Ein toter Soldat bei Gefechten an der syrischen Grenze und 32 Tote bei einem Selbstmordanschlag im Süden des Landes - das ist die traurige Bilanz, die die Türkei diese Woche ziehen musste. Am Freitag reagierte diese mit einer militärischen Intervention. Vom Militärstützpunkt Diyarbaki aus wurden Luftangriffe gegen zwei IS-Stellungen in Syrien nahe der Grenze geflogen. Berichten der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge wurden mindestens neun IS-Kämpfer getötet und etliche verletzt. Auch die PKK geriet im Rahmen der Militäroffensive offenbar unter Beschuss. Synchron wurden in der gesamten Türkei Polizei-Razzien durchgeführt und mehr als 250 der Mitgliedschaft zum IS oder aufständischer kurdischer Gruppen verdächtigte Personen verhaftet.

Telefonkonferenz zwischen den Präsidenten der Türkei und der USA

Der Operation ging eine Telefonkonferenz zwischen Präsident Recep Tayyip Erdogan und U.S. Präsident Barak Obama am Mittwoch sowie eine Krisensitzung am Donnerstag voraus. Doch die Koalition zwischen der Türkei und den USA reicht weiter: Im Kampf gegen den IS darf die westliche Großmacht nunmehr den Luftwaffenstützpunkt Incirlik im Süden der Türkei als Basis für Kampfjets nutzen. US-Drohnen waren dort bereits zuvor stationiert. Dies ermöglicht den USA nicht nur einen neuen Zugang zu Syrien, sondern auch den Einsatz von Kampfhubschraubern in der Grenzregion.Präsident Erdogan kündigte für die Zukunft ein aktives Vorgehen gegen den IS und andere kämpferische Gruppen - nicht nur außerhalb sondern insbesondere auch innerhalb der Türkei - an. Die Türkei beruft sich hierbei auf ihr Recht zur Selbstverteidigung nach Art 51 der UN-Charta.

Die Nato unterstützt den türkischen Präsidenten Erdogan

Rückendeckung dürfte Präsident Erdogan hierbei von den NATO-Mächten bekommen. Diese forderten schon lange, dass die Türkei ihre Grenze zu Syrien absichert und den Zustrom von Jihadisten in vom IS kontrollierte Gebiete unterbricht. Die Türkei hatte militärische Schritte bisher in der Hoffnung abgelehnt, dass der IS das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad schwächen würde. Da sich die Angriffe des IS jedoch vorwiegend auf Rebellengruppen beschränkten, dürfte sich diese Hoffnung weitgehend verloren haben.

Auch innerstaatlich kam die türkische Führung unter Zugzwang nachdem es insbesondere in Istanbul und Ankara in letzter Zeit vermehrt zu Protesten und Ausschreitungen wegen der zurückhaltenden Einstellung der Türkei im Kampf gegen den IS kam. Viele Kurden warfen der Regierung vor, den IS sogar heimlich zu unterstützen mit der Intention die Kurden zu schwächen.Kritiker sehen die eigentliche Sorge Erdogans in der Ermutigung der kurdischen Minderheit zum Zeigen von Stärke, nachdem syrische Kurden gegen den IS Erfolge erzielen konnten. Es drängt sich insbesondere die Frage auf, warum mehr als 250 Menschen von der Türkei der Zugehörigkeit zu einer terroristischen Organisation verdächtigt wurden, deren Aufenthaltsorte offenbar bekannt waren aber nicht schon früher etwas unternommen wurde. Handelt es sich hierbei wirklich ausschließlich um die Prävention terroristischer Akte oder mitunter um ein gezieltes Vorgehen gegen Oppositionelle?Jedenfalls stellt der Kampf gegen den IS und andere Terrororganisationen ein wirksames politisches Argument zum Vorgehen gegen sämtliche "Separatisten" innerhalb der Türkei dar.

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