Reporter wie Attila Poth (Bild 2 in unserer Galerie) sind in diesen Tagen wichtig. Denn der Serbe, der seit 1994 in Budapest lebt, erzählt wie kaum ein anderer Journalist das Schicksal der Flüchtlinge so eindruckvoll. Er ist an den Bahnhöfen von Budapest, hilft Verwundeten auf Krücken, in dem er ihre Geschichte laut erzählt. Seine Bilder, wie der Hungerstreik mit kleinen Kindern am Bahnhof oder von einem Familienvater mit einem Kranz in der Hand, geben ohne Worte zu verstehen, wie schlimm die Lage vor Ort sein muss und welche Hoffnungen die Menschen in sich tragen. Durch Poth bekommt das Drama ein Bild.

Viele Flüchtlinge befinden sich im Hungerstreik

Die Szenen am Budapester Bahnhof sind schrecklich: Unzählige Migranten versuchen immer wieder auf die Züge gen Westen zu gelangen. Zuvor haben sie tagelang am Bahnhof Keleti (in Budapest) ausgeharrt, weil man den Flüchtlingen immer wieder die Ausreise verweigerte. Inzwischen sind die Menschen im Hungerstreik. Sie haben Angst ihr Ziel nicht mehr zu erreichen - die österreichische Grenze. 

Flucht fast schlimmer als der Krieg in der Heimat

Was sind das für Menschen? Attila Poth hatte sie schon vor Tagen kennengelernt. Die Flüchtlinge waren völlig übermüdet an der ungarischen Grenze angekommen, harrten vor Stacheldraht in der prallen Sonne bei über 40 Grad aus. Denn Ungarn wolle mit Stracheldraht seine und die Grenzen Europas vor den Menschen verteidigen. Dann wurden die Flüchtlinge in alte Busse ohne Klimaanlage verfrachtet. "Frauen und Kinder zuerst", schrien die Polizisten die Menschen an. "Wenn ich geahnt hätte, dass es so schlimm wird, hätte ich niemals meine Heimat verlassen", so ein Flüchtling zu Poth. Die Menschen sind auch keine Wirtschaftsflüchtlinge, sondern Verzweifelte.

Flüchtlinge auf der Autobahn soll geholfen werden

Inzwischen teilte der österreichische Kanzler Werner Faymann in der vergangenen Nacht mit, dass man sich mit Ungarn geeinigt habe, die Flüchtlinge nach Österreich und Deutschland weiterreisen zu lassen. Hintergrund ist der, dass seit gestern eine Blockade auf der Autobahn M1 in Ungarn bestehe, wo die Flüchtlinge nach einem Ausbruch aus einem Aufnahmelager umherirren und nun in Richtung Grenze laufen.

In Ungarn spitzt sich die Lage zu, Bericht mit Stand 4. und 5. September 2015:

Fotorechte: © Bayerischer Rundfunk/Attila Poth; Textquellen: Studio Wien, ARD und Attila Poth, BR

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