Der Saal der Düsseldorfer Messe leuchtete schon am Vormittag in verheißungsvollem Blau: Mehrere hundert Bürger - ein bunter Querschnitt der Gesellschaft - fanden sich am Samstag dort ein, um gemeinsam mit dem Europaparlamentarier Markus Pretzell (AfD), der AfD-Parteivorsitzenden und Sächsischen Landtagsabgeordneten Frauke Petry, dem FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky und dem Stargast HC Strache, FPÖ Parteiobmann und Kanzlerkandidat in Österreich, über freiheitliche Visionen für Europa zu diskutieren. Blasting-News Redakteur Robin Classen war vor Ort.

Nicht gegen Europa, nur gegen die EU

Dem von den Medien in der Öffentlichkeit gezeichneten Bild der "Anti-Europa" Parteien sollte damit bewusst widersprochen werden. Freiheitliche Rechtsparteien seien eben nicht gegen Europa, sondern nur EU-skeptisch. Der Euro sei angesichts von 19 verschiedenen Wirtschaftspolitiken und völlig unterschiedlichen Mentalitäten und Grundvoraussetzungen ebenso ein Fehler, wie der Umstand, dass die Souveränität und Freiheit der Völker von den demokratischen Nationalparlamenten ins ferne Brüssel umgesiedelt würden, so der Tenor.

Die EU soll nicht mehr reformierbar sein

Es brauche ein starkes Europa der Vaterländer nach Charles de Gaulle mit einem eigenen Verteidigungsbündnis an Stelle der NATO, mit individuellen europäischen Kulturen und einer massiv beschränkten Zusammenarbeit, die nur auf den Politikfeldern stattfinden sollte, in denen sie wirklich von Nöten ist. An eine Reformierbarkeit der EU glaubt zumindest Markus Pretzell derweil nicht mehr: Offenbar soll stattdessen etwas Neues von Nationalstaaten und jetzigen EU-Mitgliedern aus der Union heraus gegründet werden, was sie danach obsolet mache.

Selfies mit HC Strache

Diese Ideen kristallisierten sich in den Reden von Markus Pretzell, Harald Vilimsky, HC Strache und Frauke Petry sowie in der darauf folgenden Podiumsdiskussion heraus. Während letzterer waren auch Zuschauerfragen zugelassen. Publikumsliebling war ganz klar HC Strache. Mit dem Österreichischen Polit-Superstar, der seine FPÖ mit nunmehr 33 Prozent zur mit Abstand stärksten Partei gemacht hat, wollten unzählige Besucher ein Selfie schießen und Hände schütteln. Er kassierte auch den mit Abstand längsten Applaus des Abends.

AfD-Mitgliedschaft in EKR-Fraktion ungewiss

Verwirrung stiftete derweil der Umstand, dass die Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformisten, zu welcher die AfD nicht aber die FPÖ gehört, kurzfristig Ihren Namen nicht mehr für den Kongress als Veranstalter hergeben wollte. Grund waren wohl auch im Ausland verfälscht wiedergegebene Zitate von AfD-Politikern in den vergangenen Tagen zum Thema Schusswaffengebrauch an der Grenze. Gerüchten zufolge wäre sogar ein Ausschluss der beiden AfD-Europaparlamentarier Beatrix von Storch und Markus Pretzell möglich. Die beiden dürfte das wenig kümmern: Ihnen stünden mit der "Europa der Freiheit und der Demokratie"-Fraktion um den Briten Nigel Farage (UKIP) oder eben der "Europa der Nationen und der Freiheit"-Fraktion um HC Straches FPÖ zwei potente Alternativen zur Verfügung.

Die Messe Düsseldorf spendet die Einnahmen an Asylanten

Die Messe Düsseldorf hatte derweil im Vorfeld angekündigt, die Einnahmen des Tages an die Arbeit mit Asylbewerbern spenden zu wollen. Hintergrund war eine massive Mobilmachung der eingesessenen Düsseldorfer Parteienlandschaft gegen den Kongress der Konkurrenz. Den 1000 AfD-Teilnehmern standen demnach auch 1000 Gegendemonstranten gegenüber, die weitestgehend friedlich Ihren Protest kundtaten. 

 

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