Hier geht es zum ersten Teil des Interviews und zum besagten Dokument. E-Zigarette Interview: Beweist geleaktes Dokument,dass die Dampfe zerschlagen werden soll?

  • DS: Herr Professor, sind denn alle in diesem Dokument aufgeführten Stoffe tatsächlich so gesundheitsgefährdend wie dargestellt? 

  • Fisher: So pauschal kann man das nicht beantworten. Eine kurzfristige Exposition halte ich persönlich für nicht schädlich, denn wenn ein Körper das nicht verkraften könnte, würden täglich viele Tote in den Küchen unserer Welt liegen, da es täglich dazu kommt, dass bei der Zubereitung von Mahlzeiten die Garzeiten massiv überschritten werden. Natürlich kommt niemand auf die Idee, den Menschen das Kochen und Braten zu verbieten. Was man allerdings tun müsste, sofern der Maßstab aus diesem Dokument zugrunde gelegt werden würde.

  • DS: Können Sie uns das bitte etwas näher erläutern?
  • Fisher: Selbstverständlich. Sehen Sie, einige der aufgeführten Stoffe sind gesundheitsgefährdend und haben in Liquids und in Lebensmitteln nichts zu suchen. Zum Beispiel die CMR-Stoffe der Kategorie 1A, 1B oder 2 sind zurecht in der angeführten Liste vertreten.

    Es wird weiterhin namentlich Weizenkeimöl angeführt und da wird es kompliziert. Weizenkeimöl gehört in die Gruppe der Lipide (Fette und Öle vielfältiger Art gehören in diese Stoffgruppe), dieses genannte Öl ist oral genossen natürlich nicht gesundheitsschädlich, darf aber nicht in die Lunge gelangen da Lipide, die sogenannte "Lipidpneumonie" auslösen können. Somit gehören alle Lipide nicht in E-Liquids oder andere zum Inhalieren gedachte Stoffgemische.

    Eine weitverbreitete Unsitte ist, das man Lipide "fette Öle " und "etherische Öle" in einen Topf wirft. Dabei sind das völlig verschiedene Stoffklassen, das hat historische Gründe und die Namensähnlichkeit stiftet immer wieder große Unsicherheit.

    In der Industrie werden diese Stoffgruppen auch für Lebensmittel oft gemischt, dabei dienen die "fetten Öle" als Träger für die etherischen Öle damit sie nicht verfliegen, sie werden zudem stabilisiert und die Dosierung wird erleichtert, beispielsweise viele der handelsüblichen Backaromen. Sobald "fette Öle" als Zutaten im Spiel sind, sind die Endprodukte nicht zur Inhalation geeignet.  Es gibt auch etherische Öle, die nicht inhalationssicher sind, doch die werden als Zutat soweit mir bekannt ist, in keinem Liquid verwendet. Die Liste enthält ja nicht nur Aromen, sondern auch chemische Einzelstoffe, diese nun im Einzelnen zu erörtern, würde den zeitlichen Rahmen hier sprengen.

    Pauschale Formulierungen wie diese: "... Vitamine und sonstige Zusatzstoffe, die den Eindruck erwecken, dass der Konsum einer elektronischen Zigarette oder eines Nachfüllbehälters einen gesundheitlichen Nutzen hat oder geringere Gesundheitsrisiken birgt ....", sind eine Generalvollmacht um die heutige Aromenvielfalt bei strengster Auslegung praktisch auf 0 zu reduzieren. Ich sehe die Gefahr, dass durch die Reduktion nur die unattraktiven Einheitsgeräte der Tabakkonzerne am Markt verbleiben.

  • DS: Das war ja sehr ausführlich, danke dafür. Also geht es hier nur um die Interessen gewisser Kreise in der Wirtschaft, der Gesundheitsindustrie und der Politik, Stichwort Tabaksteuer?
  • Fisher: Das haben Sie gesagt, doch dem möchte ich nicht wirklich widersprechen. Zumindest sieht alles danach aus, denn es geht hier offensichtlich nicht um die #Gesundheit der Anwender, sondern um geschicktes taktieren der Lobbyisten aus der Tabakindustrie, Hand in Hand mit den Pharmakonzernen, die mit den sogenannten NRT Produkten bisher gut verdienen.

Im dritten Teil des Interviews kommen wir zum Ende und zum Resümee. (Erscheinungsdatum am Freitag den 17.11.15)

Leseprobe: 

DS: Herr Professor Fisher, können sie unseren Lesern vielleicht an kurzen Beispielen verdeutlichen, was genau das Gefährliche an diesem Dokument für die Dampfer ist und was dies letztendlich für das Dampfen bedeuten kann?

Fisher: das Gefährliche ist, das man durch ...