Früher rangelten sie um den Sendeplatz, seit letzter Woche kann Frank Plasberg triumphieren. Da wurde bekannt, dass Günther Jauch seinen Polittalk am Sonntagabend nicht mehr fortsetzt.

Nun wird der ARD-Polittalk wieder von Vorgängerin Anne Will übernommen - für die meisten verdienterweise, und gleichzeitig die Versicherung, dass solides journalistisches Handwerk eben doch eine Grundvoraussetzung für gehaltvolle politische Fragerunden ist. Nachdem die Kritik an Jauchs journalistischen Qualitäten immer größer wurde, hat der beliebte "Wer wird Millionär?"-Moderator die Konsequenzen gezogen.

Man muss nicht auf allen Hochzeiten tanzen

Man muss nicht alles können und kann dennoch beliebt sein, so sehen es jedenfalls die meisten Fernsehzuschauer. Im Gespräch mit dem "Spiegel" kommentierte Frank Plasberg den Weggang von Jauch in gewohnt kritischer Weise. Dass auch eine gute Portion Neid eine Rolle spielt, gab er unumwunden zu. Günther Jauch sei genauso alt wie er und besäße den (unbezwingbaren) Junggesellencharme. Er könne machen was er wolle, mit seinem Dackelblick könne ihm einfach niemand böse sein. Da ist was Wahres dran, aber letztendlich haben ihn ja die Zuschauer mangels Kompetenz abgestraft. Plasberg könnte doch eigentlich zufrieden sein.

Harte Worte gegen Jauch - den Oberlehrer der Nation

Jetzt, wo Günther Jauch im TV weniger präsent sein wird, könnte Frank Plasberg eigentlich beruhigt sein. Stattdessen gibt er noch einmal eine ordentliche Salve ab. Plasberg ist der Meinung, dass Jauch sich mit der Sendung als Journalist krönen wollte. Das habe ja nun nicht ganz geklappt. Wörtlich sagte er: "Nun kennt er den Unterschied zwischen auf dem Platz und auf der Tribüne." Mag sein, aber warum dieser Neid? Wünscht sich Plasberg mehr öffentliche Präsenz und Streicheleinheiten? Reicht es ihm nicht, dass er sich als "Hart aber fair"-Moderator, mit fundiertem Hintergrundwissen einen Namen gemacht hat, weil er sich auch von kritischen Fragen nicht aus der Bahn werfen lässt und die Diskussion immer in geordnete Bahnen lenken kann? Auch Plasberg wird ziemlich üppig für seine politische Talkrunde entlohnt. Man munkelt, er bekäme pro Sendung 70.000 €. Das ist bestimmt weniger, als Jauch verdient, aber damit lässt sich doch ganz gut leben. Offenbar ist auch Plasberg vom "Immer-mehr-Virus" ergriffen.

Jauchs Auftreten passe in seinen Augen nicht zu den Aufgaben eines konsequenten Fragestellers. Wörtlich erklärte er: "Du kannst nicht der gefühlte Bundespräsident sein und ein kantiger erster Journalist." Kollegen und Zuschauern war bald klar, dass sich Jauch mit dem Format übernommen hatte. Da er sowieso aufhört, wäre es gar nicht nötig, ihn jetzt noch zu attackieren.

Wie sieht Plasberg seine eigene TV-Zukunft?

In einigen Jahren wolle er seine Sendung an einen Kollegen abgeben. Hinsichtlich des Zeitpunktes äußerte er sich jedoch nur vage. Was sind schon einige Jahre. Bis dahin ist viel Wasser den Rhein runtergeflossen, würde der Rheinländer sagen. Momentan ist von einem Moderatorenwechsel keine Rede und Plasberg dürfte auch nur hypothetisch mit dem Gedanken spielen. Denn nach wie vor findet er, dass das deutsche #Fernsehen eine engagierte, pointierte politische Talkshow braucht. (Und das ist offenbar "Hart aber fair"). Und auch wenn er es nicht sagte, scheint er sich momentan für den am besten geeigneten Moderator zu halten. Gleichzeitig gibt er in diesem Interview aber zu bedenken, dass die Sendung eher eine Marke ist, die für sich steht und nicht an das Gesicht des Moderators geknüpft ist.

Bis Ende des Jahres macht Jauch mit seinem Polittalk am Sonntag um 21.45 Uhr weiter und besetzt einen sehr begehrten Sendeplatz. So hoffen wir, dass sich Anne Will wieder gut in ihre alte Materie einfindet. Ihre Art zu talken war professionell, angenehm und souverän.

Bild: "Frank Plasberg 2011" von Superbass - Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.