Alle Welt starrt auf Trump, Putin, Obama, Merkel und wie sie alle heißen. Doch einer der mächtigsten Menschen der Welt, der Präsident der Volksrepublik (V.R.) #china, Xi Jinping, hat gerade eine Rede gehalten, die eine historische Wende einleiten könnte. Obwohl die V.R. China - anders als die Republik China (Taiwan) - ein kommunistischer Einparteienstaat ist, merkt man von Mao, Lenin und Marx wirtschaftlich nicht mehr allzu viel im Riesenreich des Ostens mit über einer Milliarde Einwohnern. Dennoch wurde das materialistische Banner des Kommunismus weiter hochgehalten. Das könnte sich jetzt ändern. Mit einer Ansprache vor Chinas Künstlern hat Präsident Xi eine fundamentale Wende angedeutet, auch wenn er noch nicht ganz präzise geworden ist.

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Das Staatsoberhaupt wünsche sich, so betonte Xi, eine geistige Renaissance seines Landes. In weiten Teilen war seine Rede eine Abkehr vom materialistischen, antihistorischen, antiintellektuellen sowie antireligiösen Erbe Maos. Chinas althergebrachte Traditionen müssten wiederentdeckt werden, forderte Xi, und sprach von einer Restauration der traditionellen Kultur seines Landes.

Neue alte Töne!

Der Präsident betonte, dass das Schicksal der V.R. China untrennbar mit ihrer Kultur verbunden sei, die daher gefördert werden müsse. Für einen weiteren Aufbau der chinesischen Nation zur Weltmacht sei nicht nur ein Mehr an Materiellem nötig, sondern auch und insbesondere eine Entwicklung des Schöpferischen. Die chinesische Nation habe trotzt aller Widrigkeiten tausende Jahre zusammengehalten und jeden Rückschlag überwunden.

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Dies sei nur der Tatsache zu verdanken, dass China eine starke Kultur mit Bindekraft habe. Das Geistige sei die Seele einer Nation, aus dem sie ihre Kraft zur Zukunftsgestaltung ziehe, so Präsident Xi. Chinas klassische Kultur sei einzigartig, "die traditionellen Werte der Nation unersetzlich", berichtet die Nachrichtenagentur MEHR. Xi habe mit seiner Rede einen geistig-spirituellen Kurswechsel vorgenommen, der sich vermutlich auch in seiner künftigen Politik niederschlagen wird. "Wenn Xi meint, was er sagt, bedeutet das nichts weniger als die Abkehr von Maos kommunistischer Ideologie", betont Ostasienexperte Helmut Rhein.

Aufruf zu mehr Spielraum?

Der Präsident ging sogar noch weiter. Er appellierte an die Künstler des Landes, sich überbordenden bürokratischen Begrenzungen durch lokale Kräfte zu widersetzen. Den staunenden Zuhörern empfahl Xi Standhaftigkeit gegen Beschränkungen zu zeigen sowie moralisch positive Werke zu schaffen, welche Staat, Volk und Kultur stärken. "Das ist deswegen so bemerkenswert", erklärt Rhein, "weil Behörden wie der Autoren- und Kulturverband sowie die Ministerien für Kulturangelegenheiten und Propaganda sich nach wie vor als Gralshüter des Kommunismus verstehen.

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Der Präsident hat quasi einen Putsch von oben begonnen, damit er selbst dort seinen Einfluss einbringen kann".

Eine Sensation?

Als "geradezu verblüffend" sieht Rhein, dass Präsident Xi die Vokabel „shen yun“ („göttliche Schönheit“) in den Mund nahm. Er habe damit den Namen einer New Yorker Künstlergruppe namens "Shen Yun Performing Arts" aufgegriffen, die für eine Renaissance der althergebrachten nichtkommunistischen Kultur eintrete. "Shen yun" sei in der V.R. China ein zensierter Begriff "und plötzlich nimmt ihn der Staatspräsident in den Mund", betont Rhein. In Hongkong reagierte man sofort. Dort war vor einer Weile noch ein Auftritt von "Shen Yun" nach Druck aus Peking wieder abgesagt worden.

Xi statt Mao?

Abseits der weltpolitischen Desaster, die sich derzeit abspielen, erlebt die V.R. China somit vielleicht gerade einen kulturellen Wandel zu mehr Offenheit. Chinas klassische Kultur war in der mörderischen "Kulturrevolution" unter Mao zerstört worden, Millionen von Chinesen verloren ihr Leben. Eine Abkehr von Maos Grundlinien nicht nur in der Wirtschaft, sondern jetzt auch in der Kultur, wären "ein epochaler Schritt. Wir müssen abwarten, ob Xi es ernst meint. Das wäre wundervoll", so Rhein. #Kulturpolitik #Liberalisierung