Bluff oder Riesenskandal? "Keiner der Leaks kam von den Russen", teilte ein Vertreter von #Wiki-Leaks jetzt mit. Die für #hillary Clinton so heiklen Emails seien keineswegs von der Russischen Föderation gestohlen und instrumentalisiert worden, um die Kandidatin Clinton in ein schlechtes Licht zu rücken. Gegenüber der britischen Daily Mail berichtete der Informant Craig Murray, ein ehemaliger britischer Diplomat mit guten Beziehungen zu Wiki-Leaks, er habe die Daten höchstpersönlich in einem Waldgelände in der Nähe der US-Hauptstadt Washington entgegengenommen. In derselben Zeitung behauptete er, es habe nie einen russischen Dateneinbruch gegeben.

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Die Mails wären auf eine Weise, die an alte Agentenfilme erinnert, von einem Whistleblower aus dem eigenen Team herausgegeben worden. Der Datendieb sei "angeekelt von der Korruption der Clinton-Foundation" gewesen, so Murray. Er ergänzte, auch der Umgang mit Bernie Sanders sei eine der Motivationen des Whistleblowers gewesen. Es sei deswegen völlig nachrangig, ob russische Hacker in das "Democratic National Committee“ (DNC), also die Parteizentrale von Clintons Demokraten, eingedrungen seien. Alle durch Wiki-Leaks herausgegebenen Inhalte kämen von jenem einen Menschen, den er als "interne Quelle" bezeichnet. "Keiner der Leaks kam von den Russen", ergänzte er.

Wie in einem Agentenfilm?

Die konspirative Weitergabe der heißen Informationen habe sich ganz in der Nähe der "American University" vollzogen.

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Der Überbringer der Daten sei ein Bote gewesen und nicht der Whistleblower selbst. Im US-Präsidentschaftswahlkampf spielten die Clinton-Emails eine enorme Rolle. Sie waren in zwei Tranchen an die Öffentlichkeit gelangt. Bereits im Hochsommer gelangten vertrauliche interne Verbindungen und Inhalte des Democratic National Committee in die Presse. Diese Emails deckten Pläne auf, mit denen Clinton-Getreue den innerparteilichen Konkurrenten um die Kandidatur, Bernie Sanders, aus dem Rennen kicken wollten. Desweiteren ging es um Streit und und Chaos innerhalb der Clinton-Foundation. Alles hochnotpeinliche Informationen, die für Clinton alles waren, nur keine Hilfe.

Nackenschläge für Clinton!

Im Herbst folgten die nach Clintons Wahlkampfchef benannten "Podesta-Files" auf Wiki-Leaks. Der so an die Öffentlichkeit geratene Content zeichnete ein Bild Hillary Clintons, dass alles andere als sozial und liberal war, sondern der Finanzwirtschaft zugeneigt, einige Stimmen in den USA namen auch das Wort "käuflich" in den Mund.

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Für Clintons eher linke und liberale Wählerschaft war dies ein Schock. Ex-Diplomat und Wiki-Leaks Mann Murray beteuert jetzt in der Daily Mail, die Podesta-Files Emails deckten eine Kooperation Clintons mit ausländischen Lobbyisten, darunter aus Saudi-Arabien auf. Dies sei von geheimdienstlichem Interesse.

Pizzagate?

Die Daily Mail zitiert Wiki-Leaks Chef Assange,"Die Clinton-Kampagne war in der Lage, eine Neo-McCarthyianische Hysterie zu erzeugen, dass Russland an allem Schuld ist". Nicht genannt wird in dem Bericht jener noch obskurere Vorgang, der als "#Pizzagate" im Umlauf ist und die vermeintliche Verwicklung von Podesta in pädophile Zirkel zum Thema hat. Dieser Kreis würde sich in einer Pizzeria der US-Hauptstadt treffen, wie sich aus den Wiki-Leaks Daten vom Herbst herauslesen lassen soll. Gestützt wird diese steile These von wenigen Nachrichten, die zwischen Podesta und einem Pizzabäcker ausgetauscht worden sein sollen und keinen Sinn ergäben. Daher vermuten Verschwörungstheoretiker hier eine Geheimkommunikation in Pädophilenkreisen. Journalisten ist es kaum möglich, diese krassen Vorwürfe auch nur ansatzweise seriös zu überprüfen.

Noch obskurer?

Was jedoch Fakt ist: Die Anklage, die Russische Föderation habe sich mit Absicht in die Parteizentrale Clintons gehackt und so den Wahlkampf zum Vorteil von Donald Trump medial manipuliert, kursiert seit langer Zeit. Wenn Murray die Wahrheit sagt, fällt dieser Vorwurf in sich zusammen. Doch der Fall wird dann noch obskurer.