Es war wohl der größte Bundesparteitag in der Nachkriegsgeschichte: Rund 3500 AfD-Mitglieder versammelten sich am vergangenen Wochenende in Essen, um den nun schon seit Monaten schwelenden Richtungsstreit endlich zu entscheiden.

Die AfD entscheidet sich gegen das Establishment

Um kurz nach 18 war dann klar: Die AfD entscheidet sich gegen ein Dasein als Teil des politischen Establishments und für eine klare Gegnerschaft zu den Altparteien und Frauke Petry ist die neue Parteivorsitzende. Auf Grund der Tatsache, dass zahlreiche Anhänger Luckes am zweiten Tag gar nicht mehr erschienen sind, ist auch der Rest des Bundesvorstands von Anhängern alternativer Politik dominiert.

Wird die AfD aus der EKR-Fraktion geworfen?

Nachdem bereits etwa 2,5 Prozent der Mitgliedschaft nach dem Parteitag ihren Austritt erklärt haben, bleibt fraglich, wie die AfD ihre Arbeit im Europaparlament fortsetzen wird. Lucke, Henkel, Trebesius, Kölmel und Starbatty wollen zwar alle das Parteibuch abgeben, aber in der Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer um die britischen Tories bleiben. Die beiden Abgeordneten Pretzell und Von Storch hingegen, die Frauke Petry unterstützen, haben bisher zwar Sympathien auch für andere EU-kritische Formationen im Europaparlament geäußert, aber Wechselgerüchte stets dementiert. Gut möglich erscheint nun, dass Lucke und Henkel ihre Beziehungen spielen lassen und einen Fraktionsausschluss erwirken könnten.

Die FPÖ gratuliert Frauke Petry zur Wahl

Von Storch und Pretzell stünden dann fraktionslos dar: Im Europaparlament eine unangenehme Situation. Doch bereits seit ihrer Gründung wird die AfD mit Wohlwollen als möglicher Kooperationspartner beäugt - und zwar von der rechtsdemokratischen FPÖ aus Österreich, die derzeit laut Umfragen dort mit 28 Prozent bequem stärkste Partei werden könnte. Deren Parteiobmann H.C. Strache gratulierte dann auch Frauke Petry auf seiner gut besuchten Facebook-Seite zu ihrer Wahl. Dies ist nicht die erste Gratulation aus Österreich: Auch beim unerwartet starken Abschneiden der AfD bei der Bundestagswahl übersandten die Österreicher Glückwünsche.

Eine sofortige Zusammenarbeit erscheint eher unwahrscheinlich

Die FPÖ ist seit zwei Wochen im Europaparlament in der neuen Fraktion "Europa der Nationen und der Freiheiten" organisiert. Hier würde man Von Storch und Pretzell mit Sicherheit mit Kusshand aufnehmen, doch auch der französische Front National ist dort tonangebend und dieser gilt in Deutschland oftmals noch als rechtsextrem. Ein Wechsel zu den Rechtspopulisten könnte den ohnehin medial transportierten Eindruck vom Schmuddelimage der Alternative für Deutschland noch verstärken. Wahrscheinlicher erscheint daher wohl ein Verbleib in der EKR - oder ein Wechsel zur von UKIP und der italienischen Fünf Sterne Bewegung dominierten "Europa der Freiheit und der direkten Demokratie"-Fraktion, die wohl allerdings nur dann eine Zukunft hat, wenn Großbritannien in der EU bleibt.

Bildquelle: Facebook.com/HCStrache, Screenshot
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