„Die Toten kommen“. Unter diesem Motto rief das „Zentrum für politische Schönheit“ (ZPS) unter der Woche zu einem Protestzug durch Berlin auf. Ziel war das Kanzleramt, zu welchem der Zugang allerdings versperrt blieb. So durchbrachen einige Demonstranten schließlich den Zaun und drangen auf den Platz der Republik, direkt vor den Reichstag. Dort wurden fiktive Gräber angelegt, um auf die mehr als 23.000 Toten (seit 2000) Flüchtlinge aufmerksam zu machen.

„Zentrum“ wollte mit Baggern Vorplatz des Kanzleramts umgestalten

Zuvor hatte das ZPS angekündigt mit Baggern und Schaufeln das Vorfeld des Bundeskanzleramtes zu einem großen Friedhof zu Ehren der „Unbekannten Flüchtlinge“ umgestalten zu wollen. Dass dies nicht passieren würde, war wahrscheinlich auch den Veranstaltern klar.
Als der Protestzug dann vor dem Kanzleramt nicht weiter kam, lösten die Organisatoren die Versammlung auf und bedankten sich bei den Teilnehmern. Daraufhin durchbrachen diese den Zaun zum Platz der Republik.

Fiktive Gräber: „Den unbekannten Flüchtlingen“

Dort angekommen, setzten die Protestler eine Idee um, die bereits unter der Woche einige Verbreitung gefunden hat. Sie gruben mit Händen und Schaufeln kleine „Gräber“, die sie mit Holzkreuzen, Kerzen und Blumen bestückten. Auf den Kreuzen standen Botschaften wie: „Grenzen töten.“, „Den unbekannten Flüchtlingen“, „Frontex – Mörder“ oder „Festung fallen“. Unter der Woche waren ähnliche fiktive Grabstätten in mehreren europäischen Städten aufgetaucht. Bilder davon wurden unter unknownrefugees.tumblr.com veröffentlicht.


Anke Domscheidt-Berg und Journalist behaupten Polizei sei gewalttätig gewesen

Die Aktion verlief überwiegend friedlich. Und wurde zum meist genutzten Twitter Hashtag des Tages.  Lange Zeit, auch nach dem der Platz der Republik gestürmt worden war, ließ die Polizei die gelegentlich skandierenden Massen gewähren. Aber immer wieder kam es zu Unruhen, wenn die Polizei zaghafte Vorstöße wagte. Auch versuchte die Polizei einige der Gräber zu demontieren. Dabei soll es auch zu gewalttätigen Zwischenfällen gekommen sein. Anke Domscheidt-Berg, ehemalige Spitzen-Politikerin der Piratenpartei, behauptete die Polizei sei gewalttätig gegen sie vorgegangen. Auch ein Journalist behauptet von Polizisten geschlagen worden zu sein.
Als die Polizei gegen 17:30 begann den Platz zu räumen, wurden die Proteste lauter und es kam immer wieder zu einzelnen Festnahmen durch die Polizei. Auch sollen einige Journalisten gezielt an der Arbeit gehindert worden sein. Dies konnte aber bisher nicht belegt werden.

Übrig bleiben mehr als 100 „Gräber“

Am Ende verließen die Demonstranten den Platz der Republik. Übrig geblieben sind an die 100 „Gräber“ für auf der Flucht umgekommene Menschen. Die Aktion des ZPS stieß dabei sowohl auf Zustimmung, wie die hohe Beteiligung zeigt, als auch auf Widerstand. Hauptkritikpunkt sind die politische Ausschlachtung und überzogener Aktionismus. Dem gegenüber verteidigte der Gründer des „Zentrums für politische Schönheit“, Phillip Ruch, die Aktion: „Man muss dahin gehen wo es weh tut.“, sagte er. Dabei haben die Künstler auf jeden Fall einen Nerv getroffen. Die immer wieder kehrenden Bilder von Ertrunkenen Flüchtlingen im Mittelmeer lassen die Politiker schlecht dastehen. Aber auch die Protestler werden daran am heutigen Tage nichts geändert haben. Sie können jedoch auf die Zukunft hoffen. Denn auch Bundespräsident steht auf der Seite der Demonstranten: „Vor 70 Jahren hat ein armes und zerstörtes Deutschland Millionen Flüchtlinge zu integrieren vermocht. Warum sollte ein wirtschaftlich erfolgreiches und politisch stabiles Deutschland nicht fähig sein, in gegenwärtigen Herausforderungen die Chancen von morgen zu erkennen?“, sagte er am Freitag. #Europäische Union

Quelle: Twitter #dietotenkommen, Berliner Zeitung, Anke Domscheidt-Berg
Bild: unknownrefugees.tumblr.com Lizenz: Mit freundlicher Genehmigung des Fotografen