Die CDU liegt in allen Umfragen bei über 40 Prozent und auch die CSU liegt in Bayern bei der Sonntagsfrage zur Landtagswahl noch bei circa 49 Prozent. An sich also Grund zur Freude? Nein, denn die Stärke der Union auf Bundeseben resultiert vornehmlich aus der Schwäche der FDP.

Scheitert die CSU bundesweit bald an der 5-Prozent-Hürde?

Noch dramatischer ist die Lage in Bayern: Trotz des Absturzes der FDP konnte die CSU die einst fest eingeplanten 50 Prozent nicht wiedererlangen. Die Europawahl zeigte außerdem, wie optimistisch Umfrageinstitute die Seehofer-Partei in Bayern immer noch einordnen: 47 Prozent in Umfragen reichten schließlich gerade noch für 40,5 Prozent an der Urne: Bundesweit bewegte sich die CSU damit gefährlich nah an der 5-Prozent-Hürde, die eines Tages der Modell der Union aus zwei Parteien zertrümmern könnte.

Nur noch Niederlagen in Berlin - und ein wenig hilfreicher Partner CDU

Und gerade in der Bundespolitik sieht es für die CSU heute so schlecht aus, wie selten zuvor. Die Abschaffung des Betreuungsgeldes - dem familienpolitischen Wunschprojekt der bayerischen Partei - durch das Bundesverfassungsgericht vor wenigen Tagen trifft die Partei zur Unzeit. Denn auch das andere Prestigeprojekt, die Einführung einer Automaut, die de facto nur von außerhalb Deutschlands lebenden Autofahrern bezahlt werden soll, steht auf der Kippe: Die EU hat ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eröffnet, weil Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass es sich um eine verbotene, diskriminierende Maßnahme handeln könnte. Die CSU hatte hingegen im Bundestagswahlkampf 2013 die weder von der CDU noch von der SPD gewollte Maut zur Bedingung für eine Koalition gemacht. Nochmehr schmerzte sie wohl der Umstand, dass auch das Betreuungsgeld in der CDU nur auf verhaltenen Zuspruch stößt. Die orangene Schwesterpartei triftet immer weiter nach links, während die CSU wenigstens halbherzig versucht, Kurs zu halten.

Die CSU wird zum Gespött der Leute

Auch in der Asylfrage steht die CSU für eine härtere Gangart - was bei allen anderen etablierten Parteien Naserümpfen hervorruft. Bundespolitisch entmachtet und nahezu handlungsunfähig, ist die CSU auf dem Weg, sich zum Gespött der Leute zu machen. Unvergessen sind die zahlreichen "roten Linien", die Seehofer in der Griechenland-Hilfe immer wieder ins Spiel brachte - und vor allem ihre völlige Wirkungslosigkeit.

Trennt die Union sich irgendwann?

Helfen könnte auf lange Sicht wohl nur noch ein Weg, den die CSU 1976 und 1990 beinahe zwei Mal gegangen wäre: Den der Ausdehnung außerhalb Bayerns und die Aufkündigung der Partnerschaft mit der CDU. Durch deren Linksrutsch unter Merkel ist bundesweit jedenfalls mehr als genug Platz für eine demokratisch rechte Partei. Doch auch hier könnte die CSU möglicherweise schon zu lange gewartet haben: Immerhin gibt es bereits die AfD.

Bildquelle: Flickr.com, Torsten Willms, 29. Juni 2013.

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