Nachgedacht: Der Kommentar

Pfefferspray, Wasserwerfer, schreiende Kinder und Säuglinge, verzweifelte Mütter und Väter. Sie alle wollen nur weg, weg von #Krieg, Folter und Zerstörung. Welche Verzweiflung sich derzeit an Europas Grenzen abspielt, ist kaum mehr mit Worten zu beschreiben und stellt nicht nur Europa vor die größte Herausforderung in der jüngeren Geschichte. Es geht hier um die Bewältigung eines der größten Flüchtlingsdramen, die Europa je gesehen hat.

Die Suche nach einem sicheren Hort

Der Weg ins rettende und sichere Europa wird für tausende Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien und dem Nahen Osten von Tag zu Tag schwerer. Denn das Europa dieser Tage ist in der Flüchtlingsfrage alles, nur sich nicht einig. Stacheldrahtverhaue und Zäune dominieren mittlerweile Teile der europäischen Grenzen. Insbesondere aber die innereuropäische Grenzen von Ungarn, unter der gestrengen Führung des Ministerpräsidenten Victor Orbán. Ungeachtet aller Proteste vieler westlicher EU Politiker, lässt Orbán rund um Ungarn massiv Nato-Draht und Zäune errichten, auch wenn jetzt diese zum Nachbarland Slowenien wieder abgebaut werden.

 

Der Begriff "Eiserner Vorhang" muss neu deffiniert werden

 

Es sind aber eben solche Gesten, wie die des ungarischen Ministerpräsidenten Victor Orbán, der den Rechtspopulisten in Europa in die Hände spielen und eine neue Mauer, einen neuen eisernen Vorhang in den Köpfen der Menschen in Europa errichtet. So argumentierte kürzlich der Fraktionsvorsitzende der konservativen Europäischen Volkspartei, Manfred Weber, gegenüber der "Passauer neuen Presse".

 

"...Wir müssen die EU-Außengrenzen viel besser sichern. Geschehe dies nicht, "muss Europa das Kommando übernehmen und durchgreifen[...]".

 

Vergessen geglaubte Ressentiments gegenüber seine europäischen Nachbarn brechen wieder auf und vergiften den Geist des "Schengener Abkommens". Nicht nur die Populisten aus dem Osten, sondern auch deutsche Politiker, besonders die, die sich christlich rühmen, zeichnen sich eben nicht wirklich durch eine christliche Nächstenliebe aus. Denn sie setzen genau so wie Orbán auf Abschottung. Die Forderung, dass Europa das Kommando übernehmen und hart durchgreifen muss, lässt einem demokratisch denkenden Europäer das Blut in den Adern gefrieren. Erst recht, wenn man weiß, wie "demokratisch" die #Europäische Union in Wirklichkeit ist.

 

 

Europa am Scheideweg

 

Dass die Flüchtlingswelle aus Syrien eine leichte Aufgabe für Europa werden wird, kann niemand ernsthaft glauben. Doch gemeinsam kann und wird man diese Aufgabe auch lösen können. Was die Bürger vielerorts den Politikern vormachen, nämlich christliche Nächstenliebe zu praktizieren und sich solidarisch mit den Kriegsflüchtlingen zu zeigen und zu helfen, wo es nur geht. Das sollte Ansporn für Europas Politiker sein, Europa mit all seinen Menschen zu einem Vorbild des Friedens und Wohlstandes für alle zu machen. Alles andere würde erneut eine moralische sowie politische Teilung Europas mit sich bringen oder im schlimmsten Fall Europa ins Chaos stürzen. Wie war das denn noch gleich mit dem Friedensnobelpreis für Europa?

In diesem Sinne.

DS

Foto: Deutscher Bundestag / Achim Melde #Flüchtlinge