich in Deutschland ein neues Leben aufzubauen und in ihrer Heimat alles aufzugeben?

Die Deutsche Sprache ist für die Integration essentiell

Katerina S., ist 39 Jahre alt und lebt bereits seit 7 Jahren in Deutschland. Die Kellnerin schätzt besonders die Freundlichkeit der Deutschen, auch wenn es nach wie vor schwierig ist, insbesondere aufgrund der Sprachbarrieren und der noch immer vorherrschenden Vorurteile gegenüber der Bulgaren hinsichtlich der Zigeunerproblematik. Für Katerina ist die Sprache das ausschlaggebende Kriterium, um in Deutschland oder in anderen Ländern Fuß zu fassen, denn nur wer die Sprache beherrscht, wird in der Gesellschaft akzeptiert und kann sich vollends integrieren.

Auch der 39-jährige Georgi C., der seit 2008 in Deutschland lebt, macht die Sprache als größte Hürde für ein gutes Leben in Deutschland aus. Ohne ausreichende Sprachkenntnisse ist es seiner Meinung nach unmöglich in Deutschland eine gute Arbeit zu finden, so dass eine Vielzahl der Bulgaren sich sehr schlechten Arbeitsbedingungen im Niedriglohnsektor ausgesetzt sehen.

Den 62-jährigen Lumdil J. hat es bereits vor 25 Jahren, auf den ausdrücklichen Wunsch seiner deutschen Ehefrau, nach Deutschland verschlagen. Eines der Hauptprobleme im Rahmen der Integration ist es, eine Arbeit zu finden, welche den vorhandenen Ausbildungen und Qualifikationen entspricht. Dabei ist die Sprache jedoch das A und O um in Deutschland Fuß zu fassen.

Die deutsche Wirtschaftskraft zieht die Bulgaren an

Der 25-jährige Tomas ist, genauso wie Katerina und Georgi, aufgrund der besseren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nach Deutschland gekommen. Ihn hat es kurz nach der Arbeitnehmerfreizügigkeit im Jahr 2014 nach München verschlagen, wo er seither als Fahrer für ein Sushi-Restaurant und Kellner in einem vietnamesischen Restaurant arbeitet. An Deutschland schätzt er besonders die Ordnung sowie die Tatsache, dass das Land jedem Menschen die Perspektive auf ein gutes Leben bietet, sofern man gewillt ist hart und ehrlich dafür zu arbeiten.

Nicht alle Bulgaren sind Roma und Sinti

Der 29-jährige Konstantin arbeitet als Wirtschaftsprüfer in Berlin. In Sofia geboren, kam Konstantin schon im Kindesalter nach Deutschland, was die Integration natürlich deutlich erleichterte. Obwohl er inzwischen seit 27 Jahren in Deutschland lebt, hat er noch immer mit Vorurteilen zu kämpfen, wodurch er zeitweilig sogar gezwungen, ist seine Herkunft zu verleugnen. Ihn stört besonders die Tatsache, dass Bulgarien oftmals als Synonym für Armut, Elend und Migranten der untersten Klasse benutzt wird.

Dabei ist der #Rassismus allgegenwärtig. Egal ob bei der Wohnungssuche, wo es aufgrund des Namens schon zu einer Vorverurteilung kommt oder am Arbeitsplatz. So hat Konstantin sogar erlebt, dass ein Arbeitgeber ihm dazu riet, in Kundengesprächen seine Herkunft zu verleugnen und nicht zu sagen, dass er aus Bulgarien kommt, um einen "seriösen Eindruck" bei dem Mandanten zu hinterlassen.

Das gleiche Problem hat auch Ludmil in seiner Zeit in Deutschland ausgemacht. Für ihn hat Rassismus verschiedene Formen und begegnet in der Regel jedem Menschen mehrmals in seinem Leben - sowohl in der Heimat als auch im Ausland. Das Hauptproblem sieht er darin, dass es eigentlich keine Vorurteile gegenüber Bulgaren geben sollte. Leider ist es jedoch so, dass in Deutschland oftmals negativ über Bulgaren berichtet wird, obwohl diese eigentlich keine ethnischen Bulgaren sind. Dadurch entsteht dann eine falsche Wahrnehmung in der Gesellschaft.

Konstantin sagt, dass "der Durchschnittsdeutsche den Bulgaren für einen armen, kriminellen, ungebildeten Macho hält, da viele die Bulgaren und Rumänen mit Roma und Sinti gleichsetzen". Auch Tomas und Katerina, sind davon überzeugt, dass das größte Vorurteil in der Gleichsetzung von Roma und Sinti mit Bulgaren liege. Dabei führt Konstantin aus, dass es große kulturelle Unterschiede zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen gibt.

Doch wie sind die Bulgaren wirklich?

Um das Image der Bulgaren in Deutschland zu ändern, haben alle Gesprächspartner darum gebeten eine Unterscheidung zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen in Bulgarien zu treffen. Konstantin sagt, dass sich in einem jedoch fast alle Bulgaren ähneln, sie sind sehr aufgeschlossen, lebensfroh und sehr traditionsbewusst. Auch Ludmil würde das Image der Bulgaren liebend gerne ändern und sagt, dass seine Landsleute kluge, freundliche und aufgeschlossene Menschen seien, welche überall auf der Welt, durch Fleiß, Lernbereitschaft und Entdeckungsgeist (Prototyp des PCs, digitale Uhr, Flugzeuge, Boeing usw.) auf sich aufmerksam machen. Dieser Meinung kann sich Katerina nur anschließen, weshalb ihr größter Wunsch ist, dass alle Bulgaren eines Tages wieder nach Hause kommen, um dabei zu helfen, das Land in bessere wirtschaftliche Zeiten zu führen.

Bild: Florian Plag / Flickr.com - CC BY 2.0 #Europäische Union