Es ist nun ziemlich genau zehn Jahre her, als die Europäischen Regierungschefs im April 2005 den Beitrittsvertrag von Rumänien und Bulgarien als Mitgliedsstaaten der EU unterzeichneten. An der Skepsis und den Vorurteilen von damals hat sich innerhalb der westeuropäischen Bevölkerung dahingehend nur wenig geändert. Noch immer schimpfen viele darüber, dass Brüssel den verarmten Ländern den Beitritt zur europäischen Union ermöglicht hat. Seit dem 1. Januar 2014 genießen rumänische und bulgarische Staatsbürger die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der EU. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Diskussion kurz vor dem Ende der Arbeitsmarktbeschränkungen zum Januar 2014 ihren Höhepunkt erreichte. Von Sozialtouristen, Wirtschaftsflüchtlingen und Armutsmigration war die Rede. Und selbst die konservative CSU ließ sich dazu hinreißen mit Slogans wie "Wer betrügt, der fliegt" die Stimmung im Land weiter anzuheizen.

Arbeitslose Analphabeten die ihre Kinder zum klauen schicken

Migranten aus Rumänien und Bulgarien haben seit jeher mit Vorurteilen zu kämpfen. Der Stereotyp dieser Migranten in der deutschen Bevölkerung lässt sich wie folgt beschreiben: Ein arbeitsloser Analphabet, der klaut oder seine eigene Familie und Kinder betteln schickt und vorrangig nach Deutschland kommt um sich auf Staatskosten und durch Sozialbetrug ein schönes Leben zu machen. Dabei werden rumänische und bulgarische Einwanderer oftmals mit den rund sechs Millionen Roma aus dieser Region gleichgesetzt. Dieses Bild wird natürlich durch Berichterstattungen aus den Problemkommunen Duisburg und Dortmund noch verstärkt. So wurde, dass sogenannte Roma Hochhaus n Duisburg Rheinhausen häufig als Paradebeispiel für rumänische Einwanderer genommen. In der Siedlung leben rund 1.000 Roma, wobei es in der Vergangenheit zu häufigen Auseinandersetzungen mit der Polizei und anderen Anwohnern gekommen ist.

Bei genauerer Betrachtung dieser am stärksten wachsenden Bevölkerungsgruppen in Deutschland, zeigt sich jedoch ein ganz anderes Bild.

Rumänen weisen eine niedrigere Arbeitslosenquote als die deutsche Gesamtbevölkerung auf

In den vergangenen Jahren ist die Anzahl von Beschäftigten aus Bulgarien und Rumänien stark angestiegen. Während im Dezember 2013 noch 133.000 Bulgaren und Rumänen in Deutschland beschäftigt waren, betrug die Zahl im Februar 2015 bereits 255.000. Den Großteil hat es dabei nach Berlin, Frankfurt, Hamburg und München verschlagen. Dabei sind beide Gruppen sehr gut in den Arbeitsmarkt integriert. Insbesondere die Rumänen weisen mit einer Arbeitslosenquote von 6,6% eine deutlich niedrigere Arbeitslosequote anderer Zuwanderungsgruppen, sowie der deutschen Gesamtbevölkerung. Zwar steigt auch der Anteil der Menschen, die Harz 4 beziehen bei den Rumänen und Bulgaren stark an, auffällig ist jedoch, dass der Großteil sogenannte "Aufstocker" sind. Dies ist ein Indiz dafür, dass diese Zuwanderungsgruppen besonders mit niedrigen Löhnen und Ausbeutung in der Arbeitswelt zu kämpfen haben.

Junge und hochqualifizierte gut integrierte Arbeitskräfte

Während hierzulande die Diskussion über Sozialschmarotzer geführt wird, beklagt man sich in den Heimatländern über den sogenannten Brain Drain, womit die Abwanderung der qualifiziertesten Menschen in der bulgarischen und rumänischen Bevölkerung gemeint ist. Dabei ist der durchschnittliche Auswanderer zwischen Ende 20 und Anfang dreißig, wodurch die Zuwanderungsgruppe, einen der jüngsten Altersschnitte in Deutschland aufweist.

In der Tat wird bei genauerem Hinsehen deutlich, dass Rumänen und Bulgaren im Durchschnitt deutlich besser qualifiziert sind, als die meisten anderen Zuwanderungsgruppen in Deutschland. Der Anteil von Einwanderern aus diesen Ländern, die über einen Hochschulabschluss verfügen beträgt 26,3%. Damit ist der Akademikeranteil sogar höher als in der deutschen Bevölkerung. Allerdings finden nur die wenigsten Einwanderer einen, ihren Qualifikationen entsprechenden, Job. Der Großteil, muss sich mit Arbeiten aus dem Niedriglohnsektor befassen, die keine Berufsausbildung verlangen. Durch die Beschäftigung der Einwanderer unter ihren Qualifikationen, geht sehr viel Potential für die deutsche Wirtschaft verloren. So ist es auch nicht verwunderlich, dass der überwiegende Teil der rumänischen und bulgarischen Einwanderer nur circa für fünf Jahre in Deutschland bleibt, ehe diese entweder in ihr Heimatland zurückgehen oder in andere europäische Länder umsiedeln.

Entgegen aller Vorurteile, sind Rumänen und Bulgaren vor allem eins: junge, gebildete und mobile Arbeitnehmer, die überdurchschnittlich gut in den deutschen Arbeitsmarkt integriert sind und sogar weniger Sozialleistungen als die deutsche Gesamtbevölkerung beziehen. Selbstverständlich gibt es auch die Teile, wie in den Problemvierteln von Duisburg oder Dortmund, die die Vorurteile bestätigen. Doch diese Menschen gibt es überall, ganz gleich ob mit oder ohne Migrationshintergrund. Daraus jedoch Ängste zu schüren und eine gesamte Bevölkerungsgruppe zu stereotypieren, ist komplett verkehrt. #Europäische Union #Rassismus