Absurdistan in Bayern: Ein Stand auf dem Christkindlmarkt in #Wasserburg löste Panik bei den Besuchern aus. Denn statt Glitzerstaub, Glühwein und Engelchen kam der politische Teufel auf den Budenzauber, und zwar in Form der #AfD. Besorgte Besucher des Weihnachtsmarktes bildeten sogleich einen Kreis und begannen wild um sich zu singen, offenbar jedoch nicht schräg genug, denn der tonreiche AfD-Exorzismus wirkte nicht durchschlagend. Aufgrund der rund dreißig verzweifelt singenden Wasserburger, die mit ihrer musikalischen Bürgerwehr gar nicht mehr aufhören wollten, war die Polizei gezwungen, einen Platz sowie Bereiche der Wasserburger Altstadt für den Straßenverkehr zu sperren.

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Jetzt stellen sich dem durchschnittlichen Bürger natürlich zwei einfache Fragen: Was hat ein Parteienstand auf einem Weihnachtsmarkt zu suchen? Und warum muss dieser weggesungen werden?

Aufstand der Budenbesitzer!

Die anderen Budenbesitzer waren angesichts des ganzen Trara nicht sonderlich begeistert. In einer Protestnote an das Stadtoberhaupt entlud sich ihr Unmut. Initiiert wurde dieser Teil des Protests wiederum von einem Standbetreiber, dessen Bude einen Stellplatz in der Nachbarschaft des AfD-Standes zugewiesen bekommen hatte. Der erboste Standbetreiber drohte konsequenterweise dem Bürgermeister an, er wolle seine Bude so lange nicht wieder öffnen, bis die AfD vom Christkindlmarkt verbannt worden sei. Ein solches Parteienhäuschen auf dem Weihnachtsmarkt würde nämlich den vorweihnachtlichen Frieden stören und der ist ja bekanntlich wichtig.

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Der Amtsschimmel trabt!

Der Bürgermeister musste den Beschwerdeführer allerdings enttäuschen. Denn eine Prüfung habe ergeben, dass die AfD-Bude auf städtischem Grund "außerhalb des festgesetzten Christkindlmarktgebietes" aufgestellt worden sei. Die Stadt Wasserburg am Inn habe daher "keinen Ermessensspielraum" und dem AfD-Antrag auf eine Bude "ist somit stattzugeben". Der Amtsschimmel trabt in Wasserburg am Inn offenbar besonders laut. Wie sich der erboste Budeninhaber jetzt tatsächlich verhalten wird, ob er wirklich aus politischem Protest seinen Laden geschlossen halten wird, ist derzeit nicht gesichert in Erfahrung zu bringen. Falls Leser aus Wasserburg am Inn sich zufällig auf diesen Artikel verirren, können sie den aktuellen Stand der Lage in den Kommentaren posten.

Ziemlich pubertär?

Diese Lokalposse zeigt allerdings neben ihrer ganzen Absurdität einige sehr generelle Aspekte unserer Zeit wie in einem Brennglas. Da ist einerseits eine Partei, die sich noch in der Pubertät befindet und naiv genug ist, sich auf einen Weihnachtsmarkt zu verirren.

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Die Protestaktionen mit Gesang und Menschenring weisen das Niveau eines Kindergartens auf. Und schließlich entscheidet die Stadt formal und nicht politisch. Dieses Gesamtbild ist nicht unbedingt jenes einer gefestigten, erwachsenen, freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft. Insofern ist diese Lokalposse mehr als eine Lokalposse, sondern ein Zeichen für eine ganze Gesellschaft, die ihren Takt und ihr Gleichgewicht verloren hat. #Proteste