Babyklappen sind in Russland rar. Rund zwanzig „Lebensfenster“ – wie diese hoffnungsvoll genannt werden – gibt es landesweit. Die erste Möglichkeit, das eigene unerwünschte Baby anonym abzugeben, wurde 2011 in Sotschi etabliert. Innerhalb der letzten fünf Jahre wurden vierzig Babys dadurch rechtzeitig entdeckt und vom fachkundigen Krankenhauspersonal gerettet. Es hätten mehr sein können, doch kaum jemand in #Russland weiß von Babyklappen.

Nun soll der bewährten Praktik ein Riegel vorgeschoben werden. Ein Gesetzentwurf zum Verbot von Babyfenstern hat bereits breite Zustimmung in der russischen Duma erfahren. Dafür hat die Autorin des Gesetzes „gegen homosexuelle Propaganda“ Elena Misulina mit grotesken Erklärungen gesorgt. Für die konservative Abgeordnete gibt es drei Gründe, Babyklappen zu verteufeln: Der Staat dürfe damit die Kuckucksmütter nicht fördern. Außerdem würden die Babynester den Kinderhandel befeuern. Zuallerletzt erinnerte sich die Moralhüterin Misulina an eine UN-Konvention, die besagt, dass ein Kind das Recht habe, seine Eltern zu kennen.

Nun, einem toten Baby nützt es nichts: Jährlich sterben in Russland etwa hundert Babys durch ihre Mütter. Verzweifelte Frauen lassen ihre unerwünschten #Kinder einfach in Müllcontainern, an Bahnhöfen oder in Wäldern zurück. Im Duma-Komitee für Familienangelegenheiten kritisierte Irina Tschirikowa den Gesetzentwurf: „Jedes Jahr ereignen sich solche Fälle. Auf einem Platz mitten in der Stadt wurde ein Neugeborenes gefunden. Ein völlig gesundes Baby starb an Unterkühlung.“ Unüberlegt und schlicht dumm sei ein derartiges Verbot, glaubt Tschirikowa.

Das Problem der Kindstötung in Russland bedarf langfristiger Lösungen, Zeit- und Geldinvestitionen. Zwanzig Babyklappen abzubauen, gelingt mit einer einzigen Unterschrift. Das jüngste Verbot passt aber gut in den neuen russischen Konservatismus, der seinen Weg mit obskuren und gar menschenfeindlichen Ideen pflastert. So scheint das Recht eines Kindes auf seine Identität in Russland wichtiger zu sein als sein Recht auf Leben.