Angela Merkel sprach jüngst aus, was viele Deutsche schon lange wissen und andere fürchten: „Wir sind im Grunde schon ein Einwanderungsland“, erklärte die Bundeskanzlerin im Rahmen der Auftaktveranstaltung der von der Regierung initiierten Bürgerdialogreihe „Gut leben in Deutschland – was uns wichtig ist“.

Nicht zuletzt seit Pegida zum Massenphänomen geworden ist (und sich danach selbst demontierte), ist es kein Geheimnis, dass nicht wenige Deutsche dem Umstand, dass ihr Heimatland Platz für Fremdes – sei es kulturell oder religiös bedingt – bietet, kritisch gegenüber stehen. „Ich bin ja kein Rassist, aber …“ wurde selten so oft im gleichen Atemzug genannt wie die vermeintlichen Probleme, die #Flüchtlinge über unser Land bringen. Wer im Recht ist, wird insbesondere in den sozialen Netzwerken mit Leidenschaft diskutiert, dabei können die meisten Angstargumente durch einen Blick auf tatsächliche Zahlen ganz einfach widerlegt werden:

„Deutschland ist ein Einwanderungsland und wir nehmen alle auf.“

Tatsächlich ist es so, dass die Zahl der Asylanträge in der EU seit sechs Jahren ansteigt, informiert der Mediendienst Integration. 2014 stieg die Zahl der Anträge in der Bundesrepublik Deutschland um sechzig Prozent. In Zahlen bedeutet das, dass etwa 627.000 Menschen im vergangenen Jahr in der Europäischen Union Asyl beantragt haben, die meisten – circa 202.000 Menschen – in Deutschland, gefolgt von Schweden und Italien. Betrachtet man die Zahlen jedoch im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße, rutscht Schweden mit 8,4 Asylanträgen pro tausend Einwohner auf Platz 1. Deutschland mit 2,5 Asylbewerbern pro tausend Einwohnern rangiert innerhalb der EU-Staaten auf Platz 6, hinter Ungarn, Österreich, Malta und Dänemark (Quelle: Eurostat, Asylum applicants and first instance decisions on asylum applications, 2014).

Mit mehr als 38 Prozent wurden 2015 die meisten Anträge laut dem Statistik-Portal statista abgelehnt. Etwa 33 Prozent der Asylsuchenden wurden rechtlich als Flüchtlinge eingestuft.

„Das sind doch alles Wirtschaftsflüchtlinge.“

Menschen verlassen ihre Heimatländer aus vielerlei Gründen und die Angst vor Armut und Hunger spielen sicherlich eine große Rolle. Wer am gedeckten Tisch sitzt und sich selbst in einer Notsituation wohl kaum um das blanke Überleben seiner Kinder sorgen muss, sollte sich fragen, ob er Menschen das Recht, ihr Glück woanders zu suchen, nicht gönnen sollte. Angenommen ist der Asylantrag durch die bloße Flucht nämlich noch lange nicht - und tut man nicht schnell jenen, die vor Krieg und Terrorismus fliehen, Unrecht?

„Die kriegen Geld, tolle Wohnungen und nehmen uns die Arbeit weg.“

Quelle für die Bezüge von Asylsuchenden ist das Asylbewerberleistungsgesetz, wobei grundsätzlich die Länder und Kommunen entscheiden, wie sie Leistungen an Flüchtlinge ausgeben. Nach ihrer Ankunft in Deutschland sind die meisten Flücjtlinge in Erstaufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften untergebracht, wo sie Sachleistungen und Bargeld erhalten. Aktuell stehen Flüchtlingen 352 Euro zu – vierzig Euro weniger als Hartz IV mit 399 Euro. Zusätzlich darf ein Regelsatz abgezogen werden, etwa für den Strom, den die Flüchtlingsunterkunft bereit stellt.

Nur wenige können es sich vorstellen, mit 50 völlig Fremden in einer Gemeinschaftsunterkunft zu hausen. Nicht wissend, wie das Ankunftsland entscheiden wird, ob man zurück muss in eine ungewisse, wenn nicht gefährliche Zukunft oder zum Wohle seiner Familie für immer Abschied von der Heimat nehmen muss. Statistiken nennen uns Zahlen, wie es wirklich um Flüchtlinge in Deutschland steht – was wir glauben wollen und wie wir mit der Tatsache umgehen, dass die Bundesrepublik vielen Menschen als sichere Zuflucht erscheint, hängt von der Moral und nicht zuletzt von unserem Gewissen ab.

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