Sind die Hells Angels und andere Motorradklubs die größte Gefahr in Deutschland? Seit dem Jahreswechsel kursiert die Frage, ob die Polizei noch in der Lage ist, den Schutz der Bevölkerung zu gewähren. Dabei strebt diese gerade in Zeiten der Flüchtlingskrise und terroristischer Bedrohungen nach Sicherheit. Anstatt sich jedoch auf das Wesentliche zu konzentrieren, erwecken Medien und Polizei den Eindruck, als ginge das größte Risiko momentan von den Hells Angels und anderen Motorradklubs aus.

Polizeieinsätze gegen Hells Angels und andere Motorradklubs

In Bielefeld kam es laut Westfalenblatt am Samstag zu einem Großeinsatz der Polizei gegen 68 Rocker, Türsteher und Hooligans, da diese gegen das Versammlungsverbot verstoßen hatten. Auch in Eppinghofen kam es am Mittwoch zu einem großangelegten Polizeieinsatz mit mehreren Personenkontrollen „um das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu steigern“, wie die WAZ schrieb. Festgenommen wurde in beiden Fällen niemand.

Zudem scheinen sich besonders die Hells Angels zurzeit im Visier der Polizei zu befinden. Eine Vielzahl an Razzien, sowie einige Verhaftungen stehen seit Jahresbeginn auf der Habenseite der Polizei. Diese dienen in erster Linie der Zermürbung der Rocker und der Deeskalation im Konflikt mit den Mongols in der Hansestadt, wie Kriminaldirektor Mirko Streiber in der Hamburger MOPO sagte. Dabei wertet er es als Erfolg, dass bei den kontrollierten Personen „zunehmend keine gefährlichen Gegenstände mehr gefunden werden.“. Ob es für einen derartigen Erfolg jedoch den Einsatz mehrerer hundert Polizisten bedarf, ist zumindest diskussionswürdig. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Polizei ähnliche Erfolge bezüglicher nachgewiesener Straftäter aus anderen Milieus nicht verzeichnen kann.

Brothers MC erhält Platzverbot

Besonders fragwürdig erscheint jedoch eine Aktion gegen den Brothers MC. Dieser kündigte im Januar an, verstärkt Präsenz in Köln zu zeigen und Frauen während der Karnevalszeit in Gefahrensituationen zu helfen. Am 23.01 erhielt der Klub dafür nun ein Betretungs- und Aufenthaltsverbot für weite Teile des Kölner Stadtgebietes während der Karnevalszeit. Viele Menschen fragen nun empört, warum der Borthers MC einen Platzverweis bekommt, obwohl die Mitglieder an Silvester keine Frauen belästigt haben und die Polizei an Karneval unterstützen wollten, die Täter sich jedoch auch weiterhin in der Innenstadt aufhalten dürfen. Dabei sollten sich die Ordnungshüter während der Karnevalszeit eigentlich primär darum kümmern, ähnliche Fälle zu vermeiden, anstatt knappe Ressourcen für die Durchsetzung von Platzverweisen abzustellen.

Dass hinsichtlich der Motorradklubs mit zweierlei Maß gemessen wird, verdeutlicht auch ein Fall aus Dortmund. Während die dortige Polizei von der Antidiskriminierungsbehörde für eine Pressemitteilung vom 19.06.2015 für die Erwähnung von nordafrikanischen Tätern mit dem Hinweis gerügt wurde, dass „hierdurch eine Personengruppe in der Bevölkerung unter Generalverdacht gestellt wird“, werden Mitglieder von Motorradklubs in der Öffentlichkeit fast immer als kriminell und rechtsradikal dargestellt, obwohl dies lediglich auf einen geringen Prozentsatz zutreffen dürfte.

Personalmangel bei der Polizei

Um die Absurdität zu verdeutlichen sollte erwähnt werden, dass die TZ am 17.01 davon berichtete, dass in Deutschland zwischen 15 und 20 Prozent an Polizeipersonal fehle und die Welt am 16.01 davon schrieb, dass in einigen Bundesländern knapp 35% der bahnpolizeilichen Reviere aus Personalmangel nicht durchgehend besetzt sind. Dies ist umso erstaunlicher, da sich Politik, Behörden und Sicherheitsexperten einig sind, dass die 5.600 Bahnhöfe einem hohen Anschlagsrisiko ausgesetzt sind. Die „Rockerkriminalität“ scheint jedoch das größere Problem in Deutschland zu sein,  denn für Einsätze gegen Mitglieder der Hells Angels, Brothers MC und anderer Motorradklubs ist augenscheinlich immer genug Personal vorhanden.