##Lügenpresse. Ein heftiges Schlagwort, das ich lange abgetan habe. Doch ich sollte eines Besseren belehrt werden. Aber der Reihe nach: Ich bin Journalist. Investigativer Journalist. Viele Jahre im Hintergrund als Rechercheur im Nahen Osten. Ein "high risk job" als Mann, der schreibende und sendende Kollegen mit Informationen versorgt hat. In jener Weltgegend erlebt man eine Menge, vor allem dass man nicht offen schreiben kann, was man denkt. Weil Befindlichkeiten berührt sind, weil es den Machthabern nicht passt, weil Zensurbehörden eingreifen oder einfach ein Schleier des vorauseilenden Gehorsams die Arbeit der Presse behindern.

Ein Kulturschock

Inzwischen arbeite ich hauptsächlich in den USA für eine Nachrichtenagentur. Ich war die Gefahr leid und vor allem die Schere im Kopf, ohne die man als Journalist im Nahen Osten gefährlich lebt. Doch der eigentlich Schock hat mich in meinem geliebten Deutschland heimgesucht. Eigentlich wollte ich daheim von Frankfurt am Main aus arbeiten. Doch das war mir nicht möglich, zumindest, wenn ich morgens noch mit gutem Gewissen in den Spiegel schauen möchte.

Die unsichtbare Zensur

Jenes Deutschland, das ich damals in Richtung Beirut verließ, hatte eine bunte Medienlandschaft. Das Deutschland, das ich 2016 wiederfand, hat Redaktionen, die sich selbst zensieren, die sich mit einer völlig überzogenen Political Correctness selbst erdrosseln und wo dies auch noch als Zivilcourage und Verteidigung einer nicht näher bestimmten Weltoffenheit verkauft wird.

Der Vorwurf der Lügenpresse

Das Schlagwort #Lügenpresse finde ich immer noch unfair. Kein Kollege lügt mit Absicht, auch wird niemand ferngesteuert, selbst wenn dies den einen oder anderen Verschwörungstheoretiker enttäuschen mag. Im Grunde ist es aber viel schlimmer: es findet eine Art von Selbstkorrektur statt, so dass alles, was nicht in einen linksgrünen Neusprech passt, einfach nicht veröffentlicht wird. Bei einer großen Zeitung für die ich ab und an als freier Reporter schreibe (meist unter Pseudonym), entscheidet ein Mann U30 mit linksradikalem Hintergrund, was gedruckt wird und was nicht. So ist es inzwischen bei vielen Verlagen und folglich kein Wunder, dass mancher Bürger denkt, die Presse würde absichtlich lügen.

Die Wahrheit ist viel schlimmer

Was tatsächlich passiert ist viel dramatischer. Je mehr die Kinder der 68er Generation an die Schalthebel der Redaktionen kommen, desto mehr kippt die Presselandschaft in eine moralisierende, linksgrüne Richtung. Moderat konservative Autoren bekommen ab und an einen Gnadenplatz für ihre Beiträge eingeräumt, wahrhaft Konservative haben jenseits der "Jungen Freiheit" eigentlich keine Chance mehr.

Weg in die USA

Mein Weg hat mich zum Leidwesen meiner Familie deshalb in die USA geführt, wo ich für eine Nachrichtenagentur wieder das mache, was ich schon im Nahen Osten getan habe: Hintergrundrecherchen. Auch hier in den USA schimpfen die Menschen auf die Presse. Aber eines ist hier tatsächlich anders. Es herrscht zwar auch eine Atmosphäre der Political Correctness, aber die Schere im Kopf braucht hier niemand. Das gesamte Meinungsspektrum wird abgedeckt und man respektiert sich kollegial von links bis rechts.

Am deutschen Wesen...

Besonders verstörend erlebe ich, dass angesichts dieser Faktenlage deutsche Kollegen anderen Ländern Vorhaltungen machen, ihre Presse sei nicht frei. Sicher ist es kein Spass, derzeit Korrespondent in Moskau oder Peking zu sein, doch so groß sind die Unterschiede zu den Verhältnissen in Deutschland gar nicht. Während dort Zensoren die Freiheit einschränken, sind es in Deutschland politische Überzeugungstäter in den Redaktionen. Was schlimmer ist, weiß ich nicht.

Wie weiter?

Ich für meinen Teil habe meinen Platz als Rechercheur in den USA vorerst gefunden. Deutschland suche ich als Journalist nur beiläufig heim. Wenn die öffentliche Meinung und die veröffentlichte Meinung zu weit auseinandergehen, dann wird das Konsequenzen haben. Welche? Wir werden sehen. #Pressefreiheit #Breitbart News