Die ##USA haben bereits letzte Woche zwei US Air Force B-2 Bomber eingesetzt, um zwei 700 Pfund schwere Atombomben-Nachbildungen über der Wüste von Nevada abzuwerfen.  Dies geht aus der Pressemeldung der National Nuclear Security Administration von Donnerstag hervor.  Das US-Militär scheint es demnach nicht für notwendig gehalten zu haben, die Öffentlichkeit über den Abwurf von nuklear-bestückbaren Waffensystemen in Kenntnis zu setzten.

Zur Begründung des Tests heißt es in dem Bericht, dass das primäre Ziel der Abwürfe darin bestehe, die Zuverlässigkeit, Genauigkeit, und Leistungsdaten unter Waffensysteme unter „repräsentativen Bedingungen“ zu testen. Eine solche Prüfung sei Teil des Qualifizierungsprozesses in Bezug auf derzeitige Veränderungen und Verlängerungen der Lebensdauer von operativen Waffensystemen.

USA und Russland - das Gleichgewicht des Schreckens 

Die B61-Atombombe gehört seit den 1960er Jahren zu dem militärischen Potential der USA und stellt ein kritisches Element der amerikanischen „nuklearen Triade“ dar, bestehend aus strategischen Bombern, sowie land- und seegestützten Interkontinentalraketen. Die nukleare Triade dient als Grundlage für das sogenannte „Gleichgewicht des Schreckens“ (MAD-Doktrin), welches die militärische Situation zwischen ##Russland und den USA während des Kalten Krieges bezeichnete. Demnach wird die eine Nuklearmacht vom Ersteinsatz von Nuklearwaffen abgehalten, dass der Angegriffene selbst nach einem nuklearen Erstschlag noch vernichtend zurückschlagen könnte.

Aus spieltheoretischer Sicht wird dieses Gleichgewicht des Schreckens auch als Nash-Gleichgewicht bezeichnet werden, wonach kein einzelner Akteur einen Anreiz besitzt von seiner aktuellen Strategie abzuweichen. In anderen Worten führen optimale Teillösungen nicht auch zu einer optimalen Gesamtsituation. Im amerikanischen Raum wird auch der Begriff der „garantierten gegenseitigen Vernichtung“ (guaranteed mutual destruction) verwendet, um die aktuelle geopolitische Situation im Hinblick auf Russland und China zu charakterisieren. Dieser Ausdruck wurde von dem US-Verteidigungsminister Robert McNamara geprägt, welcher 1965 die Richtlinie festlegte, dass ein Viertel bis ein Drittel der sowjetischen Bevölkerung und zwei Drittel der sowjetischen Industrie nach einem Erstangriff gegen die USA unmittelbar zerstört werden müssten.

Provokation der USA gegenüber Russland?

In Anbetracht der aktuellen Entwicklungen im Syrien-Konflikt stellt sich die Frage, wieso die US Air Force gerade jetzt den Abwurf eines ihrer wichtigsten nuklearen Waffensysteme testen müssen? Bereits anfangs dieser Woche berichtete schließlich auch die russische Nachrichtenagentur Pravda, dass Moskau sich auf die drohende Gefahr eines Atomkriegs vorbeireite. Demnach seien genügend unterirdische Einrichtungen und Bunker errichtet worden um 100% der Bevölkerung von Moskau im Falle einer nuklearen Auseinandersetzung zu schützen. Einen kritischeren Zeitpunkt hätte die Air Force nicht wählen können!

Eines scheint leider gewiss – die Spannungen zwischen den USA und Russland haben ein Niveau erreicht, welches durchaus mit der Zeit des Kalten Krieges vergleichbar ist. Wichtige Abkommen zur nuklearen Abrüstung werden ausgesetzt, Übungen zum Schutz der Zivilbevölkerung werden durchgeführt und jetzt werden gar Testabwürfe von zerstörerischen B61-Atombomben von US Air Force B2 Bombern über der Wüste von Nevada durchgeführt. Eine entsprechende Pressemeldung wird erst Tage später herausgegeben und von den deutschen Mainstream-Medien nicht einmal aufgegriffen, geschweige denn kritisch hinterfragt. In was für Zeiten leben wir denn?

 

Quellen:

National Nuclear Security Administration (2016): “NNSA and Air Force conduct two successful joint flight tests”. nnsa.energy.gov, Nevada, USA

Pravda.ru (2016): “Moscow prepared for possible nuclear attack – EMERCOM”, Moskau, Russland

Dieter Senghaas: Abschreckung und Frieden. Studien zur Kritik organisierter Friedlosigkeit, Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt #Atomtest