In Köln und Hamburg kam es an Silvester zu Übergriffen von organisierten Männergruppen auf Frauen. Inzwischen berichten etablierte Medien wie der Westen, der Express oder der Kölner Stadtanzeiger sogar davon, dass bis zu 1.000 Männern mit arabischen und nordafrikanischen Aussehen für die Übergriffe verantwortlich gewesen sind und auch NRW-Innenminister Ralf Jäger äußerte sich im Express zu den Vorfällen. Dabei sagte er: „Wir nehmen es nicht hin, dass sich nordafrikanische Männergruppen organisieren, um wehrlose Frauen mit dreisten sexuellen Attacken zu erniedrigen. Deshalb ist es notwendig, dass die Kölner Polizei konsequent ermittelt und zur Abschreckung Präsenz zeigt."

Flüchtlinge verantwortlich für Straftaten

Wieso es jedoch ausschlaggebend ist, welche Herkunft die Männergruppen haben, ist zumindest zweifelhaft. Schließlich sollte es egal sein, ob Straftaten von Menschen mit nordafrikanischen, arabischen, deutschen oder nordeuropäischen Aussehen begangen werden. Denn diese sind in jedem Fall zu verurteilen. Dabei ist es noch nicht einmal klar, ob es sich bei den Tätern eventuell um deutsche Staatsbürger gehandelt haben könnte. Durch die Berichterstattung wird jedoch zwangsläufig die ohnehin schon aufgeheizte Stimmung hinsichtlich der Flüchtlinge weiterhin befeuert.

Der arische deutsche im Aufwind

Diese Art der Berichterstattung verdeutlicht jedoch ein grundlegendes Problem in Deutschland. In der heutigen multikulturellen Gesellschaft, in der viele deutsche einen Migrationshintergrund haben, wird anscheinend noch immer anhand der Haarfarbe entschieden, wer wirklich deutsch ist und wer nicht. Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, dass sich beispielsweise deutsche Staatsbürger mit arabischen, türkischen oder afrikanischen Wurzeln von der Gesellschaft ausgegrenzt fühlen und im Zweifel radikalisieren oder zumindest mit dem IS sympathisieren.  Ähnlich verhält sich die Lage in Frankreich, Belgien und anderen europäischen Staaten, in denen Menschen aus sozialen Brennpunkten von der Gesellschaft benachteiligt werden. Wo dies hinführt haben wir nicht zuletzt mit den Attentaten von Paris gesehen. Dabei steht es außer Frage, dass dies aufs schärfste zu verurteilen ist.

Sofern die Medien jedoch weiterhin gezielt die bereits latent vorhandenen Vorurteile und Ängste eines großen Teils der Bevölkerung ausnutzen, scheint eine Zweiteilung der Gesellschaft fast unumgänglich. Auf der einen Seite große Teile der deutschen Urbevölkerung die Angst vor der Überfremdung hat und auf der anderen Seite deutsche mit Migrationshintergrund und Zuwanderer, die sich zunehmend in Parallelgesellschaften zurückziehen.

Die Politiker müssen handeln

NRW-Innenminister Ralf Jäger hat Recht wenn er sagt, dass ein Verhalten wie in Köln und Hamburg nicht geduldet werden kann und bekämpft werden muss. Allerdings scheint dies in erster Linie weniger die Aufgabe der Kölner Polizei zu sein, sondern von den Politikern selbst. Wenn es sich nämlich wie von den Medien impliziert um Flüchtlinge gehandelt haben sollte, gilt es, deren Lebensbedingungen deutlich zu verbessern oder anderweitige Lösungsansätze in der Flüchtlingskrise zu schaffen. Sofern es sich um deutsche mit Migrationshintergrund gehandelt hat, sollte die Lage in den sozialen Brennpunkten entschärft werden. Für eine langfristige Prävention und Lösung solcher Probleme müssen nämlich die Ursachen und nicht nur die Symptome bekämpft werden.

 

Bildquelle: „Köln Hauptbahnhof - Empfangsgebäude bei Nacht (8132-34)“ von © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons). 

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