Nach den Anschlägen in Paris verkündete die Hackergruppe Anonymous den "Cyberkrieg" gegen den Islamischen Staat #ISIS. Erste Erfolge stellen sich scheinbar schnell ein - Twitter Accounts der Terrorgruppierung wurden identifiziert, Bitcoin-Konten lahmgelegt und Webseiten gelöscht. Doch wie effektiv sind diese Schritte, und schadet Anonymous mit diesem Vorgehen sogar der Bekämpfung des IS ?

Die Kriegserklärung von Anonymous

Kriegerisch lautete zumindest die offizielle Ankündigung der Hackergruppe, die zuvor via eigenem Twitter-Account den großangelegten Cyberkrieg erklärte.

"Anonymous wird Sie auf der ganzen Welt jagen. Wir werden die größte Operation starten, die wir jemals unternommen haben. Erwarten Sie viele, viele Cyberattacken", wird die Gruppe in der französischen Zeitung "Le Parisien" zitiert.

Auch veröffentlichten die Hacker selbstbewusst, ebenfalls über einen der Gruppierung zuzuordnenden Twitter-Account:

"Make no mistake: #Anonymous is at war with #Daesh. We won't stop opposing #Islamic State. We're also better hackers. #OPIsis"

Zur Erklärung des Begriffs "Daesh" : "ISIS", "IS" oder "#Islamischer Staat" ist eine vorwiegend europäische Bezeichnung der Terrorvereinigung. Im arabischen Sprachraum werden diese "Daesh" genannt. Daesh (ausgesprochen Da-esch) – das steht im arabischen Sprachraum für " Al-Daula al-Islamija fil-Irak wal-Scham", was übersetzt bedeutet: "Der Islamische Staat im Irak und der Levante." Der Levante ist hierbei ein historischer Begriff, der den Libanon, Israel, Palästina und Jordanien umfasst. Der islamische Staat selbst lehnt diese Bezeichung für sich selbst indes ab, ähnelt das Wort Daesh doch sehr dem Begriff "Daeshi" - Glaubenseiferern, die der Gesellschaft schaden und anderen Gruppierungen gewaltsam ihre Meinung aufzwingen. 

Die in letzter Zeit häufig zu beobachtende Nennung des Begriffs Daesh wird also aktiv genutzt, einfach nur weil bekannt ist, dass der Islamische Staat sich hierüber ärgert. Kinderspiele der Mächtigen.

Anonymous identifiziert und löscht 20.000 Twitter Accounts von...wem eigentlich?

Indes verkündete Anonymous, über 20.000 Twitter Accounts von Daesh-Mitgliedern identifiziert und gelöscht zu haben - das ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Gemäß des US-Tech-Blogs "Ars Technica" haben die meisten identifizierten Accounts nicht mit Terroristen zu tun. Anonymous hatte eine Liste der Accounts über das Portal "Pastebin" veröffentlicht - das Problem ? Tausende der Accounts waren nicht aktiv, rund 4000 Accounts befassen sich zwar mit dem Islamischen Staat, haben mit diesem aber nichts zu tun. Andere Accounts waren schlicht "Trollaccounts", mit denen mutige Spaßvögel die Seiten des IS spammten.

Dies ist natürlich auch Twitter bekannt, die daraufhin äußerten, die Listen von Anonymous nicht zu bearbeiten, da diese "schlicht völlig inakkurat" seien.

Anonymous' Cyberkrieg könnte die Lage verschlimmern

Ganz abgesehen davon, dass es aus vielerlei Gründen problematisch ist, wenn sich eine private Vereinigung in einen politischen, globalen Konflikt einmischt, haben einige der Aktionen wie z.Bsp. das Sperren oder Löschen von Internetseiten des Daesh, über die Foren und Portale genutzt werden, auch erhebliche Nachteile, worauf schon die Hackervereinigung "Ghost Security Group" (Ghostsec) hinwies: "Sie zerstören Foren mit für Geheimdienste relevanten Informationen. Wir wollen, dass die Foren online bleiben, so dass wir sehen, was sie sagen"

Die öffentlichen Stellen von Polizei und Geheimdiensten unterliegen daher der Angst, dass Anschlagspläne nicht mehr frühzeitig aufgedeckt werden können, da die ISIS-Mitglieder nun auf andere Kommunikationskanäle ausweichen, wie zB das Playstation Netzwerk (PSN) oder Instant Messenger wie Telegram.

Kritisch betrachtet auch Ronald Schulze, IT-Experte beim Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK), die Bemühungen von Anonymous"Die informationstechnischen Strukturen von Anonymus, aber leider auch vom IS, sind derzeit nicht aufgeklärt".

Bild: flickr.com / Patrick Marioné ["anonymous"] #Krieg