Zahnarzt lehnt Muslima wegen Kopftuch ab

Die Zahnarztpraxis unter Dr. H. Lunin in Stuttgart steht zur Zeit unter Druck. Grund ist die Ablehnung einer Bewerberin aufgrund ihres Kopftuchs. Das muslimische #Kopftuch sei nicht denkbar in dieser Position. Die genaue Begründung lautet dabei: "Wir stellen keine Kopftuchträgerinnen ein und verstehen auch nicht, wie Bewerberinnen sich diese Toleranz vorstellen können".  

Die Antwort des Zahnarztes wurde veröffentlicht und löste einen Shitstorm aus. Binnen kurzer Zeit machte der Vorfall nicht nur in den sozialen Netzwerken von sich reden, sondern auch die Praxis vom Zahnarzt wurde ständig kontaktiert. Der Zahnarzt Dr. Lunin veröffentlichte schließlich eine Stellungnahme, um sich zu erklären und legte dar, dass die islamische Kopfbedeckung die Bewerberin aufgrund zahnärztlicher Regelungen automatisch disqualifiziere. 

Muslima: Kopftuch disqualifiziert und sei unhygienisch

In seiner öffentlichen Erklärung äußert sich der Zahnarzt Dr. H. Lunin zum Vorwurf der #Diskriminierung gegen eine Muslima. In seinen Worten heißt es, er "habe eine Bewerberin für die Arbeitsstelle mit einer unzureichenden und völlig falschen Formulierung abgewiesen. Dafür möchte [er sich] zuerst einmal in aller Form und aufrichtig entschuldigen", die Formulierungen wären "einfach dumm und unpassend" gewesen.  

Anschließend geht Dr. Lunin auf "das leidige Dauerthema Kopftuch, das Hijab" im Kontext der Zahnmedizin ein. Es ist die Rede von einer "Erhöhung der Hygienestandards" und dem Beispiel der Zahnklinik der Universität Marburg, wo Kopftücher "aus rein hygienischen Gründen" seit einiger Zeit bereits nicht mehr erlaubt seien. Das muslimische Kopftuch sei also in der Zahnarztpraxis nicht erlaubt, auch nicht in seiner Praxis.

Wie definieren wir die Grenzen der Toleranz?

Die Ablehnung der Bewerbung der Muslima und die Erklärung des Zahnarztes Dr. Lunin werfen Fragen auf und stimmen missmutig. Der Satz "wie Bewerberinnen sich diese Toleranz vorstellen" könnten, ist tief und weit in seinen Implikationen. Die Toleranz erreicht also die Grenze, wenn eine Muslima mit Kopftuch die Dreistigkeit besitzt, sich in einer Zahnarztpraxis zu bewerben? Von welcher Toleranz ist hier die Rede? Kann das noch Toleranz im Rahmen einer Demokratie sein? Dabei ist es nicht lang her, dass wir in Frankreich, dem Geburtsland der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, einen ähnlichen Vorfall hatten. Eine Muslima mit Bluse, Hose und Kopftuch (wohlgemerkt kein Burkini), wird von mehreren Polizisten am Strand von Nizza aufgefordert, Kleidungsstücke auszuziehen. Grund für das Bikini-Verbot sei die angespannte Stimmung im Land.

Weshalb ist das Kopftuch unhygienisch?

In diesem Sinn stellt sich auch die simple Frage, wieso das Kopftuch unhygienisch sein soll? Zwar gibt der Zahnarzt Dr. Lunin dies als Begründung an und das Beispiel der Universität Marburg soll dies stützen. Aber er ist freilich der Fantasie des Lesers überlassen, sich dies zu erklären. Das Arbeitsgericht in Berlin jedenfalls sieht es als Diskriminierung an, eine Bewerberin aufgrund ihres Kopftuches als Zahnarzthelferin abzulehnen (Aktenzeichen 55 Ca 2426/12).

Einmal sind das hygienische Gründe, ein anderes Mal ist es eine Frage der Neutralität. Die Kopfbedeckung der Frau im #Islam wird immer mehr zu einem Schauplatz der Debatte, die in ihrem eigentlich Kern die Religion des Islam als solches betrifft. Wir brauchen keine Scheindebatten mehr, wo es rein hygienische Gründe hat, eine Muslima mit Kopftuch abzulehnen . Es geht vor allem darum, die Dreiecksbeziehung aus Religion, Säkularismus und Freiheit genau zu definieren. Es geht um ein richtiges und offenes Kennenlernen.