Die niederländische Polizei hat den Motorradklub Satudarah MC, laut eigenen Angaben, in dieser Woche entscheidend geschwächt. Nachdem der 46-jährige Präsident des Satudarah MC Tilburg am Dienstag zu vier Jahren Haft verurteilt wurde, hat die belgische Polizei am Dienstagabend das Klubhaus in Maasmechelen durchsucht. In Deutschland führte die Polizei am selben Tag mehrere Einsätze gegen die #Hells Angels durch. Dabei wirft das Vorgehen der Polizei und der Medien in beiden Fällen jedoch einige Fragen auf.

Planten die Satudarah MC einen Angriff auf die Hells Angels?

Ein niederländisches Gericht hat den Präsidenten des Satudarah MC Tilburg am gestrigen Dienstag zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Das Gericht sieht es als erwiesen, dass er Mitgliedern des Satudarah MC in Duisburg im Jahr 2013 zwei Maschinengewehren und eine Kalaschnikow zur Verfügung gestellt hatte, damit diese Mitglieder der Hells Angels angreifen können. Laut niederländischer Medienberichte, waren die geplante Tat und die Waffenlieferung aufgrund eines abgehörten Telefongespräches aufgeflogen. Ein dreißigjähriger, der bei der Waffenübergabe anwesend war, wurde zu achtzehn Monaten Haft verurteilt, während ein dritter Mitangeklagter komplett freigesprochen wurde.

Durchsuchung im Klubhaus des Satudarah MC in Maasmechelen

Kurz nach der Verurteilung der beiden führte die belgische Polizei am Dienstagabend eine Razzia im Klubhaus des Satudarah MC in Maasmechelen in der niederländisch-belgischen Grenzregion durch. Die sechs im Klubhaus anwesenden Personen wurden von der Polizei abgeführt. Zwei von ihnen wurden dabei vorläufig festgenommen, sind allerdings inzwischen wieder auf freiem Fuß. Während der Polizeidurchsuchung setzte die Polizei sogar einen Hubschrauber ein, der die Region überwachen sollte.

250 Beamte gegen die Hells Angels

In Deutschland sahen sich am Dienstag auch die Hells Angels mehreren Polizeieinsätzen ausgesetzt. Als Konsequenz auf die Schießerei auf der Hamburger Reeperbahn im Dezember durchsuchten mehr als 250 Beamten gestern 20 Gebäude in Hamburg, Berlin, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Dabei wurde gegen zwei Mitglieder der Hells Angels ein Haftbefehl erlassen. Inwieweit die Anschuldigungen am Ende jedoch vor Gericht bestand haben werden, muss noch abgewartet werden.

Berichterstattung hinsichtlich der Einsätze fragwürdig

Mit den gezielten Polizeieinsätzen gegen Mitglieder der Hells Angels und des Satudarah MC und dem damit verbundenen Medienecho werden die Mitglieder der Motorradklubs bewusst in ein schlechtes Licht gerückt. Zwar müssen Fälle wie auf der Hamburger Reeperbahn ohne Zweifel aufgeklärt werden, die Durchführung und die damit einhergehende Berichterstattung erscheinen jedoch zweifelhaft. Die meisten Leitmedien bauschten die Durchsuchungen zu einem Schlag gegen die Hells Angels auf, durch den ein angeblich unmittelbar bevorstehender Rockerkrieg verhindert worden ist. In den Artikeln werden dies und die Anschuldigungen gegen die vermeintlichen Täter dann jedoch meist ins Konjunktiv gesetzt und relativiert, da nicht bekannt ist, inwieweit die durchsuchten Personen überhaupt mit der Tat in Zusammenhang stehen.

In Zeiten in denen die Motorradklubs sich steigender Beliebtheit in der Bevölkerung erfreuen, sorgt die bundesweite Aktion dafür, die vermeintliche Bedrohung die von Motorradklubs ausgeht dramatischer erscheinen zu lassen, als sie letztendlich ist. Dabei sollten sich die Menschen vor Augen führen, dass es bei den 20 Dursuchungen im Umfeld der Hells Angels lediglich zu zwei vorläufigen Festnahmen kam, wobei sich der Verdacht erst noch bestätigen muss, und bei der Razzia gegen das Satudarah MC die Festgenommenen nach nur ein paar Stunden wieder frei waren.

Bildquelle: Flickr unter CC BY 2.0 durch Peachy Weasel