Die USA stehen in Deutschland seit Jahren wegen ihres Waffenrechts in Verruf: Irre, verantwortlungslos, fahrlässig, sind Begriffe, die in diesem Zusammenhang fallen. In den USA sei man doch nirgends mehr sicher, manche Stadtteile seien unbetretbar und die Kriminalität ausufernd. Wie schön, dass wir in Deutschland eines der schärfsten Waffenrechte der Welt hätten, so der Tenor. Doch dass das deutsche Waffenrecht noch aus der Zeit des Nationalsozialismus stammt und den Zweck hatte, eine Widerstandsbewegung im Keim zu ersticken, ist den wenigsten bekannt.

Seit 2013 gibt es nun ein deutsches Pendant zur amerikanischen "National Rifle Association", die "German Rifle Association". Die Gruppe setzt sich für eine Liberalisierung des Waffenrechts in Deutschland ein - und argumentiert selbst für Kritiker recht überzeugend: Mit Argumenten, die man in den USA seit Jahren von der NRA zu hören bekommt, die in Deutschland aber kaum bekannt sind. Blasting News hat die Waffenfreunde interviewt.

1. Können Sie uns etwas über die Geschichte der German Rifle Association erzählen? Wer sind die Gründer und wie sind sie auf diese Idee gekommen? Wie viele Mitglieder haben Sie derzeit?


Die German Rifle Association wurde Anfang 2013 von Marc Schieferdecker als echte Graswurzelbewegung gegründet. Von Anfang mit dabei waren auch Katja Triebel, Oliver Huber, Michael Hassler und Ron Siderius. Alle Gründungsmitglieder war schon vor der German Rifle Association in der Waffenrechtsszene aktiv, wollten aber mehr gemeinsam mit der Basis der Waffenbesitzer und Waffeninteressierten machen. Auch verfolgt die German Rifle Association insgesamt einen progressiveren Ansatz und setzt mehr auf Eigeninitiative der Mitglieder. Zudem steht Vernetzung im Vordergrund, die GRA ist auch Mitglied bei der europaweit aktiven Organisation Firearms United.

Derzeit sind rund 1.600 Personen offiziell in der German Rifle Association organisiert, aber wir haben noch weitaus mehr Unterstützer. Da wir kein Verein sondern eine Graswurzelbewegung sind, lässt sich das allerdings nicht genau beziffern. Über Facebook erreichen wir mit unseren Beiträgen bis zu 50.000 Nutzer pro Woche.

2. Eine Interessengemeinschaft der Waffenbesitzer hat es in Deutschland denkbar schwer: In der Bevölkerung scheint es einen breiten Konsens zu geben, dass die liberalen Waffengesetze in den USA Unsinn seien. Selbstmorde, Bandenkriege und Amokläufe ereignen sich dort am laufenden Bande, in manche Viertel trauen sich Polizisten nicht mehr. Jede Routinekontrolle ist für die Ordnungshüter lebensgefährlich. Ohne amerikanische Waffen wären auch die Kriege zwischen den Drogenkartellen in Mexiko kaum vorstellbar, so der Tenor. Wie kann man angesichts solcher Zustände für ein liberales Waffenrecht nach US-?Vorbild einstehen? Ist das idyllische Deutschland, in dem es allenfalls mal eine Messerstecherei gibt, da nicht besser beraten, seine scharfen Waffengesetze beizubehalten?

Das ist eine sehr umfangreiche Frage. Wir versuchen mal, die einzelnen Teile nach und nach zu beantworten.

Woher beziehen Sie die Information, dass es in der Bevölkerung einen breiten Konsens gibt, dass die liberale Waffengesetze in den USA Unsinn sind?
Wir haben während unserer Veranstaltungen festgestellt, dass die meisten Menschen dem Thema Waffen neutral gegenüber stehen. Das erkennt man auch bei den Online-Kommentaren und Leserbriefen bei den Mainstreammedien. Die normalen Leute sind immer völlig überrascht, wenn wir sie darüber aufklären, wie schwierig es in Deutschland ist, eine Waffe erwerben zu dürfen, und um wieviel schwieriger es wird, diesen Besitz auch zu erhalten. Nur weil bestimmte Medien und einige Parteien Waffen als "böse" deklarieren, bedeutet dies nicht, dass das Volk mehrheitlich der gleichen Meinung ist. In einer österreichischen Studie 2014, wo Parteien und Medien ähnlich ticken wie in Deutschland, haben 84% der Befragten angegeben, dass der persönliche Waffenbesitz die Sicherheit etwas bis sehr stark erhöht. Bei diesem Thema scheint es eine sehr hohe Diskrepanz zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung zu geben.

Was kennzeichnet ein liberales Waffengesetz aus? Das Recht Waffen zu besitzen, sofern man kein Gewaltverbrecher ist oder an einer psychischen Krankheit leidet, die eine Gefahr für die Öffentlichkeit darstellt. So ein Recht gibt es in Tschechien, der Schweiz und vielen US-Staaten. In anderen US-Staaten und US-Städten, wie z.B. Kalifornien, Chicago und New York, gibt es hingegen Waffengesetze, die restriktiver als die deutschen und englischen sind. Interessanterweise ist der Waffenmissbrauch und die Mordrate in den Gebieten am höchsten, wo die strengsten Waffengesetze gelten (Chicago, Washington DC, New York, Kalifornien). Zudem stellte sich heraus, dass in Chicago 90% der Gewaltverbrechen von nur 3% der Bevölkerung ausgeübt wird, welche miteinander sozial vernetzt sind. Darüber finden Sie in der deutschen Presse allerdings relativ selten Informationen. Auch wird nichts darüber berichtet, dass die Gewaltrate in Chicago drastisch gefallen ist, nachdem das Waffenrecht dort gelockert wurde.

Immer wieder liest man in der deutschen Presse von "30.000 Toten durch Schusswaffen" in den USA. Zu den 30.000 Schusswaffentoten zählen fast 20.000 Selbstmorde, bei denen das Tatmittel zweitrangig ist. Selbstmord wird nicht durch restriktive Waffengesetze verhindert. Hat der Selbstmörder keine Waffe, dann nimmt er einen Strick oder stürzt sich vor einen Zug. So ist die Selbstmordrate in den USA identisch mit der in England bei ca. 12 pro 100.000 Einwohner, obwohl in England seit 1996 alle halbautomatischen Waffen verboten sind, d.h. auch Pistolen und Revolver. Und in Japan ist die Selbstmordrate fast drei mal so hoch, obwohl Japan ein sehr restriktives Waffengesetz hat und Schusswaffen in der Gesellschaft alles andere als verbreitet sind.

Schaut man sich die FBI Statistik aus den USA richtig an, bleiben in einem Land mit geschätzten 300 Millionen Waffen und amtlichen 300 Millionen Einwohnern 8,855 Schusswaffenmorde, von denen 409 gerechtfertigt von der Polizei im Dienst verübt wurden und 258 gerechtfertigt von privaten Waffenbesitzern in Notwehr. Das heißt von den o.g. 30.000 Opfern bleiben 8188 Opfer Gewaltopfer übrig. Von diesen sind 900 Opfer in Bandenkriegen und 1300 Opfer von Gewaltverbrechen, bei 3400 Opfern ist das Motiv nicht bekannt. Bekannt ist jedoch, dass auch in den USA über 90% der Mörder eine lange kriminelle Historie mit Gewalt hinter sich haben. Mehr als 20% haben zum Tatzeitpunkt sogar eine “einstweilige Verfügung”, sich dem Opfer nicht zu nähern. Diese Menschen bekommen auch in den USA keine legalen Waffen, genauso wenig wie die Attentäter in Paris, Kopenhagen und Toulouse oder die Bandenkrieger in Marseille.

Die Aussage, dass sich in den USA "Amokläufe am laufenden Bande" ereignen und Europa wegen seiner strikten Waffenrechte besser da stünde, ist nicht korrekt. Vergleicht man die Einwohnerzahlen der USA mit denen der europäischen Staaten, so stünde Norwegen an der Spitze mit 2,0 Opfern pro Million Einwohner, gefolgt von Mazedonien (0,38), Serbien (0.28), Slowakei (0.2), Finnland (0,14), Belgien (0,14) und der Tschechischen Republik (0.13). Die USA liegt auf dem achten Platz (0.095), Österreich knapp dahinter (Daten von John R. Lott). In Europa, wie auch in den USA, suchen sich die Amokläufer vornehmlich "gun free zones" aus. Auch konnten viele Amokläufe in den USA an anderen Orten durch legale Waffenträger (zivile oder staatliche) verhindert bzw. in ihrer Opferzahl beschränkt werden.

No-Go-Areas gibt es nicht nur in Amerika, sondern auch in Deutschland. In vielen Straßen traut sich die Polizeistreife nur noch mit Mannschaftswagen herein. Rettungsdienste fahren zu dritt; der Dritte passt auf, dass das Einsatzfahrzeug nicht demoliert wird. Es werden sogar Fallen gestellt, d.h. angebliche Straftaten oder Unfälle werden angezeigt und die Einsatzkräfte treffen dann auf einen Pulk von Menschen, die sie angreifen. Wir haben rechtsfreie Räume, in denen nicht der Staat das Gewaltmonopol hat, sondern die Menge oder der selbsternannte Friedensrichter. Während die Polizei ausgedünnt wird, weniger Streife fährt und Polizeiwachen um 22 Uhr und über das Wochenende schließen, erhöht sich die Gewalt auf unseren Straße. Nicht nur in Amerika, sondern auch in Deutschland gründen sich immer mehr Bürgerwehren, die (unbewaffnet) Streife gehen oder fahren, Verdächtige melden und/oder verfolgen und Einbruchszahlen und Gewaltdelikte lokal minimieren. Die Gefahr für deutsche Einsatzkräfte ist ähnlich hoch wie die der US-Kollegen. Wenn sie auch selten auf Angreifer treffen, die mit Schusswaffen bewaffnet sind, so haben sie auf der anderen Seite auch kein Backup durch einen zivilen Waffenträger.

Nun zum Drogenkrieg in Mexiko. Es stimmt, dass von den konfiszierten Waffen mit Seriennummern der größte Teil aus den USA stammt. Verschwiegen wird jedoch, dass 70% der konfiszierten Waffen gar keine Seriennummer aufweisen und deren Herkunft im Dunklen liegt. Vermutet werden Kriegswaffenimporte aus China, Russland, Pakistan und Iran. Die Drogenkriege in den USA und Mexiko werden nicht geführt, weil es Waffen gibt, sondern weil Drogen verboten sind. Die Prohibition von Alkohol in den 20er Jahren in der USA führte zum Aufstieg der organisierten Kriminalität und zu auf der Straße ausgetragenem bewaffneten Kampf um Geschäftsanteile. Gleiches passiert in Mexiko und Los Angeles beim Drogenkrieg, gleiches passiert auch in Deutschland durch den Zigarettenkrieg der Vietnam-Mafia.  48 in Berlin getötete Vietnamesen stehen direkt im Zusammenhang mit diesen Bandenkriegen, darunter auch mit illegalen Schusswaffen Ermordete.

Es gibt keine amerikanischen Verhältnisse, sondern ein soziales Problem junger Männer in (zumeist urbanen) Problembezirken. Die Zentren der Kriminalität sind große Metropolen mit ihren sozialen Brennpunkten, egal ob sich diese in den USA (Chicago, Detroit, New York), Großbritannien (London, Manchester, Birmingham), den Niederlanden (Amsterdam), Deutschland (Berlin, Frankfurt, Hamburg) oder Belgien (Brüssel) befinden. Würde man die Mordraten in den großen Städten der USA ab 500.000 Einwohner nicht berücksichtigen, käme man auf ähnliche Gewaltraten wie in Europa, wenn auch nicht so niedrige wie in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Es ist für das Mordopfer egal, ob es durch Schusswaffen oder andere Werkzeuge getötet wird. In Großbritannien werden zwar weniger Menschen als in Deutschland erschossen, aber mehr Menschen getötet (absolut wie auch relativ). Auch ist die Gefahr einer tödlichen Verletzung höher, wenn "nur" Messer und keine Schusswaffen beteiligt sind. Bei Gewalttaten mit Messern kommt es bei der Hälfte der Verbrechen zu Verletzungen, davon einige tödlich. Bei Gewalttaten mit Schusswaffen, gibt es hingegen in 90% der Fälle keine Verletzungen; meist reicht die Drohung oder ein Warnschuss (durch Angreifer oder Verteidiger), um den Konflikt zu beenden. Großbritannien versucht wegen seiner vielen Messerstechereien nach den Schusswaffen auch Messer zu verbieten, statt die Ursachen der Gewalt zu erforschen und den Schutz der Opfer zu erhöhen. Und da ein Messerverbot die Gewalt nicht verhindern wird, was wird dann als nächstes verboten? Gibt es in England dann Ausgangssperren?

Was spricht dagegen, wenn bedrohte Menschen die Möglichkeit für "Home Defense" bekommen, oder auch andere Verteidigungsmittel mit sich tragen dürfen? Während Gewalttäter sich Waffen zur Gewaltausübung wünschen, werden Waffenbesitzer nicht gewalttätig. Sie nutzen - wie fast jeder Polizist - ihren Besitz rechtskonform und missbrauchen ihn nicht. Was für das ordinäre Küchenmesser gilt, gilt ebenso für Schusswaffen. Legale Waffen werden so gut wie nie für Gewaltverbrechen missbraucht. Ihr Anteil ist in der gesamten EU statistisch insignifikant. Auch werden in der EU zivile Waffen selten gestohlen und landen noch seltener in kriminellen Kreisen. Der Spruch, jede illegale Waffe war einmal eine legale, trifft auf die EU nicht zu. Der Schwarzmarkt wird durch Schmuggel, illegale Herstellung und Diebstahl (und sogar Verkauf) von staatlichen Waffen gefüllt, nicht durch gestohlene zivile Waffen.

Zur Situation in Deutschland. Wir leben, das zeigt uns die Polizeiliche Kriminalstatistik, in einem pazifistischem Land, wo Gewalt nicht an der Tagesordnung ist. Prof. Eisner, der 700 Jahre der europäischen Mordgeschichte studiert hat, kommt zu dem Schluss, dass bei sinkender tödlicher Gewalt (Mann gegen Mann), sich die weibliche Opferrate erhöht und dass Ehrbegriff und die kollektive Bindung an die Familie (Vendetta) wesentlichen Einfluss auf die Mordrate haben. Im brutalen Mittelalter waren nur 10% der Gewaltopfer weiblich, dies gilt aktuell auch für Demokratien mit höheren Mordraten wie z.B. Finnland, Serbien, Bulgarien und Chile. In "zivilisierten" Staaten hingegen liegt die weibliche Opferrate bei über 27%.

Wenn in Deutschland über 40% der Opfer weiblich sind, zeugt dies somit von einem hohen Pazifismus. Wenn es dem Staat nun wirklich darum ginge, dass "jeder Tote ein Toter zuviel" sei, wie es die Grünen gerne sagen, dann müsste er sich aktuell am stärksten um den Opferschutz der Frauen kümmern. Jede Woche werden fünf Frauen getötet, meist zu Hause, meist vom (Ex)-Partner oder Bekannten. Bei den reinen Partnerschaftstötungen morden Männer zu 96%, Frauen aber nur zu 4%. UN, WHO u.a. hatten sich letztes Jahr den Opferschutz für Frauen auf die Fahne geschrieben. Ihre Forderung war die Entwaffnung von Zivilisten. Wir hingegen haben die Ehrenmord-Studie des Max-Planck-Instituts über Ehrenmorde gelesen. Die Täter hatten keine Schwierigkeiten, sich kurzfristig illegal zu bewaffnen, wenn das ausgesuchte Opfer männlich war. Bei Frauen reichte die körperliche Überlegenheit und ein Messer. Es gibt nicht umsonst den Spruch "God made man, but Samuel Colt made them equal". Schusswaffen heben das körperliche Ungleichgewicht zwischen einem großen, starken Angreifer und einer kleinen, schmächtigen Frau, einem körperlich Behinderten oder einem älteren Menschen auf.

Von daher plädieren wir dafür, dass Menschen "Home Defense", also Selbstverteidigung zu Hause, mit legalen Waffen ausüben dürfen und zumindest bedrohte Menschen, im besten Fall auch alle Menschen, eine Waffentragelizenz erhalten. Natürlich würden - wir leben ja in Deutschland - hierfür besondere Auflagen erstellt werden, wie Sachkunde, Deeskalationskurs und Schießtraining. Die potentiellen Opfer wären aber nicht mehr auf den Goodwill der Behörden angewiesen, den es in Deutschland definitiv nicht mehr gibt, da alle Anträge abgelehnt werden und müssten nicht mehr wehrlos sterben. Und wenn wir in die USA schauen, dann können wir sehen, dass Menschen mit Waffentragelizenzen vernünftiger als die Polizei agieren, ihr Recht nicht für Selbstjustiz nutzen, Amokläufe stoppen und Leben retten und das oft, ohne den Angreifer überhaupt zu verletzen.

Zum Abschluss noch ein wichtiger Hinweis. Neben dem Risiko, sein Leben in Bandenkriegen oder innerfamiliären Konflitken zu verlieren, erhöht sich aktuell das Risiko, bei religiös motivierten Attentaten ums Leben zu kommen. Marie-Helen Maras, Professorin für Sicherheit am John Jay College of Criminal Justice, erklärte, es "gibt keinen Weg, jedes weiches Ziel zu schützen“. Mit weichen Zielen meinen Sicherheitskräfte uns Menschen, das Volk. Nach dem Anschlag auf ein Einkaufszentrum in Nairobi mit 67 Toten und 175 Verletzten stellte der damalige Generalsekretär von Interpol, Roland Noble, fest, dass wir nur zwei Optionen zur Auswahl hätten, um so genannte „soft targets“ vor Angriffen zu schützen: "Entweder muss rund um jeden Standort sichere Bedingungen geschaffen werden, oder wir ermöglichen Zivilisten einen erweiterten Zugang zu eigenen Schusswaffen, damit sie in die Lage versetzt werden, sich im Falle eines Terroranschlags selbst zu verteidigen". Unser ehemaliger Bundespräsident Horst Köhler sagte: Der Rechtsstaat muss darauf vertrauen können, dass sich seine Bürger an die Gesetze halten – ja dass sie mehr tun, als die Gesetze von ihnen verlangen. Und die Bürger müssen Vertrauen in die staatlichen Institutionen haben, dass gleiches Recht für alle gilt.

Unser Motto ist daher: Kontrolle ist gut, aber Vertrauen ist besser!

3. Was genau sind die Ziele der German Rifle Association?

Wir möchten für das Thema Waffenbesitz mehr Öffentlichkeit schaffen und vor allem falsche Annahmen richtig stellen. Man muss tiefer in die Materie eintauchen, um dies abseits von Diskussionen auf Stammtischniveau besprechen zu können. Dazu liefern wir hoffentlich die richtigen Denkanstöße. Langfristiges Ziel ist der liberale Umgang mit Waffen, ähnlich wie es zum Beispiel in der Schweiz der Fall ist. Das schließt den Erwerb und Besitz einer Waffe durch rechtstreue und sachkundige Bürger zum Selbstschutz mit ein.
Zudem sehen wir das Thema Waffen auch als Wirtschaftsfaktor. Die Outdoor-Branche hat vorgemacht, wie man aus einem Nischenthema eine Boom-Branche mit großen Umsätzen und vielen Beschäftigten macht. Diese Möglichkeit sehen wir auch bei unserem Thema, denn wenn mehr Bürger Waffen erwerben können, dann braucht es mehr Waffenausbilder, die Schulungen durchführen, dann braucht es mehr Schießstände, die irgendjemand bauen muss, mehr Händler, welche die steigende Nachfrage bedienen und so weiter. Das wird leider gerne vergessen, aber ein liberalisierter privater Waffenbesitz kann Arbeitsplätze schaffen und immense Steuereinnahmen erzeugen. Deswegen ist eines unserer Ziele auch, kommerzielle Strukturen vorzubereiten und zu testen.

4. Haben Sie Kontakt zu Politikern oder Parteien oder ist die "GRA" noch eine Lobby im Anfangsstadium?

Lobbyismus ist die gezielte und professionelle Beeinflussung politischer Entscheidungen. Lobbyisten sind diejenigen, die das im Auftrag machen, die also nicht ihre eigenen Interessen vertreten. Die GRA ist in diesem Sinne keine Lobby, sondern eine Bürgerbewegung, oder anders gesagt eine Interessengemeinschaft. Wir arbeiten - wie die Atomkraftgegner der 80er Jahre - ehrenamtlich für unsere eigenen Interessen, jedoch nicht professionell oder im Auftrag anderer. Da wir kein eingetragener Verein sind, können wir uns auch nicht für die Aufnahme ins Lobbyregister des Bundestags eintragen lassen und werden somit nicht zu Beratungen zum Waffenrecht eingeladen.

Auch wenn durch Namen und Logo der Vergleich mit der National Rifle Association of America naheliegt, so sind wir doch etwas anders. Obwohl wir den Vergleich natürlich schmeichelhaft finden.

Der Kontakt mit Politikern beschränkt sich zur Zeit auf Briefe schreiben, zum Beispiel dem Abfragen von Positionen bei der EU-Wahl und Kommentaren auf Twitter/Facebook. Gelegentlich erhalten wir von Landtags- und Kreistags-Politiker der CDU, FDP, AfD und PdV Fragen zum Waffenrecht, die wir kompetent beantworten. Auch helfen wir unseren Followern, wenn diese Kontakt zu ihren politischen Vertretern aufnehmen. Kommunalpolitiker lassen sich gerne zu Jubiläen von Schützenvereinen einladen und halten dort Reden. Durch unsere Öffentlichkeitsarbeit ist es im letzten Jahr gelungen, die Schönrednerei der Politiker bei solchen Anlässen zu kritisieren und die "richtigen" Fragen zu stellen, bei denen die Gäste zum Selberdenken angeregt werden: "Kontrolle ist gut - Vertrauen ist besser".

Die Fragen beantworteten Katja Triebel und Marc Schieferdecker.

Bildquelle: Facebook.com, German Rifle Association, lizensiert unter Creative Commons

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