Es ist der 5. Mai 2012: Rechtspopulisten und Islamkritiker aus dem Umfeld von pro NRW demonstrieren vor der König-Fahd-Akademie in Bonn gegen den politischen #Islam. Die Akademie wird von Saudi Arabien aus finanziert; die Kritiker sprechen dortige Menschenrechtsverletzungen an, schlagen eine Brücke zur islamischen Theologie und halten schließlich Mohammed-Karikaturen hoch. Islamische Gegendemonstranten aus der Salafisten-Szene reagieren darauf mit einem bisher nicht da gewesenen Gewaltausbruch: 29 Polizisten wurden zum Teil schwer verletzt.

Streitgespräch statt Ausschreitungen 

Auch wenn Ausschreitungen bei ähnlichen Veranstaltungen bisher nicht immer derart eskaliert sind, so sind sie dennoch die Regel gewesen, wenn islamkritische Rechtspopulisten auf Islamisten trafen. Nun kursiert ein Youtube-Video, welches eine andere Sprache spricht. Manfred Rouhs, Vorsitzender der Kleinpartei "pro Deutschland" und Publizist, hat sich offenbar in Mönchengladbach mit dem Salafisten-Führer Sven Lau zu einem Streitgespräch getroffen.

Rouhs macht keine gute Figur 

Das recht professionell gemachte Video zeigt nur Ausschnitte aus dem Streitgespräch, gelegentlich unterbrochen von Moderationen von Manfred Rouhs. Letzterer macht jedoch keine gute Figur: Statt einem scharfen Gegenpart zu Sven Lau fungiert er eher noch als Stichwortgeber.

Einigkeit in Hinblick auf die USA 

Gleich zu Beginn stellt Rouhs seine Sicht auf den Nahostkonflikt dar: Schiitische und sunnitische Muslime würden sich dort gegenseitig abschlachten, aufgehetzt von den USA. Sven Lau bestätigt mit "Natürlich" und ergänzt die Ausführungen. Kein Hinweis darauf, dass die verfehlte Politik der USA gerade in Syrien vornehmlich den Salafisten hilft und Iran, Saudi Arabien und Co natürlich auch ihren eigenen Interessen nachgehen und dabei all zu gerne die USA an der Nase herum führen und nicht nur andersherum.

Rouhs bestätigt Laus Einschätzung des historischen Christentums  

Sven Lau darf danach den Wolf im Schafspelz geben und über den ach so friedlichen Islam referieren; endend mit einem Verweis auf das Alte Testament der Bibel. Dass das einfache mosaische Gesetz anders als die von Gott gegebenen Zehn Gebote de facto sehr wohl außer Kraft gesetzt wurde, weil es nur in einer Gesellschaft sündfreier Menschen gelten sollte ("Wer frei von Schuld ist werfe den ersten Stein", Joh 8,7; „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: ‚Auge um Auge, Zahn um Zahn.‘ Ich aber sage euch ... Mt 5,38.39) und Jesus es für uns erfüllt und gleichzeitig für unsere Verstöße gezahlt hat - nichts davon hört man von Manfred Rouhs, der nach Nennung historischer Ereignisse in einer Zeit, in der die katholische Kirche teilweise selbst die Verbreitung der Bibel unter Strafe stellte, letztlich Sven Laus Standpunkt bekräftigt.

Kraftvolles Glaubensbekenntnis von Sven Lau, Herumlavieren von Manfred Rouhs 

Auf dieses Einknicken folgt ein mehr-minütiges, kraftvolles Glaubensbekenntnis von Sven Lau, vorgetragen mit logischen Argumenten. Das Herumlavieren Manfred Rouhs in der Frage nach dem Christentum, die historischen Haarspalterei ob Luther nun ein kritischer Katholik oder doch ein Protestant war und die völlige Lieblosigkeit zum Christentum sind wohl symptomatisch für einen Kontinent, der sein eigenes Erbe und seine Identität verliert. Es erscheint wenig verwunderlich, warum Sven Lau mit seinem islamischen Pathos mehr junge Menschen für den Salafismus begeistert, als ein Manfred Rouhs für pro Deutschland. Ohne religiös-identitäres Gegenkonzept wird der Kampf um Europa indes nicht zu gewinnen sein: Die Glaubensstärke und die Liebe zu ihrem Erlöser Jesus Christus unter verfolgten arabischen Christen und das Glück der gelebten Nächstenliebe sollte hier Vorbild sein, ist heute aber allenfalls noch in deutschen Freikirchen mehr als eine Randerscheinung.

Am Ende kritisiert Rouhs sogar die eigene Peer Group 

Gegen Ende entgleitet das Interview Manfred Rouhs schließlich vollends: Auf eine kritische Nachfrage zu Charlie Hebdo antwortet Sven Lau wieder völlig unkommentiert mit Heucheleien, um anschließend eine Nachfrage zu stellen, warum Rouhs den islamkritischen Film "Innocence of Muslims" zeigen wollte, wenn er ihn doch selbst nicht als historisch korrekte Darstellung des Lebens Mohammeds erachtete. Und in der Tat gibt der Manfred Rouhs, der sich zuvor noch unter Verweis darauf, dass er Nicht-Theologe sei, einer tiefergehenden Debatte über das Christentum entzog, plötzlich zu, dass der unter Mitwirkung von Theologen, Ex-Muslimen und Islamkennern entstandene, streng an die Sunna (Lebensgeschichte Mohammeds) angelehnte Film seiner Einschätzung nach gar nicht korrekt sei. Auf Basis welcher Kenntnisse er diesen Schluss zieht, bleibt offen. Stattdessen, führt er aus, könnte es sich gut und gern um eine bewusste Aufstachelung aus Amerika handeln.

Das Video ist in die Hose gegangen 

Wer das Video zu Ende gesehen hat, wird sich zweierlei Dinge bewusst: Erstens ist das von pro Deutschland initiierte Video völlig in die Hose gegangen und zu einer salafistischen Propagandasendung geworden, zweitens ist Manfred Rouhs nicht sonderlich islamkritisch, dafür aber umso amerikafeindlicher. In der außenpolitischen Bewertung Amerikas werden zwischen dem Salafisten und dem Rechten zumindest im Video keinerlei Unterschiede deutlich. Entlarvend, dass Rouhs Publikation "nation24" vor Jahren in einer Ausgabe noch der Kritik der Islamisierung, aber ausdrücklich nicht des Islams, das Wort redete.

Bildquelle: Standbild aus dem Video "Salafisten die Stirn bieten", Youtube.com, videoprodeutschland.  #Wahlen #ISIS