Im Zusammenhang mit den viel diskutierten Bürgerwehren von Motorradklub-Mitgliedern der #Hells Angels, Mongols oder Bandidos, sorgt ein Post auf Facebook für Aufsehen. Mehr als 10.000-mal wurde der emotionale Beitrag von Pierre K. innerhalb von nur einem Tag geliked und geteilt. Dabei zeigt er sich verwundert über die plötzlichen Sympathien hinsichtlich der Mitglieder von Motorradklubs und verdeutlicht, dass der Großteil von ihnen nichts mit dem von den Medien suggerierten Stereotypen gemein hat.

Hells Angels wichtiger als Flüchtlingskrise

Wie absurd die Diskussion um die Motorradklubs ist, verdeutlich ein Beispiel aus Dänemark, wo in der vergangenen Woche eine Diskussion über die unsinnige Verteilung der Polizeiressourcen entbrannt war. Viele Bürger regten sich darüber auf, dass die Polizei sich lieber um die Möglichkeiten zur Schließung des Klubhauses der Hells Angels kümmert, anstatt die sich verstärkende Kleinkriminalität im Rahmen der Flüchtlingskrise zu bekämpfen. Auch hierzulande sahen sich Motorradklubs in der Vergangenheit mit Anklagen hinsichtlich Verstößen gegen das Vereinsgesetz oder das inzwischen aufgehobene Kuttenverbot konfrontiert. Dabei werden häufig auch die Klubheime oder die Privatwohnungen von Mitgliedern der Motorradklubs durchsucht. Inwieweit solche ressourcenbindenden Maßnahmen oberste Priorität haben sollten und zur Eindämmung eines akuten Gefahrenpotenziales für die Bevölkerung beitragen, ist in der heutigen Zeit zumindest fragwürdig.

Negatives Bild über Mitglieder der Hells Angels, Bandidos und Mongols

Verschiedene Studien, wie beispielsweise die „Bekämpfungsstrategie Rockerkriminalität“ aus dem Jahr 2010 oder der jährliche Lagebericht des BKA zur organisierten Kriminalität, suggerieren in der Tat ein stark vorhandenes Gefahren- und Kriminalitätspotenzial aller Mitglieder von Motorradklubs. Die sehr negativ behaftete Berichterstattung der meisten Medien verstärkt das Unsicherheitsgefühl in der Bevölkerung diesbezüglich weiter und auch in der jetzigen Zeit unterstellen diese den Motorradklubs, sich durch die Bürgerwehren in erster Linie nur in ein besseres Licht rücken zu wollen.

Dabei ist es nicht von der Hand zu weisen, dass einige Mitglieder von Motorradklubs durch Straftaten auffallen. Unter Anbetracht des Lagebildes zur organisierten Kriminalität des BKA sollte das durch mediale Berichterstattung vermittelte Bild jedoch zumindest überdacht werden. Während täglich über Rockerkriege und Straftaten von Mitglieder der Hells Angels, Bandidos oder Mongols berichtet wird, führt das BKA für das Jahr 2014 insgesamt 517 Verfahren aus dem Bereich der organisierten Kriminalität auf. Davon richteten sich 22 gegen Mitglieder der Hells Angels (4,2%), 10 gegen Mitglieder der Bandidos (1,9%) und 3 gegen Mitglieder der Mongols (0,05%). Anhand dieser Zahlen wird deutlich, dass die Mitglieder von Motorradklubs, anders als von der medialen Berichterstattung suggerierte nicht das Sinnbild für die organisierte Kriminalität in Deutschland sind.

Mitglieder von Motorradklubs sind nicht per se kriminell

Anstatt zu behaupten, dass alle Mitglieder von Motorradklubs per se kriminell sind, wäre eine differenzierte Betrachtung durchaus angebracht. Pierre K. führt in seinem Post zurecht an, dass die meisten Mitglieder von Motorradklubs Familienväter sind, höhere Bildungsabschlüsse haben und ganz normalen Berufen nachgehen. Trotzdem werden sie von weiten Teilen der Bevölkerung geächtet und mit Argwohn betrachtet. Von daher stellt er berechtigterweise die Frage, ob die neuen Sympathien nur von kurzer Dauer sein werden. 

Es wäre wünschenswert, wenn die Bürgerwehren letztendlich überhaupt nicht benötigt werden, doch die dadurch angestoßene Diskussion trotzdem zu einer differenzierten Betrachtung von Mitgliedern der Motorradklubs beitragen würde.

Bildquelle: Flickr unter CC BY 2.0 durch Dioboss