An der syrischen Grenze wurde am gestrigen Vormittag ein Kampfjet des russischen Militärs abgeschossen. Gemäß Angaben aus dem türkischen Präsidialamt wurde die Maschine nach zahlreichen Warnungen über die Verletzung türkischen Luftraums gemäß der Vorgaben abgeschossen. Die Zeitung Daily Sabah berichte, der türkische Premierminister Ahmet Davutoglu selbst habe den Befehl zum Abschuss erteilt. Russische Sprecher indes sagen aus, die Maschine habe den syrischen Luftraum nicht verlassen und sei vom Boden aus abgeschossen worden. 

Sprecher des Kreml sprechen von "sehr ernstem Zwischenfall"

Der russische Premierminister Dmitri Medwedew bezichtigt die Türkei derzeit des vorsätzlichen Abschusses der Maschine vom Typ Su-24 und widerspricht den Aussagen der Türkei, dass die Maschine türkischen Luftraum verletzt habe. Insbesondere lautet der Vorwurf, dass die Türkei den Islamischen Staat unterstütze aufgrund finanzieller Interessen in Syrien. Die Türkei unterstützt die Al-Nusra-Front sowie die ethnische Minderheit der Turkmenen, die gegen Anhänger des Regimes kämpfen und widerspricht somit russischen Interessen, die Machthaber Assad unterstützen.

"Wir haben ernsthafte Zweifel daran, dass dies unbeabsichtigt war", gab der russische Außenminister Sergej Lawrow zu Protokoll. Lawrow sagte in diesem Zusammenhang den Besuch in der Türkei ab und sagte aus, dass "...der Zwischenfall Folgen haben wird für die bilateralen Beziehungen"

Auch Vizekanzler Sigmar Gabriel kritisierte das Vorgehen der Türkei im syrischen Konflikt scharf. ""Erstmal zeigt der Zwischenfall, dass wir einen Spieler dabei haben, der nach Aussage von verschiedenen Teilen der Region unkalkulierbar ist: Das ist die Türkei und damit nicht die Russen", so der SPD Chef bei einer Politikkonferenz der Deutschen Presse-Agentur.

US-Angaben stützen derzeit auf Basis von Wärmebild-Aufnahmen, dass die Maschine den türkischen Luftraum zum Zeitpunkt des Abschusses verlassen und syrischen Luftraum überflogen habe - eine These, die auch das deutsche Verteidigungsministerium stützt.

Neben der erheblichen russischen Kritik am Abschuß der Maschine kritisierte auch Irans Präsident Hassan Ruhani das Vorgehen Ankaras"Raketen sind doch keine Spielzeuge, mit denen man so einfach in der Luft rumballert!".

Die Türkei indes setzt, auch auf Anraten der NATO, auf die Deeskalation. So sagte Minister Erdogan aus: "Wir haben absolut nicht die Absicht, nach dieser Angelegenheit eine Eskalation herbeizuführen." Einsicht zeigt die türkische Regierung hierbei allerdings nicht, was den internationalen Umgang mit der Situation erschweren dürfte. "Wir verteidigen nur unsere Sicherheit und das Recht unseres Volkes."

Einer der Piloten konnte inzwischen gerettet werden

Einer der Piloten der russischen Maschine kam beim Absturz oder bei den direkt danach erfolgenden, heftigen Kämpfen am Boden ums Leben. Laut Präsident Wladimir Putin konnte jedoch einer der beiden Piloten von der syrischen Armee gerettet werden und befindet sich nun in der russischen Basis Hamaimim südlich von Latakia in Syrien - dies äußerte der Chef des Kremls jedenfalls am Mittwoch gegenüber der Agentur Interfax.

Der umgekommene Pilot ist nach Angaben der Gruppierung Zehnte Brigade "durch die Hände von Rebellen" verstorben - ein Video kursiert derzeit im Internet, welches den Leichnam des russischen Piloten zeigen soll.

Der russische Staatschef Putin forderte inzwischen russische Bürger auf, nicht mehr in die Türkei einzureisen oder, falls dort befindlich, schnellstmöglich abzureisen. "Nach einem derart tragischen Vorfall wie der Zerstörung eines unserer Flugzeuge und dem Tod unseres Piloten ist das eine notwendige Maßnahme", so der Kreml-Vorstand. "Unsere Bürger, die sich in der Türkei aufhalten, könnten in Gefahr geraten"

 

Großbritanniens Premierminister David Cameron indes forderte die türkische Regierung auf, den unmittelbaren Kontakt mit dem Kreml aufrecht zu erhalten, um die Lage weiterhin zu deeskalieren.

 

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