Sie haben Post - und zwar eine Mahnung. Maria A. (Name geändert) ist stinksauer auf ihre Partei. "Die spinnen wohl bei der CDU." Ein Brief forderte sie umgehend auf, den Mehrbetrag nachzuzahlen. Ihr Kreisvorstand hat 2015 beschlossen, den Mitgliedsbeitrag pro Mitglied und Monat zu erhöhen! Parteifreundin Maria A. kann sich das nicht leisten. Denn die 25-Jährige gehört zu den Geringverdienern, bekommt noch Leistungen vom Amt, weil ihr Einkommen nicht ausreicht.

Abzocke bei den Armen

Parteien wie die CDU finanzieren ihre politische Arbeit zu einem großen Teil aus Beiträgen von Mitgliedern. Davon werden Veranstaltungen, aber auch Wahlkämpfe gezahlt. Dabei richtet sich die Höhe der Beiträge nach dem Einkommen. Wer sehr wenig hat, soll nur 5 Euro zahlen. Doch Marias Kreisverband, der Landkreis Barnim (Land Brandenburg), will sofort 6,50 Euro pro Monat. Er verlangt damit mehr, als die Partei eigentlich für Arbeitslose oder Aufstocker offiziell berechnet. Gemein: Beiträge der Besserverdienenden bleiben stabil!

Mitglieder wurde Erhöhung nicht begründet

Bei der Politikverdrossenheit kann sich eine Partei ohnehin glücklich schätzen, wenn es noch Mitglieder gewinnt. Nun könnte man brav zahlen oder einfach austreten. Aber Maria A. ist in die Partei gegangen, um etwas zu verändern. Und wenn schon die eigene Partei die Notlage von Menschen mit Füßen tritt, dann muss diese erst recht von innen aufgemischt werden. A. findet den Beschluss des Kreisvorsitzenden Uwe Liebehenschel und seinem Stellvertreter Frank Goral inakzeptabel. "Wenn mir meine Partei einen Kostenbeschluss vorsetzt ohne mir diesen transparent zu erklären, dann läuft in der CDU etwas schief."

Grillpartys, aber wenig politische Veranstaltungen

A. schrieb einen unverschämten Brief über ihren Unmut zurück. Die Mitglieder aus sozial schwachen Familien hinterfragen laut, wofür der Beitrag denn erhöht wurde. "Für politsche Arbeit mutmaßlich nicht." A. wurde zu Grillpartys, Kaffeerunden und unzähligen Stammtischen eingeladen. Aber nur zu einem wichtigen Thema. "Sorry, aber da reichen meine 5,37 Euro monatlich aus." Und dieser Beitrag war schon 37 Cent teurer, als die CDU eigentlich verspricht. A. engagiert sich noch für andere Vereine und kann der regierenden Partei einfach nicht mehr geben. "Für Mitglieder mit geringen Einkommen gilt die 5 Euro Grenze. Und mein Verband will 6,50 Euro haben. Frechheit!"

Gegenschlag der CDU-Mitglieder: Beitragskürzung

Maria will aber nicht alles schlecht reden. Der Kreisvorsitzende Uwe Liebehenschel fährt mit Unternehmern Fahrrad - für gute Zwecke. "Ich fahre auch mit dem Fahrrad, um 1,50 Euro für die Station mit der Bahn zu sparen. Aber das Ersparte will jetzt meine CDU." A. will deshalb nicht kapitulieren. Den Mitgliedsbeitrag reduziert sie fortan auf 5,00 Euro, wie es #Angela Merkel auf der Homepage veröffentlichen ließ. 

Fotorechte: CDU / Laurence Chaperon, Sina Buchholz

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