Mit der Weiberfastnacht beginnt heute die heiße Phase des Karnevals. Dabei schlägt das Aufenthaltsverbot für den Motorradklub Brothers MC in den Medien und sozialen Netzwerken hohe Wellen. Erst gestern berichteten die Bild-Zeitung und die Neue Westfälische darüber, dass die Mitglieder sich über das Verbot der Polizei hinwegsetzen und die 500-Euro Strafe billigend in Kauf nehmen wollen. In diesem Zusammenhang schrieb die NW sogar davon, dass dem Steinheimer Karneval ein Besuch der Rocker drohe. Dabei wird die undifferenzierte Berichterstattung insbesondere durch das Wort „Drohung“ deutlich. Im Allgemeinen erscheint es so, als solle durch die mediale Ausschlachtung und das Handeln der Polizei in erster Linie der Motorradklub schikaniert und nicht die Bevölkerung geschützt werden.

Brothers MC im Visier der Polizei

Unter Anbetracht der bisherigen Vorgehensweise der Polizei gegen den Brothers MC kommt das Aufenthaltsverbot gegen den Motorradklub allerdings wenig überraschend. Insbesondere dessen Pressesprecher Tim K. scheint dabei immer wieder gezielten Schikanen von der Polizei ausgesetzt zu sein. Dieser war vor seiner Zeit als Rocker fast zehn Jahre bei der Polizei und dem SEK aktiv. Aufgrund seiner Freundschaft zu einem Mitglied der #Hells Angels, sowie der Tatsache, dass er einer Prostituierten zur Flucht verhalf und laut eigenen Angaben einen V-Mann bei den Hells Angels entlarvte, wurde er unter falschen Vorwänden verhaftet und vom Dienst suspendiert. Auch wenn er nach sieben Monaten aus der U-Haft entlassen und von allen schweren Vorwürfen freigesprochen wurde, sieht er sich seitdem Angriffen der Behörden ausgesetzt. Dies kann auch mit seinen zwei Büchern zusammenhängen, in denen er seine Erfahrungen hinsichtlich der in Deutschland vorhandenen Polizeigewalt und des Amtsmissbrauches, sowie der in den Medien oftmals falsch dargestellten Rockerszene spricht.

Im letzten Sommer setzen die Ordnungshüter dem ganzen dann jedoch die Krone auf. Mit Blendgranaten und einem Rammbock stürmte das SEK die vermeintliche Wohnung von Tim K., da dieser im unerlaubten Besitz von Schusswaffe gewesen sein soll.  Allerdings verwechselten die Beamten dabei die Tür, so dass ein Unbeteiligter 53-jährigen Mann gewaltsam zu Boden geworfen und fixiert wurde. Erst nach 20 Minuten wurde diesen dann klar, dass es sich bei dem Mann nicht um Tim K. handelte. Die propagierte Schusswaffe wurde natürlich auch bei der anschließenden Durchsuchung der richtigen Wohnung nicht gefunden, so dass bereits damals ernsthafte Fragen laut wurden, wieso es zu der Polizeiaktion kam.

Borthers MC bekommen Aufenthaltsverbot

Am 23. Januar kam es nun zur Fortsetzung dieser scheinbar endlosen Pose. Nachdem Mitglieder des Brothers MC angekündigt hatten im Zuge der Vorkommnisse aus Köln mit gezielten „Spaziergängen“ in Notfallsituationen durch Zivilcourage helfen zu wollen, hatten 38 Mitglieder des Klubs ein Betretungs- und Aufenthaltsverbot für weite Teile Kölns und Leverkusens erhalten. Mit emotionalen Posts in den sozialen Netzwerken machten Mitglieder des Brothers MC deutlich, dass sie das Verbot ignorieren werden.

Angesichts der Zwischenfälle aus der Vergangenheit sind berechtigte Zweifel angebracht, ob es den Behörden mit diesem Verbot darum geht, die Bevölkerung vor einer „Gefahr zu schützen“ oder ob nicht vielmehr ein Exempel statuiert und die Brothers MC schikaniert werden sollen. Auffällig ist es schließlich, dass andere "Bürgerwehren" keine Verbote erhalten haben. Statt durch solche Nebenkriegsschauplätze von den eigentlichen Problemen abzulenken, wäre es wünschenswert, wenn die Polizei mit dem gleichen Eifer an der Vermeidung von silversterähnlichen Vorfällen arbeiten würde. Dabei ist es schon komisch, dass nun Leute für ihre Hilfsbereitschaft an den Pranger gestellt werden, während viele der Täter sich auch an Karneval in der Innenstadt von Köln aufhalten dürfen. Wie wichtig gerade deren Festnahme wäre, wurde durch den jüngsten Vorfall in der Münchener U-Bahn deutlich. #Kriminalität