"Ich habe Angst, ja." So hört man ganz zum Anfang des Vidoes eine Frau rufen. Danach kommen die Böller. Sie sollen Ausländer vertreiben. "Bleib' stehen, du Schlampe", schreit ein anderer. Es sind Aufnahmen wie aus einem Kriegsgebiet. Aufnahmen von vor wenigen Tagen aus dem sächsischen Heidenau. In dem rund 16.000 Einwohner-Städtchen ist seit drei Tagen nichts mehr wie es war. Man beschimpfte Polizisten: "Komm her du Bulle!" Und immer wieder dieses "Ausländer raus!" Die Aufnahmen erinnern an den Tag genau von vor 23 Jahren. Denn am 22. August 1992 ereignete sich schon einmal eine fast identische Tat: Die Schande von Rostock-Lichtenhagen, wo unter dem Mob ein Ausländerwohnheim in Brand gesteckt wurde.

Gänsehaut beim Anschauen des Films

Ein User hat am vergangenen Sonntag das Video zunächst auf YouTube hochgeladen. Dieses wurde dann kurze Zeit später aber wieder gelöscht. Offenbar stammte das Video von den Gewalttätern vor Ort. Der SPD-Abgeordnete Henning Homann hatte den Film zuvor jedoch auf der YouTube-Plattform sichern können. Der 34-jährige Abgeordnete zögerte nicht lange und machte das beschämende Video der Öffentlichkeit zugänglich. Mit diesen Aufnahmen erstattete er auch Strafanzeige. Er kommentiert den Film mit: "Das hat mir eine Gänsehaut über den Rücken gejagt." Kein Wunder, spricht man in dem Film immer wieder vom nationalen Widerstand.

Grölender Nazimob zieht durch Heidenau

Im Film zu sehen ist, wie Straßensperrungen zerstört und mit Steinen geworfen wurde. "Mach die Keile ab, scheiss auf die", sagt ein Mann zu einem anderen, als die Polizei ihn verfolgt. Plötzlich schlägt der Mann auf den Polizisten ein, Feuerwerkskörper treffen ihn. Der Beamte flieht eine Treppe hoch, der Mann hinterher. Der Film belegt: Es sind nicht Ausländer, die Feuerwerkskörper auf vorrangig deutsche Polizisten zünden, sondern dumme deutsche Gewalttäter. Es sind keine Flüchtlinge, die Steine werfen, sondern ein kleiner Haufen dummer Deutscher. Immer wieder grölen sie: "Deutschland den Deutschen, Ausländer raus!" Sie zeigen der Welt in diesem Film die hässliche Seite von Deutschland im Jahr 2015.

Heidenauer drehen einen Imagefilm gegen Hass

Seit der Randale vom vergangenen Wochenende 22./23. August ist nichts mehr in Heidenau wie es mal war. Der Ruf des Ortes ist ramponiert. Man versucht nun mit einem Imagesong "Mein Heidenau" zu zeigen, dass die Stadt offen ist. Der Refrain geht so: "Na komm, tritt ein, du bist willkommen, setz dich zu uns...! Angesichts der nachfolgenden Videoaufnahmen wirkt die Kampagne eher wie ungewollte Realsatire. Zumindest aber sind die meisten Menschen in Heidenau bemüht sich gegen den rechten Mob zu wehren. Und viele Heidenauer sind gegenüber Fremden nicht feindlich gesinnt. Auch dass muss unmissverständlich gesagt werden.

Hinweis: Das folgende Video wurde von der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag freigegeben und soll in der Nacht am 22. August 2015 von rechten Gewalttätern aufgenommen worden sein:

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Die Schande von Rostock Lichtenhagen im Film #Rassismus