In Deutschland verstärkt sich in letzter Zeit die Diskussion um die angeblich zu hohe Anzahl von Asylbewerbern, Muslimen und die ungerechtfertigten Hilfspakete für die bösen Griechen. Die aufgeheizte Stimmung entlädt sich dabei zunehmend in einer steigenden Intoleranz gegenüber Ausländern. Insbesondere Muslime und Asylbewerber sehen sich dabei verstärkt Vorurteilen ausgesetzt, wie die #PEGIDA Demonstrationen oder die jüngsten Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte in Sachsen und Sachsen-Anhalt zeigen.

 

Die Zahl der Asylbewerber in Deutschland steigt

 

Insgesamt haben bis zum Juni dieses Jahres bereits 179.037 Menschen aus dem Ausland in Deutschland einen Asylantrag gestellt. Bei Anbetracht dieser Zahlen ist es mehr als wahrscheinlich, dass der Rekord von 202.834 Asylanträgen aus dem Jahr 2014 in diesem Jahr noch übertroffen wird. Die scheinbare Flut an hilfesuchenden Menschen in unserem Lande sorgt zunehmend für Ängste in der deutschen Bevölkerung.

In letzter Zeit häufen sich die Proteste und Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte. Insbesondere im Osten des Landes scheint die Fremdenfeindlichkeit in letzter Zeit wieder zuzunehmen. Unter Anbetracht der Zuzüge aus dem Osten in den Westen der Republik relativiert sich diese Zahl jedoch sehr stark. Im Durchschnitt von Fort- und Zuzügen verließen seit der deutschen Einheit bis zum Jahr 2009 jedes Jahr 45.000 Männer und 51.500 Frauen den Osten Deutschlands. Dies ergibt in dem herangezogenen Zeitraum einen Zuwachs in Westdeutschland von rund 2 Millionen Menschen aus dem Osten, womit unsere Landsleute aus der ehemaligen DDR de facto die größte "ausländische Bevölkerungsgruppe" darstellen. Dabei sollten wir uns immer vor Augen führen, dass kaum ein Mensch freiwillig seine Heimat verlässt. Dies gilt sowohl für Menschen aus dem Osten, als auch für die nun von Kriegen gebeutelten Asylbewerber.

 

Ostendeutschland nimmt im Verhältnis weniger Asylbewerber auf als der Westen

 

Die überproportional erscheinende Zahl an Fremdenhass im Osten ruft bei genauerer Betrachtung der Verteilung der Neuankömmlinge jedoch Kopfschütteln hervor. Ein Blick auf den Verteilungsschlüssel der Asylbewerber des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge im Jahr 2015 zeigt, dass auf die fünf Bundesländer Brandenburg (3,08%), Mecklenburg-Vorpommern (2,04%), Thüringen (2,74%), Sachsen (5,1%) und Sachsen-Anhalt (2,85%) lediglich 15,8% aller Einwanderer entfallen. Zum Vergleich: allein Bayern wird in diesem Jahr 15,33% aller Asylbewerber aufnehmen und Nordrhein-Westfalen sogar mehr als 21%. Fremdenfeindliche Übergriffe kommen hier relativ gesehen deutlich seltener vor.

 

Insgesamt 202 Übergriffe auf Flüchtlingsheime in Deutschland in diesem Jahr

 

Die steigende Tendenz zur Fremdenfeindlichkeit wird mit einem Blick auf die Anzahl von Übergriffen auf Flüchtlingsunterkünfte bestätigt. In diesem Jahr steuert Deutschland dabei auf einen traurigen Rekord zu. Insgesamt wurden in den ersten sechs Monaten bereits 202 Übergriffe verzeichnet, womit die Zahl aus dem Jahr 2014 nahezu eingestellt wurde. In den zwölf Monaten des Vorjahres kam es insgesamt zu 203 Übergriffen. Der Osten ist bei diesen Übergriffen proportional deutlich überrepräsentiert.

 

Der Islam gehört zu Deutschland

 

Doch nicht nur der Hass gegenüber Asylbewerbern steigt, auch muslimische Mitbürger sehen sich in den letzten Monaten vermehrt Hasstiraden und Vorurteilen ausgesetzt. Die weitverbreitete Meinung, insbesondere im Osten Deutschlands, lautet, dass der #Islam nicht zu Deutschland gehöre.

Zunehmend wird von einer Islamisierung des Abendlandes gesprochen. Was angesichts von nur vier Millionen Muslimen in Deutschland völlig übertrieben ist. Dies entspricht nämlich gerade einmal 5% der Gesamtbevölkerung. Hinzu kommt, dass der Großteil der in Deutschland lebenden Muslime aus der Türkei kommt und sich bereits in der dritten Generation in unserem Land befindet. Dabei sollte man auch nicht vergessen, dass es insbesondere die türkischen Einwanderer waren, gemeinsam mit Italienern und Jugoslawen, die maßgeblich bei dem Wiederaufbau unseres Landes mitgewirkt haben, zu dem deutschen Wirtschaftswunder beitrugen und Deutschland zu dem gemacht haben, was es heute ist. Somit gehört der Islam genauso zu Deutschland, wie unsere Landsleute aus der ehemaligen DDR.

 

Deutschland ist der größte Profiteur der Eurokrise und des Grexit

 

Neben den Asylbewerbern und Muslimen bereiten in den letzten Wochen insbesondere die bösen Griechen weiten Teilen der deutschen Bevölkerung Magenschmerzen. Schließlich könne es ja nicht angehen, dass der deutsche Steuerzahler, wie kürzlich vom Bundesfinanzministerium bestätigt, bei einer Zahlungsunfähigkeit Griechenlands mit bis zu 50 Milliarden Euro haften könnte.

Was dabei jedoch gerne vergessen wird, ist, dass Deutschland der größte Profiteur der Eurokrise ist. Allein im April verdiente Deutschland laut dem von der Europäischen Zentralbank veröffentlichten Target2 Report rund 530 Millionen Euro an der Krise. Aus einer kürzlich veröffentlichten Antwort des Finanzministeriums auf eine Anfrage der Linke-Fraktion, wurde zudem ersichtlich, dass Deutschland in den Jahren 2010 bis 2014 insgesamt 360 Millionen Euro an Zinseinnahmen aus Griechenland erhalten hat.

 

Die deutsche Einheit kostete Deutschland bisher 2 Billionen Euro

 

Die Ängste bezüglich Griechenlands und der Asylbewerber sind bei vielen Menschen ökonomischer Natur. Diese sind jedoch gerade im Osten alles andere als angebracht. Wie der Professor Klaus Schroeder von der Freien Universität Berlin im letzten Jahr herausgefunden hat, war der größte Kostenfaktor in der Geschichte der Bundesrepublik nämlich die Wiedervereinigung selbst. Werden sämtliche Transferleistungen herangezogen die seit der Wiedervereinigung in die ehemalige DDR geflossen sind, ergeben sich bis zum Jahr 2014 Netto-Gesamtkosten in Höhe von rund zwei Billionen Euro. Hier wurden die im Osten gezahlten Steuern und Sozialabgaben bereits abgezogen. Dagegen erscheinen die Kosten für Griechenland und Asylbewerber wahrlich wie Peanuts.

Ein wenig Demut und ein bisschen mehr Weltoffenheit würden uns Deutschen daher manchmal ganz gut zu Gesicht stehen.

 

Bild:Flickr unter CC-BY 2.0 von Andreas Krüger 

  #Rassismus