In der AfD macht derzeit vor allem der Streit zwischen Frauke Petry und Bernd Lucke Schlagzeilen. Auf dem Mitgliederparteitag Anfang Juli treffen beide in einem Showdown aufeinander und werden wohl gegeneinander kandidieren. Doch die AfD hat auch einen Jugendverband: Die "Junge Alternative". 

Auf dem kürzlichen Bundeskongress in Karben wurde der Richtungsstreit beim Parteinachwuchs jedenfalls bereits gelöst: Das Lucke-kritische Lager - gemeinhin als konservativ bezeichnet - hat sich durchgesetzt. Neben dem klar konservativen Markus Frohnmaier hat sich mit Sven Tritschler auch ein Vertreter des libertären Flügels als Bundessprecher durchgesetzt. Libertäre stehen der Rolle des Staates generell kritisch gegenüber und treten für verstärkte Privatautonomie ein. Den deutschen Liberalismus im Stile der FDP empfinden sie als weichgespült und sozialdemokratisiert. Neben den Parteirechten nannte Bernd Lucke auch diese Strömung, die er ablehnt, als Auslöser für seine "Weckruf"-Bewegung. Grund genug für ein Interview mit Sven Tritschler, dachte sich BLASTING NEWS.


1. Herr Tritschler, Sie sind einer der neuen Sprecher der "Jungen Alternative" (JA). Was sind Ihre persönlichen Hauptziele für diese Amtszeit?

Mein Co-Vorsitzender Markus Frohnmaier und ich haben das Ziel, die JA zu vereinen. Die völlige Eskalation des Lagerstreits im Januar hätte beinahe zu unserer Spaltung geführt und hat uns über Monate gelähmt.

Doch es gibt Hoffnung: Unser Bundeskongress in Karben hat gezeigt, dass liberale und konservative Kräfte durchaus an einem Strang ziehen können.

Bei Programmdebatten stellen wir immer wieder fest, dass es große Schnittmengen gibt und dass die Leute oft ganz anders abstimmen, als man es von ihrer grundsätzlichen Lagerzuordnung her erwarten dürfte. Das ist auch gut so, schließlich haben wir das Motto „Verstand statt Ideologie“. Daran möchten wir anknüpfen - weg vom persönlichen Streit und hin zur sachlichen Auseinandersetzung.

2. Wo soll sich die JA inhaltlich hinbewegen?

Ich denke, wir brauchen uns nicht weit zu bewegen. Unsere bisherige Programmatik ist eine ausgewogene Mischung aus klassischem Liberalismus und Konservatismus. Wir sind aber eine sehr junge Organisation und haben dementsprechend noch ein sehr lückenhaftes Programm. Das wollen wir ändern.

3. Außerdem sind Sie auch in der neugegründeten "Libertären Alternative" aktiv. In der Regel werden ja Henkel und Lucke als Liberale bezeichnet, zu deren Unterstützern Sie nicht unbedingt gezählt werden. Warum braucht es also die "Libertäre Alternative"?

Die holzschnittartige Darstellung, wonach jeder Luckekritiker konservativ und jeder Luckeanhänger liberal sei, trifft die Realität nicht im Ansatz. Herr Lucke streitet ja selbst völlig zurecht ab, dass er liberal sei.

Die aktuellen Brüche in der AfD sind eher an Stilfragen festzumachen: Manche wollen echte Opposition machen, während andere offenbar von den Altparteien nicht schnell genug akzeptiert werden können. Herr Lucke möchte beispielsweise die Steuersätze in Europa vereinheitlichen, während nach meiner Einschätzung ein ganz großer Teil der Partei keine weiteren Kompetenzen nach Brüssel verlagern möchte.

Eine „Libertäre Alternative“ braucht es, weil wir den Begriff des Liberalismus aus der Geiselhaft verkappter Sozialdemokraten befreien müssen, deren Opposition sich auf ein bisschen halbherzige Eurokritik beschränkt.

4. In der EU wird derzeit die Abschaffung von Bargeld diskutiert. Ein kurze libertäre Stellungnahme bitte.

Die Abschaffung des Bargelds ist ein orwellscher Albtraum. Wenn man bedenkt, wieviele Finanztranskationen jeder von uns täglich abwickelt, weiß man, wie transparent man als Bürger würde. Verknüpfen Sie diese Daten mit Bewegungsprofilen von Handys und sie haben keine Chance mehr, sich den neugierigen Blicken von NSA und Co. zu entziehen. Sie sind wie ein Buch, dass jeder lesen kann.

Ein weiterer und nicht weniger gruseliger Aspekt sind die Negativzinsen, die ja immer mehr propagiert werden. Aktuell funktioniert das nicht so recht, denn sie können Ihr Geld bei der Bank ja abheben und zuhause unters Kopfkissen legen. Dann haben Sie immerhin null Prozent. Das ist anders, wenn das Geld digitalisiert wird. Dann kann Sie der Staat per Knopfdruck enteignen. Und früher oder später wird er das auch tun.

5. Wo sehen Sie die JA, die AfD und sich in fünf Jahren?

Momentan ist es schwer, für die AfD eine Prognose über fünf Wochen abzugeben. Sehr vieles hängt am nächsten Parteitag in Essen. Danach haben wir hoffentlich Teamplayer an der Spitze, die gewisse Führungsqualitäten aufweisen und sich vor allem nicht am ideologischen Rand, sondern in der Mitte der Partei positionieren.

Die JA sehe ich auf einem guten Weg. Der Wille zur Einheit ist da. Alte Vorbehalte schmelzen weg und die Profiteure von Spaltung und Streit spielen keine Rolle mehr. Aber unser Schicksal ist natürlich eng mit dem der Mutterpartei verbunden. Wir hoffen daher, dass unser Modell der Lagereinigung ein Vorbild ist.

Ich persönlich bin ein Überzeugungstäter. Sie werden mich in fünf Jahren da finden, wo ich immer war: An der Stelle von der ich glaube, dass ich dort unser Land auf einen besseren Weg bringen kann. #Europäische Union #Wahlen